Rangliste des Wall Street Journal
Die Besten der Besten

Das Erdbeben ist vorüber. Als die Handelsblatt-Partnerzeitung Wall Street Journal im letzten Jahr erstmals ihre eigene Rangliste der weltbesten Business Schools herausbrachte, blieb kaum ein Stein auf dem anderen (siehe Handelsblatt vom 4.5.2001).

HB DÜSSELDORF. Die großen Namen der US-MBA-Szene, die man allgemein als die führenden Business Schools betrachtet, sahen sich auf die hinteren Plätze verwiesen, kleinere und weniger renommierte Schulen schossen nach oben.

Mit dem soeben in den USA erschienenen MBA Ranking 2002, das wir hier exklusiv für Deutschland publizieren, kehrt Ruhe ein. "Die großen Namen sind zurück", stellt Ronald Alsop vom Wall Street Journal fest. Und damit ein Stück Normalität. Denn plötzlich unterscheidet sich auch das Wall-Street-Journal-Ranking, das für so viel Aufregung gesorgt hat, nicht mehr dramatisch von den konkurrierenden Ranglisten von Financial Times, Business Week und US News and World Report.

Denn egal welches der maßgeblichen Rankings man betrachtet, es sind immer die fünf gleichen Namen, die die Spitzenplätze (in unterschiedlicher Rangfolge) unter sich ausmachen: Harvard Business School, Columbia Business School (New York), Kellogg (Northwestern University), The University of Chicago Graduate School of Business und Wharton (Philadelphia). Und dass Tuck (Dartmouth College) zum zweiten Mal in Folge das Wall-Street-Journal-Ranking anführt, bestätigt einmal mehr den Aufwärtstrend dieser kleinen, teamorientierten Schule. Lediglich die University of Michigan Business School (Ann Arbor) und die Carnegie Mellon University (Pittsburgh) schneiden beim Wall Street Journal bemerkenswert gut ab.

"Wir können die Rankings nicht ignorieren"

Solche Ranglisten der besten Business Schools sind - vor allem in den USA - von extrem hoher Bedeutung. Aus Studentenbefragungen ist bekannt, dass das Abschneiden bei einem der einflussreichen Rankings fast das wichtigste Kriterium für die Wahl einer bestimmten Schule ist. Und die kann dann nicht nur aus einem größeren Pool hoch qualifizierter Kandidaten ihre MBA-Studenten auswählen, sondern auch höhere Gebühren für ihre Programme verlangen.

Mehr noch: Diejenigen Business-School-Deans, die von externer Finanzierung abhängig sind, stehen unter hohem Druck, ihre Schule auf einen der vorderen Plätze zu bringen. So mancher verliert seinen gut dotierten Posten, wenn ihm dies nicht gelingt.

Damit wird die Versuchung groß, die Programme nicht nach den Bedürfnissen der Studenten oder Arbeitgeber zu modifizieren, sondern nach den Kriterien der einflussreichsten Rankings. Natürlich stellen dies alle Business Schools erst einmal in Abrede. Aber Richard Voss vom Babson College, einer Hochschule, die das Wall Street Journal als "verstecktes Juwel" beschreibt, bekennt gegenüber dem Handelsblatt: "Wir können solche Rankings nicht ignorieren. Mögliche MBA-Studenten nutzen diese für ihre Schulwahl. Vielleicht wichtiger noch ist die Tatsache, dass sie uns zeigt, was die wichtigsten Stakeholder denken: Das Wall-Street-Journal-Ranking gibt uns die Meinung der Recruiter, das Financial-Times-Ranking spiegelt die Meinung von Absolventen drei Jahre nach ihrem Examen wider und Business Week die der gegenwärtigen MBA-Studenten, US News and World Report die der anderen Anbieter von Managerausbildung."

Wer zahlt, der bestimmt auch

Was das Wall-Street-Journal-Ranking so besonders macht, ist seine Methodik. Befragt werden - nach einem Multikriteriensystem - ausschließlich Personaler, die an Business Schools rekrutieren. Das zu Grunde liegende Argument hierfür ist brutal einfach: Wer zahlt, der bestimmt auch, wen er nach welchen Kriterien aussucht und einstellt. Anders ausgedrückt: Der Master of Business Administration (MBA) ist kein akademischer Titel, sondern ein Karrieresprungbrett. Sein (Markt-)Wert berechnet sich deshalb nach den mit ihm verbundenen Karrierechancen. Und über die entscheiden die Unternehmen

.

In dieser vereinfachenden Sichtweise liegt eine besondere Problematik. Denn in gewisser Weise spiegelt das WSJ-Ranking nicht nur wider, wie Recruiter Business Schools einschätzen, sondern wie sie von und an ihnen behandelt werden! Dadurch erklärt sich auch der Arroganz-Malus, der einige Top-Schulen bestraft. So finden sich beispielsweise Stanford Graduate School of Business und die Sloan School of Management (MIT), zwei der US-Business Schools, die gängigerweise zur Top-Gruppe gerechnet werden, beim WSJ nur auf den Plätzen 30 (MIT/Sloan) und 39 (Stanford) wieder. Die Erklärung hierfür: Ihre MBA-Absolventen traten gegenüber den Recruitern zu arrogant und fordernd auf

.

Genauso sprechend sind die Reaktionen der Schulen: In einer Pressemitteilung dankt Robert S. Adler, MBA-Dean an Kenan-Flagler (University of North Carolina), die den Sprung auf Platz zwölf schaffte, vor allem seinem Career-Services-Team, also den Leuten, die den direkten Kontakt zu Recruitern pflegen. Und Andy Chan, der neue Leiter des Career-Services-Office an Stanford, berichtet das Wall Street Journal, hat erst einmal das Mobiliar im Recruiter-Raum aufpoliert. "Wir wollen, dass die Recruiter, die zu uns kommen, eine positive Erfahrung machen", sagt Chan.

Europäische Schulen auf den hinteren Plätzen

Paradoxerweise liegt in der Behandlung der Recruiter wohl auch der Grund für das bessere Abschneiden der großen US-Schulen in diesem Jahr. Der US-Arbeitsmarkt ist angespannt, da werden auch die verwöhnten MBA-Absolventen der Top-Schulen bescheidener und haben nicht mehr so viel Auswahl. "Die Anwerber sagen, dass sie mit mehr Respekt behandelt werden und größeren Erfolg haben", beschreibt das Wall Street Journal die Situation. Bleibt das große Manko des WSJ-Rankings: seine US-Lastigkeit. Nur neun Prozent der 2 221 befragten Anwerber sind in Europa ansässig. Damit sind Aussagen über die europäischen Schulen stark verzerrt und letztlich irrelevant.

Die drei besten europäischen Schulen finden sich nur auf hinteren Plätzen wieder: IMD (Lausanne) auf Platz 21, Insead (Fontainebleau) gar nur auf Platz 37 und die London Business School auf Platz 45. Andere Top-Schulen wie die Rotterdam School of Management und IESE (Barcelona) sind überhaupt nicht vertreten.

Vom Handelsblatt befragt, findet man bei Insead deutliche Worte: "Wir sind enttäuscht und stellen die Glaubwürdigkeit dieses Rankings wegen der vielen Schwachstellen der Methodik in Frage. Dazu gehören insbesondere die Nichtveröffentlichung der Antwortquoten, die starke US-Lastigkeit, die nicht repräsentative Sample-Größe, die Übergewichtung der Meinung von kleinen Recruitern und der Einfluss, den Schulen auf die Auswahl von Unternehmen und Recruitern nehmen können.

Gleichwohl hat das Ranking auch für deutsche Interessenten Aussagekraft: Wer wissen will, wo in der US-MBA-Welt gerade die Musik spielt, dem kann es ein guter Wegweiser sein.

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