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Rassismus grassiert in Europas Arenen

Der Rassismus grassiert in Europas Fußball-Stadien, in Deutschland sind weniger als zwei Jahre vor der WM derartige Zwischenfälle jedoch eher die Ausnahme.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der Rassismus grassiert in Europas Fußball-Stadien, in Deutschland sind weniger als zwei Jahre vor der WM derartige Zwischenfälle jedoch eher die Ausnahme.

"Es gibt zwar immer wieder Ausraster, aber deren geringe Zahl wirft insgesamt ein gutes Licht auf die Präventivarbeit in Deutschland", sagt der Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Harald Stenger. Gleichwohl sehe der DFB laut Stenger die Situation keineswegs überheblich, "sondern ganz bewusst selbstkritisch".

Auch für das internationale Netzwerk "Football Against Racism in Europe" (Fare) stellt Deutschland nach Angaben ihres Mitarbeiters Kurt Wächter "nicht unbedingt einen Problemfall" dar. Stattdessen steht vor allem Spanien im Blickpunkt der Organisation, aber auch England und einige osteuropäische Länder. Was beispielsweise in Polen abgehe, sei nicht zu vergleichen, erklärt Wächter. Gleichwohl will er nicht von einer "Welle des Rassismus reden". Vielmehr sei die Öffentlichkeit mittlerweile stärker sensibilisiert für das Thema.

Die Organisation erstellte 2002 einen von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) unterstützten Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Rassismus auf. Dennoch ist zwei Jahre später das Thema allgegenwärtig. "Rassismus bleibt weiterhin das größte Problem im europäischen Fußball", schrieb die Uefa nach dem Skandal im Länderspiel zwischen Spanien und England in Madrid.

So mussten die dunkelhäutigen Gäste-Spieler übelste Schmährufe über sich ergehen lassen. Der Weltverband Fifa leitete eine Untersuchung ein. Am 23. November kam es in Madrid erneut zu rassistischen Zwischenfällen - unter anderem Nazi-Grüßen - beim Spiel Real gegen Bayer 04 Leverkusen. Barcelonas Samuel Eto'o wurde beim Erstliga-Neuling Getafe permanent beschimpft. In England wurde ein Zuschauer zu einer Geldstrafe (1 300 Euro) und fünf Jahren Stadionverbot verurteilt, nachdem er mit einem weiteren Anhänger Dwight Yorke von Birmingham City mit Schmährufen bedacht hatte.

Und in Deutschland? "Wir haben nur einen Fall vorgelegt bekommen, aus Berlin", erklärt Wächter. Weitergeleitet vom Zusammenschluss "Flutlicht" (Berlin), einer von zwei deutschen "Fare"-Partnern neben der Schalker Fan-Initiative. Demnach hatten beim Berliner Viertliga- Duell Anhänger des BFC Dynamo die gegnerischen Fans von Türkiyemspor aufs Übelste beschimpft.

"Es ist richtig, dass es in den Amateurklassen zu unliebsamen Zwischenfällen kommt", räumt DFB-Sprecher Stenger ein. "Es wird immer Menschen geben, die Ausländer nicht mögen", sagt der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern, René C. Jäggi. Die Pfälzer haben selbst einige dunkelhäutige Spieler in ihren Reihen. "Man sollte über dieses Thema reden, aber auch nicht über Gebühr dramatisieren", meint Jäggi.

Der Verband und die deutschen Vereine beugen weiter mit gemeinsamen Aktionsprogrammen rassistischen Auswüchsen vor. Dazu zählt unter anderen die Ausstellung "Kultort Stadion" in der Essener Zeche Zollverein. "Auch der Fußball in Deutschland steht in der Verantwortung des Grundgesetzes und muss seine gesellschaftliche Rolle wahrnehmen", verdeutlichte der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Für die WM 2006 im eigenen Land wird ein Katalog zur Fan- und Besucherbetreuung erstellt. "Rassismus ist darin ein wesentlicher Punkt", sagte der Leiter der Abteilung Sicherheit im WM-OK, Helmut Spahn, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Schließlich lautet das Motto für das nahende Fußball-Spektakel: "Die Welt zu Gast bei Freunden."

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