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Rassistische Rufe in Spanien empören Engländer

Rassistische Schmährufe des Publikums gegen schwarze Fußballer beim Länderspiel zwischen Spanien und England (1:0) haben in Großbritannien eine Welle der Empörung ausgelöst.

dpa LONDON. Rassistische Schmährufe des Publikums gegen schwarze Fußballer beim Länderspiel zwischen Spanien und England (1:0) haben in Großbritannien eine Welle der Empörung ausgelöst.

Premierminister Tony Blair äußerte sich entsetzt. "Rassismus hat im Sport und anderen Bereichen nichts zu suchen", ließ der Regierungschef über einen Sprecher in London erklären. Der Weltfußballverband Fifa kündigte Untersuchungen an und forderte den spanischen Verband zu einer Stellungnahme auf. "Die Fifa ist besorgt über die jüngste Zunahme rassistischer Vorkommnisse im Fußball und verurteilt diese Auswüsche", hieß es in einer Erklärung. Fifa-Präsident Joseph Blatter machte deutlich: "Rassismus und Diskriminierung haben in unserem Sport keinen Platz."

Beim Länderspiel im Madrider Bernabéu-Stadion waren die dunkelhäutigen englischen Spieler Jermaine Jenas, Ashley Cole and Shaun Wright-Phillips vom Publikum systematisch ausgebuht und mit Affengeschrei verhöhnt worden. "Das war das Schlimmste, das mir je widerfahren ist", sagte Jenas. "Es war skandalös. Es muss etwas geschehen." Mitglieder der britischen Regierung verlangten von Spanien eine Entschuldigung. Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson forderte, die Europäische Fußball-Union (Uefa) und der Weltverband (Fifa) sollten gegen Spanien vorgehen.

Spaniens Regierung verurteilte das rassistische Verhalten der Zuschauer "auf das Schärfste". "Rassistische Äußerungen sind nicht hinzunehmen, weder im Sport noch anderswo." Die Regierung wies aber zugleich darauf hin, dass die Schmährufe nur von einer "Minderheit" der Zuschauer ausgegangen seien.

Die britische Presse meinte übereinstimmend: "Es war eine Schande." Die "Daily Mail" sprach von einer "beschämenden Schlacht im Bernabéu-Stadion" und von "krankem rassistischem Spott". Nach Ansicht des "Daily Telegraph" hatten die Sprechchöre sogar Einfluss auf das Ergebnis: "Die Nacht der Schande betäubt England."

Die Zwischenfälle waren der traurige Höhepunkt eines seit Wochen schwelenden Rassismus-Streits zwischen dem englischen und dem spanischen Fußballverband. Der Streit war ausgelöst worden vom spanischen Nationaltrainer Luis Aragonés, der den Stürmer Thierry Henry (Arsenal London) als "Scheißneger" bezeichnet hatte. Rassismus-Vorwürfe in der britischen Presse konterte der Coach mit einem Hinweis auf die koloniale Vergangenheit der Briten. Auch beim U-21-Länderspiel Spanien gegen England in Alcalá de Henares gab es rassistische Entgleisungen im Publikum.

Der britische Europaminister Denis Mcshane verlangte von den Verantwortlichen in Spanien eine "öffentliche Entschuldigung". Der Londoner Staatsminister für Sport, Richard Caborn, erklärte: "Ich möchte, dass der spanische Verband diese Szenen verurteilt. Ich bin fest davon überzeugt, dass auf höchster Stufe Maßnahmen ergriffen werden müssen." Piara Powar, Sprecher der Anti-Rassismus-Organisation "Kick It Out", forderte gar: "Die Uefa muss Spanien mit einem Stadionverbot bestrafen." Nationalcoach Eriksson meinte nach dem Länderspiel in Madrid: "Ich glaube, dass wir in England bei der Bekämpfung des Rassismus weiter sind als andere Länder."

Die Spanier brachten demgegenüber vor, die Engländer hätten im Bernabéu-Stadion eine überaus ruppige Gangart eingeschlagen. Englands Torjäger Wayne Rooney stand nach einer Serie rüder Fouls am Rande eines Feldverweises. Eriksson wechselte den Jungstar noch vor der Pause aus, um ihm die Rote Karte zu ersparen. "Die Spanier spielten Fußball, und die Engländer traten nur um sich", titelte das Sportblatt "As". Verteidiger Asier del Horno erzielte in der 8. Minute den Siegtreffer für die Spanier in deren 500. Länderspiel.

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