Rating-Agentur stuft Luftfahrtkonzern zurück
Neue Probleme für Lufthansa

Zur anhaltenden Krise im Luftverkehr kommen neue Sorgen für die Lufthansa. Vor allem die Übernahme der Catering-Gruppe LSG Sky Chefs liegt dem Konzern schwer im Magen.

DÜSSELDORF. Die Deutsche Lufthansa AG gerät in der aktuellen Luftfahrtkrise weiter unter Druck. Vor allem die finanziellen Probleme ihrer Tochtergesellschaft LSG Sky Chefs machen der Lufthansa immer stärker zu schaffen. Das Unternehmen ist mit drei Milliarden Euro Umsatz Weltmarktführer im Catering. Doch nun schlägt der massive Umsatzeinbruch in diesem Geschäft voll auf das Konzernergebnis durch. Für einen Kaufpreis von 1,3 Mrd. Euro hatte Lufthansa die amerikanische Mutter von Sky Chefs, Onex Food Services, zum 1. Juli komplett übernommen.

Nach Einschätzung von Luftfahrt-Analysten wird es 2002 im Catering-Geschäft, vor allem in den USA, Umsatzeinbrüche von bis zu 50 % geben. "Es gibt wegen der Sky Chefs erhebliche interne Aufregung", hieß es gestern in unternehmensnahen Kreisen. Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte, dass das Geschäftsfeld Catering "massiv eingebrochen" sei. Allerdings habe der Konzern prompt reagiert und bereits die nötigen Gegenmaßnahmen eingeleitet. Die Situation sei deshalb "nicht neu".

Die Ratingagentur Moody?s hat jedoch als Folge der anhaltenden Turbulenzen ihre Bonitätsbewertung der Lufthansa gestern gleich um zwei Stufen nach unten korrigiert. Eine Herabsetzung um zwei Stufen ist zwar drastisch, aber nicht ungewöhnlich. Auch die Autokonzerne Ford und General Motors wurden im Herbst entsprechend zurückgestuft.

Die Abstufung von A2 auf Baa1 begründete Moody?s damit, dass die Verschuldung des Konzerns durch die Übernahme des Sky-Chefs-Geschäfts gestiegen sei. Sollte die Flaute im Catering-Geschäft anhalten, könnte Lufthansa zudem gezwungen sein, weitere Finanzhilfen für Sky Chefs zu gewähren. Von dem ursprünglich für 2002 geplanten Börsengang ist keine Rede mehr.

Nahezu zeitgleich bewertete Standard & Poor?s (S&P) die Kreditwürdigkeit der Lufthansa gestern mit "BBB+". Das bedeutet eine mittlere Bonität. Die Einstufung liegt jedoch noch innerhalb der als recht sicher geltenden Investmentklasse. Ohne die Übernahme von Sky Chefs und deren Verbindlichkeiten wäre das Rating womöglich um eine Stufe besser (A-) ausgefallen, sagte S&P-Analystin Virginie Casin.

Das mit rund 30 % Marktanteil weltweit führende Catering-Unternehmen ist vom geringen Passagieraufkommen mit Abstand am stärksten betroffen. So hat etwa die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines, wichtigster Umsatzbringer der Sky Chefs, ihren Service an Bord drastisch reduziert.

"Die Krise wird nicht ewig dauern, aber der Ausblick bleibt weiterhin schlecht," sagte Stefan Kick, Analyst der BHF-Bank. Er sieht das Risiko, dass Lufthansa zum Jahresende auf Teile des Onex-Firmenwerts in Höhe von 2,4 Mrd. Euro eine außerordentliche Abschreibung vornehmen muss.

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