Ralf Schumacher Trainingsschnellster
Weiß-blaue Party statt rotes Festival

Reifen-Opfer Michael Schumacher erlitt zum Auftakt seines heißen Heimspiels eine herbe Pleite, sein Bruder Ralf schlüpfte dagegen als Trainingsschnellster in die Hauptrolle. Bei typischem Michelin-Wetter hatte der Ferrari-Star am Freitag auf dem Hockenheimring mit seinen Bridgestone-Pneus keine Chance und landete abgeschlagen auf dem neunten Platz.

HB/dpa HOCKENHEIM. "Eine richtige Antwort gibt es eigentlich nicht wirklich", verzichtete der geschlagene Formel-1- Weltmeister auf Kritik am Reifenpartner. "Ich hatte keine allzu gute Runde, aber so viel hat mir sicherlich nicht gefehlt, dass der Abstand so groß ist", kommentierte er die 1,029 Sekunden Rückstand.

Williams-BMW nutzte seinen Reifenvorteil bei drückender Hitze: Hinter Ralf Schumacher sorgte Teamkollege Juan Pablo Montoya zur Enttäuschung zehntausender "Rotkäppchen" im Einzelzeitfahren zum Großen Preis von Deutschland für weiß-blaue Partystimmung. "Ich freue mich auf das Rennen. Es soll heiß bleiben, das passt zu unserem Paket", sagte der jüngere Schumacher bestens gelaunt.

Für die Ferraristi endete der Traum von einem roten Festival jäh: Nachdem sie mit Jubel, Trompeten und Fanfaren die Runde ihres Idols, das als Erster auf die Piste musste, lautstark gefeiert hatten, ebbte die Freude mit jedem nachfolgenden Fahrer stärker ab. Platz um Platz reichten die Konkurrenten den fünfmaligen Weltmeister aus Kerpen nach hinten durch. Michael Schumachers 1:15,456 Minuten auf dem 4,574 km langen Kurs genügten am Ende nur für einen ungewohnten Rang im Mittelfeld. Allerdings trübte das seine Stimmung nicht allzu sehr. "Wir wissen, was wir zu leisten im Stande sind", sagte er. "Im Hinblick auf das Rennen sind wir recht zuversichtlich."

Als einziger Bridgestone-Kollege konnte sich Teamkollege Rubens Barrichello direkt vor dem düpierten Rheinländer einreihen. Davor standen sieben Piloten mit Michelin-Reifen, die bei Hitze dem japanischen Gummi-Gemisch haushoch überlegen sind.

Ralf Schumacher war in 1:14,427 Minuten klar schneller. "Mein Auto war einfach perfekt", lobte der 28 Jahre alte Rheinländer die Arbeit seiner Ingenieure. BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger jubelte: "Ein optimales Trainingsergebnis und gute Voraussetzungen für ein starkes Rennen am Wochenende. Unser Paket zeigt, dass wir um den Sieg mitfahren können."

Die Weiß-Blauen haben angesichts der prognostizierten Hitze beste Chancen, ihren Rückstand in der WM-Wertung weiter zu verringern. Vor dem zwölften Saisonlauf am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) führt Titelverteidiger Michael Schumacher (69 Punkte) noch mit sieben Zählern Vorsprung vor McLaren-Mercedes-Mann Kimi Räikkönen (62). Dahinter folgen Montoya (55) und Ralf Schumacher (53).

Der Finne Räikkönen belegte im Training den sechsten Platz; sein schottischer Teamkollege David Coulthard enttäuschte als Elfter ein weiteres Mal. "Morgen im Renntrimm sollten wir bessere Karten haben", hofft Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug auf bessere Ergebnisse im Qualifikations-Training am (morgigen) Samstag. Für das Sauber-Team endete das Training ausgerechnet am Schweizer Nationalfeiertag mit einer herben Enttäuschung: Heinz-Harald Frentzen belegte nur den 13. Rang vor seinem Mönchengladbacher Stallgefährten Nick Heidfeld.

Ralf Schumacher hat angesichts des weiß-blauen Aufschwungs keine Lust mehr, für Ferrari zu fahren. "Letztes Jahr um diese Zeit hätte ich Ja gesagt. Dieses Jahr können wir uns das sparen", verwies er auf das neue Kräfteverhältnis in der Formel 1. 2002 war sein Bruder als frühester Weltmeister der Grand-Prix-Geschichte nach Hockenheim gekommen und der rote Renner eine Klasse für sich. Diese Saison verläuft so spannend wie lange nicht mehr und Williams-BMW rollt nach einer zähen, frustrierenden Anlaufphase das Feld von hinten auf.

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