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Ralf Schumacher: Toyota-Geld oder Karriere mit Williams

Monte Carlo (dpa) - Ralf Schumachers Wechsel von Williams-BMW zu Toyota ist noch lange nicht perfekt. «Es hängt sehr viel davon ab, wie es hier weitergeht», sagte der Formel-1-Fahrer in Monte Carlo. «Ich lasse mir noch ein bisschen Zeit mit meiner Entscheidung.»

Sein Manager Willi Weber verhandelte derweil im Spielerparadies mit Teamchef Frank Williams über zwei noch strittige Punkte im neuen Vertragswerk und legte die Trümpfe im Vertragspoker auf den Tisch: «Wenn man sich scheiden lässt, hat man in der Regel eine neue Freundin», sagte er der dpa und zitierte sogar den Toyota-Werbeslogan: «Nichts ist unmöglich.»

Im Motorhome mit Blick auf den mondänen Hafen verriet Williams-Technikchef Patrick Head später, in der neuen Saison nicht mit zwei unerfahrenen Piloten an den Start gehen zu wollen: «So holt man den WM-Titel nicht.» Deutete vor wenigen Tagen noch alles auf einen Schumacher-Wechsel nach Vertragsablauf zum Saisonende zu Toyota hin, stellt sich die Lage nun ganz anders dar. Die mittlerweile erfolgte Aussprache zwischen dem streitbaren Williams-Technikchef Head und Ralf Schumacher - dies glaubt nicht nur BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen - könnte das Betriebsklima gereinigt und den Weg zu einer weiteren Zusammenarbeit geebnet haben.

«Es sind Dinge passiert, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob Ralf überhaupt bleiben will», verwies Weber auf die atmosphärischen Störungen. «Es gibt keinen Zwang, die Fahrerfrage vor dem Saisonende zu entscheiden», sagte Theissen und spielt damit auf Zeit. «BMW wird konsultiert, aber die letzte Entscheidung trifft Frank Williams», erläuterte der BMW-Mann die Vorgehensweise. Er machte jedoch keinen Hehl daraus, den 28 Jahre alten Deutschen gerne behalten zu wollen.

Ralf Schumacher hat die Qual der Wahl. Vielleicht reagiert Toyota deshalb immer gereizter auf die vielen Spekulationen um den angeblichen Neuzugang. «Es ist nicht so, dass ich in irgendeiner Weise unter Druck stehe», sagte der jüngere Bruder des sechsmaligen Weltmeisters Michael Schumacher: «Es liegt an mir», betonte Ralf Schumacher. So spricht nur einer, der die Asse in der Hand hält.

Am 25. Mai werden Williams und Head im britischen Grove «eine offizielle Presseerklärung des BMW Williams F1 Teams abgeben», hieß es in einer Mitteilung. Head, dem 30 Prozent des Teams gehören, soll laut «Bild am Sonntag» entmachtet werden. Damit wäre es für Ralf Schumacher leichter, bei den Weiß-Blauen zu bleiben. «Es waren sechs sehr schöne Jahre. Aber alle haben mehr erwartet», sagte er. Und betonte dabei mehrfach, dass es ihm um die Karriere und nicht um das Geld gehe: «Grundsätzlich möchte ich Weltmeister werden.»

Laut Weber liegen dafür die besten Chancen bei Toyota. «Das ist das Team der Zukunft», erklärte der clevere Manager, der beide Rennställe geschickt gegeneinander ausspielt. Es mache keinen Sinn, mit Toyota nur einen Zwei-Jahres-Vertrag abzuschließen. «Um Siege und Titel fahren, das geht nur langfristig», sagte Weber.

«Wenn sich irgendjemand für dieses Team entschieden hätte, würde ich als Freund sagen, das ist nicht dumm. Es ist das am sichersten finanzierte Team in der Formel 1. Es ist ein Team, das nicht unter Druck steht und sich vorgenommen hat, langsam an die Spitze zu kommen. Ich würde den Mann und den Manager, dem das eingefallen ist, zu dieser Entscheidung beglückwünschen und ihm sagen, das war eine gute Entscheidung», lobte sich Weber mit schelmischem Grinsen selber.

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