Ran an die Microsoft-User
Kampfansage an Microsoft: Apple sucht „Switcher“

Apple bläst zum Angriff. Der Computerhersteller aus dem kalifornischen Cupertino stellt in diesen Tagen bei der "MacWorld" in New York nicht nur ein neues Betriebssystem vor - man geht einen Schritt weiter. Apple startet eine neue Attacke gegen den großen Konkurrenten Microsoft.

Der beherrscht mit einem Marktanteil von 95 % die Branche und verdrängt Apple auf einen Nischenplatz.

Schon lange bemüht sich Apple, diesen zu verlassen, doch haben eine Reihe aufsehenerregender Innovationen und Designs dem Unternehmen nur Renommee eingebracht - aber keine Kunden. Um die kämpft man weiter und die Losung ist klar: Bis 2005 strebt Apple-Chef Steve Jobs einen Marktanteil von 10 % an - das entspricht einer Verdopplung innerhalb von 3 Jahren.

Auf dem Weg dahin hat man kurzerhand die Zielgruppe geändert. Apple wirbt nicht länger nur um Neukunden, sondern konzentriert sich verstärkt auf Microsoft-User, die Windows nach dem hundertfünfzigsten Crash nicht mehr sehen können. Die sollen wechseln - im Branchenjargon heißen sie dann "Switcher". Steve Jobs ist optimistisch, dem Marktführer massiv Kunden streitig zu machen. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass es eine Menge Leute gibt, die zu Apple wechseln wollen, die aber Angst vor technischen Problemen haben."

Diese verweist Apple an die Software-Schmiede Detto. Die hat ein Programm im Angebot, das "Move to Mac" heißt - "Umziehen auf den Mac". Die Software überträgt sämtliche Daten vom alten PC auf den neuen Apple, das dauert ein paar Minuten und funktioniert mit nur wenigen Mausklicks. Die Initiative für "Move to Mac" kam von Steve Jobs, der nach ersten Erfolgen weiteren Zuspruch erwartet. "Wir werden noch eine Menge Leute zu uns ziehen. Es gibt da draußen nämlich noch jede Menge ,Switcher?", sagt der Apple-Chef.

Tatsächlich läuft die Kampagne um die "Switcher" nach Plan. Täglich gehen neue Erlebnisberichte auf der Apple-Website ein. Darüber hinaus haben bereits 1,7 Millionen User Infos zur Systemumstellung angeklickt - davon kamen 70 % über Windows-Schnittstellen.

Wer nicht von selbst wechseln will, den geht Apple subtil an - mit einem trojanischen Pferd namens iPod. Der vielgelobte digitale Walkman, der bisher Apple-Usern vorbehalten war, kommt neu mit größerem Speicher und ist Windows-fähig. 4000 Songs lassen sich im Hosentaschenformat speichern, wenn die 20 Gigabyte nicht gerade anderweitig genutzt werden - zum Beispiel als mobile Festplatte.

Eine Handvoll neuer Features könnte dem iPod zum Durchbruch in der PC-Kommune verhelfen. Ben Williams, Werbedesigner in New York und hin- und hergerissen zwischen Apple und Microsoft, sieht das so: "Apple untergräbt den PC-Markt langsam aber mit System. Der iPod kommt zum Beispiel mit Adressbuch und Kalender, die Software gibt?s kostenlos auf der Website, und irgendwann sieht der Verbraucher: Was Apple da bietet, ist wirklich ein gutes Produkt. Früher oder später wechselt er dann vielleicht vom PC auf den Mac."

Doch nicht nur Musikfans sollen sich für Apple begeistern. Die übrigen will Apple mit dem Unix-gesteuerten Betriebssystem OS X überzeugen - dessen neue Version "Jaguar" begründet ein weiteres zentrales Element in Apples Vision: Die totale Vernetzung des Computers mit anderen elektronischen Geräten bis hin zum Handy. Steve Jobs nennt das "Technologie for the rest of us" - das Netzwerk für jedermann, und darin sieht auch der Buch-Autor David Pogue die Zukunft. "Niemand weiß, wie das genau aussehen wird. Aber eines ist sicher. Es werden ganz neue Technologien kommen, mit denen keiner rechnet, und die zum Beispiel das Handy und den Organizer stärker mit einbeziehen. Wohin das im Detail führt, sage ich lieber nicht - man macht sich da schnell zum Idioten."

Erste Hinweise auf neue Technologien sind bei Apple frühestens im nächsten Jahr zu sehen. Bei der Januar-Messe in San Francisco könnte Steve Jobs bereits das Ergebnis einer erfolgversprechenden Kooperation mit Sony Ericsson und dem Netzwerk-Betreiber Cingular vorstellen. Gemeinsam arbeitet man seit einigen Monaten an der Vision "Mac to mobile" - einem ersten Schritt in die Zukunft. Ob man damit gegenüber dem Konkurrenten Microsoft aufholen kann, wird sich zeigen.

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