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Raketenanschlag auf Auslandsgeheimdienst in London

Eine "kleine Rakete" traf am Mittwochabend das MI6-Hauptquartier, richtete jedoch nur "sehr geringe Schäden" an. Scotland Yard: Keine Spekulationen über Anschlag einer IRA-Splittergruppe.

London, 21. September (AFP) - Auf das Hauptquartier des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 im Zentrum von London ist am Mittwochabend ein Raketenanschlag verübt worden. Der Chef der Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard, Alan Fry, bestätigte am frühen Donnerstag, dass eine «kleine Rakete» das Gebäude am südlichen Themseufer in London getroffen habe. Dabei kam niemand zu Schaden. Laut Fry entstanden in Höhe des achten Stocks «sehr geringe Schäden». Der Geheimdienst habe seine Arbeit ohne Unterbrechung fortsetzen können. Über eine Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) als Täter wollte er nicht spekulieren. Aus Sicherheitsheitsgründen wurde der Zugverkehr ausgesetzt. Auch der Eurostar zwischen London und Paris sollte zunächst nicht fahren. Die Behörden rechneten mit einem Verkehrschaos in der Londoner Innenstadt.

Die erst kürzlich fertiggestellte Zentrale des MI6 befindet sich in der Nähe des Parlaments und des Sitzes des Inlandsgeheimdienstes MI5 und galt bislang als eines der am besten gesichertsten Gebäude im Land. Die Polizei sperrte sämtliche Straßen in dem Gebiet ab, darunter einige große Verkehrsachsen. Auch die Gleise zum Waterloo-Bahnhof, wo der Eurostar abfährt und ankommt, verlaufen dort.

Augenzeugen berichteten von zwei Explosionen. Eine Anwohnerin sagte, bei den beiden aufeinanderfolgenden starken Detonationen hätten ihre Fenster geklirrt. Im vergangenen Jahr war London mehrfach Ziel von Anschlägen einer Splittergruppe der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) gewesen. Dabei war eine Themse-Brücke bei einer Bombenexplosion beschädigt worden. Fry erinnerte daran, dass es überdies in den vergangenen vier Monaten in der Hauptstadt zwei Attentatsversuche gegeben habe. Am 1. Juni war unter einer Brücke im Londoner Westen eine Bombe explodiert, ohne dass jemand verletzt wurde. Am Tag der Feierlichkeiten aus Anlass des hundertsten Geburtstag der Königin-Mutter hatte die Polizei einen Sprengsatz in der U-Bahn entschärft.

Der neuerliche Anschlag löste Diskussionen über die Sicherheitsstandards für das Gebäude aus. Es ist mit bomben- und kugelsicheren Mauern und Fenstern ausgestattet und wird mit Kameras überwacht. Ein großer Teil des Komplexes liegt zudem unterirdisch, um sensible Operationen vor Angriffen zu schützen. In den vergangenen Monaten waren die Geheimdienste wiederholt wegen Zwischenfällen bei der Sicherheit ins Gerede gekommen. So hatte einmal ein Mitarbeiter ein Laptop mit geheimen Informationen in einer Bar liegen lassen.

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