Ralf Schumacher hakt WM nach Startcrash ab
Montoya gewinnt in Hockenheim

Ein Reifenschaden in der viertletzten Runde hat Michael Schumacher in der Gluthitze von Hockenheim den scheinbar sicheren zweiten Platz gekostet und ihm einen herben Rückschlag im Titelrennen verpasst. Statt eines Festivals in Rot und dem heiß erhofften Jubiläumssieg mit Ferrari blieb dem fünfmaligen Formel-1- Weltmeister ausgerechnet beim Heimrennen nur der enttäuschende siebte Platz. "Da gibt es das schöne Wort, das mit S c h anfängt", sagte Schumacher frustriert.

HB/dpa HOCKENHEIM. Williams-BMW-Pilot Juan Pablo Montoya gewann nach einer brillanten Leistung am Sonntag den spannenden Großen Preis von Deutschland und ist damit nach dem üblen Startcrash der drei anderen Titelkandidaten Ralf Schumacher, Kimi Räikkönen und Rubens Barrichello schärfster Verfolger des Spitzenreiters aus Kerpen. "Es lief perfekt", sagte der Kolumbianer freudestrahlend und zuversichtlich für die restliche Formel-1-Saison: "Es sind noch vier Rennen. Da kann alles passieren." BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen jubelte: "Heute waren wir gut für einen Doppelsieg."

Michael Schumacher hatte nach seinem sechsten Startplatz und dem Nachteil seiner Bridgestone-Reifen gegenüber den Michelin-Pneus keine echte Chance, seinen Vorjahreserfolg wiederholen zu können. Allerdings schien nach einem bravourösen Überholmanöver in der 60. von 67 Runden des Rennens wenigstens der zweite Rang garantiert, ehe dem linken Hinterreifen die Luft ausging. "Das hat in der Vergangenheit andere getroffen; heute war ich dran", sagte der 34 Jahre alte Rheinländer, der zum vierten Mal in Serie sieglos blieb. Er anerkannte Montoyas Galavorstellung: "Der zweite Platz hätte für uns das Maximum sein können. Wir können nur hoffen, dass wir uns in Budapest besser verkaufen."

Montoya spulte kühl und abgeklärt sein Programm ab. Zurecht feierte der 27 Jahre alte Kolumbianer auf dem 4,574 km langen Kurs in 1:28:48,769 Stunden seinen zweiten Saisonsieg nach Monaco. Der wild kämpfende Schumacher wies vor über 100 000 Besuchern eine Runde Rückstand auf. Der Schotte David Coulthard wurde im McLaren-Mercedes mit 65,459 Sekunden Rückstand Zweiter. Renault-Pilot Jarno Trulli (Italien) belegte nach 67 Runden (306,458 km) den dritten Platz.

Nach dem 12. von 16 Saisonläufen liegt Michael Schumacher (71 Punkte) nun sechs Zähler vor Montoya (65). Räikkönen (62) fiel wegen seines Nullers auf den dritten Rang vor Ralf Schumacher (53) zurück. Für das Mönchengladbacher Sauber-Duo verlief das Heimrennen unerfreulich. Nick Heidfeld blieb als Zehnter ohne Punkte; Heinz - Harald Frentzen war unmittelbar nach dem Start ausgeschieden.

Der Grand Prix begann mit einem Unfall-Schock und Schrott im Wert von einigen hunderttausend Euro: Etwa 200 m nach dem Start prallten der vorne liegende Ralf Schumacher und der von links hinten vorpreschende Kimi Räikkönen in Rubens Barrichellos Ferrari. Der finnische Silberpfeil-Pilot drehte sich danach mehrfach um die eigene Achse und prallte mit voller Wucht in einen Reifenstapel. Ralf Schumacher konnte seinen schwer beschädigten Williams-BMW noch in die Box bringen, musste dann aber frustriert aussteigen. Damit waren drei der fünf WM-Kandidaten schon nach fünf Sekunden aus dem Rennen.

"Ich wüsste nicht, was ich da falsch gemacht haben sollte", wies Ralf Schumacher sichtlich angefressen jede Schuld von sich. "Ich habe auf einmal nur einen Stoß gespürt." Unterboden, Seitenkasten und Kühler seien bei dem Zusammenprall kaputt gegangen. "Es hätte keinen Sinn mehr gemacht", meinte der 27-Jährige, der nun keine WM-Chance mehr für sich sieht: "Die Sache hat sich heute erledigt."

Opfer des an die Startunfälle von 2000 und 2001 erinnernden Crashs wurden auch die weit hinten losgefahrenen Heinz-Harald Frentzen und Ralph Firman. Der Brite krachte mit seinem Jordan in den Sauber des Mönchengladbachers. Für Frentzen war es schon der fünfte Saisonausfall. Sofort raste das Safety-Car auf die Strecke und neutralisierte das Rennen bis zur vierten Runde.

Pole-Man Montoya konnte seine Führung vor dem Renault-Duo Jarno Trulli/Fernando Alonso verteidigen. Michael Schumacher war nun Vierter. Der Kolumbianer baute seinen Vorsprung bis zum ersten Boxenstopp kontinuierlich aus. Parallel tankten Montoya und Michael Schumacher erstmals in der 18. Runde. Dabei büßte der Rheinländer weitere wertvolle Sekunden ein. Nach dem ersten Grand-Prix-Drittel lag er schon 21 Sekunden hinter dem Südamerikaner.

Die anschließenden Reifenwechsel änderten nichts Wesentliches an der Konstellation: Obwohl der Kolumbianer drei und damit ein Mal mehr als die restlichen Top-Platzierten anhielt, deklassierte er die Konkurrenten nach allen Regeln der Kunst. Es war ein beeindruckendes Beispiel weiß-blauer Stärke unter Sauna-Bedingungen.

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