Rampl soll aus der Krise führen
Hypo-Vereinsbank steckt tief in den roten Zahlen

Dieter Rampl soll als neuer Vorstandssprecher die Hypo-Vereinsbank aus der Krise führen. Der bisher für das Firmenkundengeschäft der zweitgrößten deutschen Bank zuständige Rampl übernimmt den Posten zum 1. Januar 2003 von Albrecht Schmidt, der dann an die Spitze des Aufsichtsrats rückt.

HB/dpa MÜNCHEN. "Wir müssen konsolidieren", sagte Rampl am Mittwoch in München und kündigte einen tief greifenden Konzernumbau an. Im dritten Quartal verbuchte die Hypo-Vereinsbank einen operativen Verlust von 684 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 245 Millionen Euro.

Wegen der Konjunkturflaute und der Pleitewelle fiel das Ergebnis noch schlechter aus, als von Analysten erwartet. Die Hypo-Vereinsbank mit dem größten Kreditportfolio aller deutschen Banken muss ihre Risikovorsorge deutlich aufstocken. Sie soll statt bisher geplanter 2,5 Milliarden Euro am Ende des Jahres bei 3,3 Milliarden Euro liegen und es könnte noch schlimmer kommen. "Ob das das Ende der Fahnenstange ist, kann seriös nicht beantwortet werden", sagte Finanzvorstand Wolfgang Sprißler. Der Aktienkurs brach angesichts der schlechten Nachrichten zeitweise um elf Prozent auf 14,70 Euro ein.

Mit der Entscheidung für Rampl setzt die Hypo-Vereinsbank in schwierigen Zeiten auf Nummer sicher. Der 55-Jährige, der seine Karriere 1968 als Lehrling bei der Vereinsbank begonnen hatte, gilt im Institut als Urgestein. Er habe das Firmenkunden-Geschäft erfolgreich auf Vordermann gebracht und sei fachlich allseits anerkannt, heißt es im Unternehmen. Als Firmenkunden-Vorstand ist er allerdings auch für die hohen Kreditwertberichtigungen der jüngeren Zeit zuständig. Die Hypo-Vereinsbank gehörte bei Pleiten wie Kirch, Fairchild Dornier und Holzmann zu den großen Kreditgebern.

Der neue Chef stellte bei seiner Vorstellung klar, dass er hart durchgreifen will. Die Hypo-Vereinsbank solle sich stärker auf das Privatkunden- und das mittelständische Firmenkundengeschäft konzentrieren. Dazu wird das gewerbliche Immobilienfinanzierungsgeschäft mit den Hypothekenbank-Beteiligungen gebündelt und möglichst als eigenständiger Konzern abgespalten. Auch defizitären Töchtern droht Ungemach. "Wir werden uns von Randaktivitäten, die nicht mehr zu unserem Kerngeschäft passen, trennen", sagte Rampl. Sprißler wies darauf hin, dass die Direktbank-Tochter DAB bank in den ersten neun Monaten 90 Millionen Euro Verlust machte.

Auch der Sparkurs soll weiter verschärft werden. Eine Prognose für das Gesamtjahr wagte die Bank nicht abzugeben. In den ersten neun Monaten entstand ein operativer Verlust von 443 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: plus 1,4 Mrd Euro). Der Zinsüberschuss gab um knapp sechs Prozent auf 5 Milliarden Euro nach. Der Provisionsüberschuss sank um knapp sieben Prozent auf gut 2 Milliarden Euro. Wegen eines Gewinns von 970 Millionen Euro aus Finanzanlagen unter anderem durch den Verkauf von Allianz-Anteilen verblieb in den ersten neun Monaten unter dem Strich ein Nachsteuer-Gewinn von 126 Millionen Euro (Vorjahr: 722 Mio Euro).

Für den Vorstandsvorsitz gehandelt wurden auch Finanzmarkt-Vorstand Stephan Bub und Stefan Jentzsch, der für das Vermögensmanagement zuständig ist. Für sie die Zeit angesichts der schwierigen Lage noch nicht reif gewesen, hieß es im Unternehmen. Sie sollen aber ein Kernteam um Rampl bilden und gelten als Kronprinzen, da Rampl wohl nur eine Periode von fünf Jahren amtieren wird.

Für Schmidt war der Zeitpunkt für die Stab-Übergabe denkbar ungünstig. "Das ist ein bewegender Tag auch für mich", sagte er. Unter der Führung des 64-Jährigen hatte die Bank unter anderem die Immobilienaffäre nach der Fusion mit der Hypo-Bank gut überstanden. Seinem Nachfolger wollte er eigentlich im Mai 2003 ein fertig ausgebautes Haus übergeben. Nun tritt er ein paar Monate früher ab. Insgesamt sieht er das Kreditinstitut aber trotz der Probleme gut aufgestellt: "Die Bank ist eine prima Bank und sie hat eine gute Zukunft."

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