Rainer Schüttler unterliegt seinem Trainingspartner Lars Burgsmüller
Ein Spiel unter Freunden

Die Auszeit für die Freundschaft dauerte genau drei Stunden und sieben Minuten. So lange standen sich die beiden Freunde, Trainingspartner und Daviscup-Kollegen Rainer Schüttler und Lars Burgsmüller am Dienstag gegenüber.

HAMBURG. Doch dieses Mal war es kein Sparring im gemeinsamen Schweizer Wohnort Altstätten, sondern eine Erstrundenpartie des mit 2,45 Millionen Euro dotierten Masters-Turniers am Hamburger Rothenbaum. Wohl gemeinte gegenseitige Rücksichtnahme war da fehl am Platze.

Besser verinnerlicht hatte dies offenbar der nur mit einer Wildcard in das Hauptfeld gelangte Burgsmüller. Unter den Augen des gemeinsamen Trainers Dirk Hordorff und des Daviscup-Kapitäns Patrik Kühnen warf der gebürtige Mülheimer seinen an Nummer vier gesetzten und hoch favorisierten Freund mit 6:4, 6:7 (5:7) und 6:4 aus dem Wettbewerb und verkürzte in dem internen Prestigevergleich auf 3:4. Für Schüttler war es bereits die neunte Auftaktpleite in diesem Jahr.

"Das ist definitiv ein Tiefschlag, das kann man nicht leugnen", sagte Schüttler sichtlich geknickt. Dass sein Bezwinger dieses Mal aus dem eigenen Lager kam, sah der Korbacher letztlich positiv: "Dass Lars gewonnen hat, ist sogar noch ein Lichtblick. So ist wenigstens einer von uns in der nächsten Runde", sagte der gestürzte Favorit.

Auch rein äußerlich hatten die beiden 28-Jährigen von Beginn an Harmonie demonstriert, indem sie mit identischen rot-weißen T-Shirts aufliefen. In der ersten Phase der Begegnung hätten die gut 8000 Zuschauer zudem selbst einige Aktionen auf dem Platz so interpretieren können, als hätten die beiden Kontrahenten Schwierigkeiten damit, sich gegenseitig zu fordern.

Symptomatisch war dabei das sechste Spiel des ersten Satzes und das längste der gesamten Partie. Burgsmüller leistete sich drei Doppelfehler, doch Schüttler nutzte die Fehler seines Freundes nicht, sondern vergab seinerseits sechs Chancen zum Break, bevor er mit einem Vorhandfehler das Spiel abgab.

Von dem gewonnenen Zitterspiel beflügelt, legte Außenseiter Burgsmüller als Erster seine anfängliche Zurückhaltung ab und wurde immer forscher in seinen Aktionen. "Es ist nicht einfach, gegen einen Freund zu spielen", gestand er später ein. "Aber man muss versuchen, das ganz auszublenden. Zumal Rainer der Bessere von uns ist und ich gegen ihn mein bestes Tennis spielen muss."

Trotz einer während der gesamten Begegnung hohen Fehlerquote auf beiden Seiten entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, der das Hamburger Tennispublikum bei empfindlich kühlen zehn Grad immer wieder auch mit spektakulären Ballwechseln erwärmte. Doch gerade, als Schüttler mit einem Break im dritten Satz endgültig die Oberhand gewonnen zu haben schien, unterliefen ihm Fehler, die ihn ratlos zurückließen: "Ich kann jetzt nur hoffen, dass es bald besser wird."

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