Ratingagentur Moody’s behält den negativen Ausblick für deutsche Finanzinstitute bei
Trübe Aussichten für Banken

Die deutschen Banken haben derzeit alle Hände voll zu tun, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Die Ratingagentur Moody?s sieht für die Kreditwirtschaft hier zu Lande eher schwarz.

po FRANKFURT/M. Eine echte Bankenkrise gibt es in Deutschland nicht. Aber schwierig ist das Umfeld ohne Zweifel. Die privaten Geschäftsbanken in Deutschland basteln derzeit kräftig an ihrer Zukunftsfähigkeit, strukturieren ihre Konzerne ein um das andere Mal um und stärken die Führungsspitze. Die Zusammenlegung von einzelnen Geschäftseinheiten wie zum Beispiel den Hypothekenbanken soll Kosten- und Ertragssynergien bringen. Der öffentlich-rechtliche Sektor sowie die Genossenschaftsbanken versuchen über Fusionen größere Einheiten zu schaffen. Alle Institute leiden unter den niedrigen Margen und den hohen Kosten.

Dies bewegt die internationale Ratingagentur Moody?s, den Ausblick für die deutsche Kreditwirtschaft auf "negative" zu belassen. Nennenswerte Herabstufungen deutscher Banken sind zwar bislang ausgeblieben, was mit dem breit gestreuten Betätigungsfeldes und der Finanzkraft der Banken begründet wird. Allerdings könnte es zu einer Anpassung einzelner Ratings nach unten kommen, sollten die Rahmenbedingungen unverändert volatil bleiben, schreiben die Analysten in der Studie. Mit einem durchschnittlichen Rating von C+ bis B- liegen die deutschen Institute im internationalen Vergleich weit abgeschlagen auf Platz 21. An der Spitze liegen niederländische Banken mit einem Durchschnittsrating von B+ bis A-, gefolgt von britischen Finanzinstituten und dänischen Geldhäusern.

Die Analysten von Sal. Oppenheim sehen in 2002 vor allem die Kostenbegrenzung als zentrale Aufgaben für die europäischen Banken. Während die Kosten europaweit im Jahr 2001 noch um rund 10 % zulegen werden, erwarten die Experten im kommenden Jahr nur noch einen Anstieg der Aufwendungen im Bankensektor um 0,5 %. Auch hier hinken die deutschen Banken ihren europäischen Kollegen ein wenig hinterher: Am effizientesten bei der Kostenbekämpfung seien die italienischen und spanischen Banken, schreibt Sal. Oppenheim.

Öffentlich-rechtlicher Sektor unter Druck

Kosteneinsparungen gehen aber nicht ohne Personalabbau. Zwischen 2000 und 2003 rechnen die Experten von Sal. Oppenheim mit einem Mitarbeiterabbau bei den Banken in der Größenordnung von 94 000 Beschäftigten, was rund 9 % der gesamten Belegschaften entspricht. Allein die vier deutschen Großbanken haben bislang den Abbau von knapp 30 000 Stellen angekündigt. Weiteren Arbeitsplatzabbau halten Branchenkenner wie Friedrich Bock von Deloitte Consulting für wahrscheinlich.

Nach Ansicht der Ratingspezialisten von Moody?s gerät in Deutschland vor allem der öffentlich-rechtliche Sektor unter Druck. "Im laufenden Jahr haben sich innerhalb des deutschen Bankensystems erhebliche strukturelle Veränderungen ergeben. Auslöser hierfür waren unter anderem die Steuerreform, der allmähliche Übergang zu privaten Altersvorsorgemodellen und die geplante Abschaffung staatlicher Garantien für die Landesbanken. All dies wird in erster Linie privaten Banken zu Gute kommen", sagt Otto Dichtl, Vice President und Senior Analyst von Moody?s.

Tiefpunkt erreicht

Er fordert eine noch stärkere Konsolidierung des öffentlich-rechtlichen Sektors, der gegenwärtig 12 Landesbanken, 541 Sparkassen sowie das Spitzeninstitut DGZ Dekabank umfasst. Derzeit haben Sparkassen und Landesbanken mit rund 37 % noch den größten Marktanteil, gefolgt von Privatbanken mit 23 % und den Genossenschaftsbanken mit 19 %. 7 % entfallen auf Hypothekenbanken und 14 % auf andere Geldinstitute.

Der Wegfall der Staatsgarantien Anstaltslast und Gewährträgerhaftung wird die öffentlichen Banken laut Moody?s zwingen, die Konditionen für ihre Kredite zu erhöhen. Dadurch würden Kunden verstärkt dazu übergehen, sich direkt über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Für Sparkassen und Landesbanken entfallen damit wichtige Erträge.

Die Profitabilität deutscher Banken ist eine der niedrigsten im europäischen Vergleich. Allerdings sieht Moody?s den Tiefpunkt erreicht. Durch die neuen Eigenkapitalvorschriften nach Basel II werde es zu einer Entspannung auf der Margenseite kommen, da die Banken gezwungen werden, ihre Preise an der Bonität der Kunden auszurichten, heißt es. Zudem werden deutsche Banken nun die Früchte ihrer starken Stellung im E-Commerce ernten.

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