Ramadan hat bisher kaum Kämpfe verhindert
Krieg im heiligen Fastenmonat

Vor allem im Ramadan, der Mitte November für Moslems in aller Welt beginnt, könnten sich islamische Staaten mit dem angegriffenen Bruderland Afghanistan solidarisieren.

afp NIKOSIA. Nach den fast dreiwöchigen Luftangriffen der USA gegen Afghanistan mehren sich in der islamischen Welt die Rufe nach einem Ende der Bombardements. Vor allem im heiligen Fastenmonat Ramadan, der Mitte November für Moslems in aller Welt beginnt, könnten sich islamische Staaten mit dem angegriffenen Bruderland solidarisieren. US-Verbündete wie Pakistan und Indonesien warnten Washington schon davor, die Angriffe in dieser Zeit fortzusetzen. Dabei gab es in der Vergangenheit gerade im Ramadan heftige kriegerische Auseinandersetzungen zwischen islamischen Ländern.

Der neunte Monat des islamischen Jahres ist für gläubige Moslems Gelegenheit zu Selbstdisziplinierung und innerer Einkehr. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dürfen sie weder essen noch trinken oder rauchen. Dass Kämpfen nicht verboten ist, zeigen dagegen schon die kriegerischen Auseinandersetzungen des Propheten Mohammed bis zu seinem Tod im Jahr 632. "Nach dem Koran gibt es vier Monate, in denen der Angriffskrieg verboten ist", erklärt Jaffar Abdel Salam, stellvertretender Rektor der Universität El Azhar in Kairo. "Der Ramadan gehört nicht dazu." So nahm Religionsstifter Mohammed das Heiligtum Mekka zwar ohne Blutvergießen, aber mitten im Ramadan ein.

Auch in jüngerer Zeit scheuten sich Moslems im Ramadan nicht vor kämpferischen Auseinandersetzungen. Im libanesischen Bürgerkrieg (1975 bis 1990) flauten die Kämpfe zwischen christlichen, moslemischen und drusischen Milizen auch während des Fastenmonats nie ab. Syrien und Ägypten nutzten 1973 den höchsten jüdischen Feiertag für einen Angriff gegen Israel - obwohl auch der Ramadan bereits begonnen hatte. Im Krieg zwischen Irak und Iran (1980 bis 1988) wies Teheran den irakischen Vorschlag, im Ramadan 1981 eine Feuerpause zu vereinbaren, als "Kriegslist" zurück. Die algerischen Islamisten verüben seit 1992 die blutigsten Attentate im heiligen Fastenmonat.

Bisher kein Anlass zur Pause

Anlass zur Feuerpause war der Ramadan auch für den Westen bislang nicht. Die USA und Großbritannien setzten die Bombardierung von irakischen Luftabwehrstellungen im Dezember 1998 fort, obwohl der Ramadan in diesen Tagen begann. Auch nach ihren dreiwöchigen Angriffen gegen die Gotteskrieger in Afghanistan deutet Washington an, dass die Bombardements noch länger dauern könnten. Pentagon-Mitarbeiter halten es für unwahrscheinlich, dass die Angriffe gegen die herrschenden Taliban vor dem nahenden Wintereinbruch beendet werden könnten.

Die Taliban-Miliz selbst dagegen hatte im afghanischen Bürgerkrieg noch vor zwei Jahren Gnade gezeigt. Gegenüber der Opposition im eigenen Land verkündeten die Koranschüler während des heiligen Ramadan eine Feuerpause.

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