Ratensparverträge: Die einfachsten Produkte der staatlich geförderten Altersvorsorge
Banken mauern bei eigenen Riester-Sparplänen

Das Produkt ist einfach, aber transparent. Es beschert keine Traumrendite, aber auch keine schlaflosen Nächte. Der riesterfähige Banksparplan ist eine sichere Anlage ohne große Kostenbelastung. Doch viele Banken halten das Produkt unter Verschluss. Dabei könnte es sich vor allem für Ältere rechnen.

DÜSSELDORF. Über 90 Prozent der etwa 3 500 zugelassenen Riester-Produkte sind Banksparpläne. Doch die meisten davon liegen lediglich in den Schubladen der Kreditinsitute. So hat etwa die Berliner Volksbank gleich drei Banksparpläne für die staatlich geförderte private Altersvorsorge (Riester-Rente) zertifizieren lassen. Doch die größte Volksbank der Republik bietet ihren Kunden keinen der riesterfähigen Banksparpläne an. Ähnlich verfährt die BHW. Der Finanzdienstleister aus Hameln verfügt zwar über einen zugelassenen Ratensparplan mit dem schönen Namen "BHW Förderkonto", hat ihn aber nicht auf den Markt gebracht. Und wer als Kunde einer Privatbank, sei sie groß oder klein, nach einem riesterfähigen Ratensparvertrag nachfragt, dürfte wohl nur ein mildes Lächeln ernten. Denn ob Deutsche, Dresdner oder Commerz, die Privaten haben sich noch nicht einmal einen Bankensparplan zertifizieren lassen. Die Geldbranche rührt die Werbetrommel dagegen kräftig für Rentenversicherungen und Fonds - und auch Banken, die sich zu einem Riester-Sparplan durchgerungen haben, erklären unverhohlen: "Wir bieten das Produkt nicht aktiv an."

Verbraucherschützer: "Da tauchen alte Sünden wieder auf"

"Mein Verdacht ist, dass die Banken in ersten Linie Versicherungs- und Fondsprodukte verkaufen wollen", sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn für Banksparpläne fallen im Gegensatz zu Versicherungs- oder Fondsprodukten für den Kunden normalerweise keine Vertriebs- oder Verwaltungskosten für den Kunden an. Das heißt aber für den Bankmitarbeiter: kaum Provisionen. Dies wird in der Branche hinter vorgehaltener Hand auch bestätigt. Der Aufwand sei zudem relativ hoch, weil jedes Jahr etwa das aktuelle Einkommen ermittelt, die Zulage verbucht und eine Standmitteilung über das Ersparte verschickt werden müsse. Das rechnet sich offenbar für viele Banken nicht.

Rechnen kann sich ein solch konservatives Produkt für den Kunden aber durchaus. "Aus meiner Sicht ist es für diejenigen überlegenswert, die etwa zehn Jahre vor der Rente stehen", sagt Verbraucherschützer Bieler. Denn in den ersten zehn Jahren ziehen etwa die Versicherungen die nicht unerheblichen Provisionszahlungen von den Sparbeiträgen ab, so dass unter dem Strich trotz möglicherweise höherer Rendite weniger Rentenkapital zur Verfügung steht als bei einem Banksparplan (siehe Kasten). Der Vorteil für den Vorsorgesparer: "Er nimmt die Zulagen mit und weiß genau, was hinten rauskommt", sagt Bieler. Diese Meinung teilt auch Peter Edinger, Vorstand im Bundesverband Finanzplaner. "Über längere Perioden dürfte die Rendite aber zu schwach sein", fügt er hinzu.

Auf dem Markt gibt es bislang fast nur Angebote der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken oder der öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Die eingezahlten Raten und Zulagen werden mit einem vereinbarten Satz verzinst. Der Zins wird dann entweder regelmäßig angehoben (Staffelzins) oder durch Bonuszahlungen aufgepeppt.

Schwachpunkt: Variabler Grundzins

Die Frankfurter Volksbank, Nummer zwei hinter den Berlinern, bietet zum Beispiel einen Bonussparplan ("VR-RentePlus") an. Das Guthaben wird mit 3,25 Prozent verzinst. Ab dem dritten Jahr wird ein Bonus auf die Beiträge des vorangegangenen Jahres gezahlt. Dieser beträgt zunächst ein Prozent und steigt ab dem 20. Jahr auf 20 Prozent an. Der Wechsel zu einem anderen Anbieter kostet 50 Euro.

Die Stadtsparkasse Köln bietet dagegen für ihr Produkt "SK-VorsorgePlus" 3,00 Prozent Zinsen. Der Satz steigt nach zehn Jahren um 0,50 Prozentpunkte. Nach 20 Jahren liegt er um 1,25 und nach 40 Jahren um 1,50 Prozentpunkte über dem Grundzins. Dazu gibt es noch einen Schlussbonus. Wer etwa 20 Jahre bis zur Rente gespart hat, erhält nochmals 3,75 Prozent auf sein Guthaben. Als Wechselgebühr fallen ein Prozent des Guthabens, mindestens aber 25,56 Euro an.

Ein Schwachpunkt aus Kundensicht ist allerdings, dass der Grundzins bei beiden Angeboten variabel ist. Das heißt, die Bank passt den Zins von Zeit zu Zeit an. Einen festen Referenzzins nennen beide Institute nicht. Es heißt lediglich, man beobachte den Geld- und Kapitalmarkt intensiv und werde entsprechend reagieren. Die Institute können so ihre Marge bestimmen.

"Da tauchen alte Sünden wieder auf", meint Verbraucherschützer Bieler mit Blick auf die Erfahrung mit variablen Hypothekenkrediten. Dabei bietet etwa das Referenzzinsmodell des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, das sich viele Mitgliedsinstitute haben zertifizieren lassen, eine feste Bezugsgröße: die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen. Anzupassen wäre sie vierteljährlich.

Wenn die Rente in Sicht ist, kann der Kunde wählen, wie das Geld ausgezahlt werden soll. Entweder er erhält bis zum 85. Lebensjahr eine monatliche Rate, und ab 85 greift eine Rentenversicherung, in die ein Teil des angesparten Kapitals fließt. Oder das gesamte Guthaben wird in eine Rentenversicherung eingezahlt, die dem Kunden eine Leibrente überweist. Ganz ohne Versicherung funktioniert Riester also nicht.

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