Ratingagentur verteidigt Herabstufung von Thyssen-Krupp
Gefahr für betriebliche Pensionspläne nicht gebannt

Gerhard Schröders Empörung über eine Rating-Herabstufung des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp diente in New York als Einstieg einer Konferenz der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) über die Risiken betrieblicher Pensionsverpflichtungen.

tmo NEW YORK. New Yorker Finanzanalysten beschäftigen sich nur selten mit Reden von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Doch dessen Empörung über eine Rating-Herabstufung des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp diente in New York als Einstieg einer Konferenz der Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) über die Risiken betrieblicher Pensionsverpflichtungen.

Schröder hatte gefordert, den "dominierenden Einfluss amerikanischer Ratingagenturen" einzudämmen, nachdem S&P das Bonitätsurteil für Thyssen vor Monaten drastisch gesenkt hatte. Die Entscheidung löste einen Tagesverlust der Thyssen-Aktie von rund 10 % und einen Proteststurm aus.

Doch nicht etwa Unverständnis für die deutsche Firmenkultur, sondern einzig die hohen Pensionsverpflichtungen von Thyssen-Krupp steckten hinter der Entscheidung, betonte Samson, verantwortlich für Ratingkriterien bei S&P. Die Ratingagentur, an deren Urteilen sich Investoren weltweit orientieren, achtet verstärkt auf versteckte Bilanzrisiken durch betriebliche Pensionspläne. Nach einer umfassenden Analyse senkte S&P das Bonitätsrating für mehrere Großkonzerne - unter anderem auch General Motors, Ford und Goodyear.

Kurzfristig erwartet Scott Sprinzen, Leiter der Pensionsanalyse bei S&P, keine weiteren Herabstufungen. "Wenn aber die Börsen erneut nachgeben, werden wir uns einige Problemfälle genauer ansehen müssen", sagte Sprinzen am Dienstag. Besonders in Europa waren die Herabstufungen auf Kritik von Unternehmen und Öffentlichkeit gestoßen. "Wir haben uns nie ins Schlaglicht gedrängt. Aber es scheint, wir haben mit unserer Initiative einen wunden Punkt getroffen", sagte Sprinzen.

Hauptgrund für die schwierige Lage vieler Pensionspläne ist die Börsenkrise. Denn insbesondere in angelsächsischen Ländern finanzieren die Unternehmen ihre Zusagen an Betriebsrentner durch Pensionsfonds, die stark in Aktien investieren. Mit den Kursgewinnen schmolzen die Reserven der Fonds in den vergangenen Jahren dahin.

Nach einer aktuellen Studie der Vergütungsberatung Towers Perrin decken die Pensionsfonds eines durchschnittlichen US-Unternehmens nur noch rund 80 % der künftigen Verpflichtungen ab. "Damit stehen viele Konzerne bilanztechnisch an einer kritischen Marke", sagte am Dienstag Jerry Spigal, Partner bei Towers Perrin. Zwar erlauben die US-Bilanzregeln für kleinere Fehlbeträge eine schrittweise Abschreibung über viele Jahre, die kaum ins Gewicht fällt. Überschreitet jedoch die Pensionslücke eine bestimmte Grenze, dann droht eine hohe Einmal-Abschreibung, die das Eigenkapital angreift. "Um diesen Effekt zu vermeiden, haben viele Unternehmen im vergangenen Jahr ihre Pensionsfonds massiv aufgestockt", sagte Spigal. Auch künftig werden die Firmen mehr Geld für ihre Betriebsrentner zurücklegen müssen. "Das bedeutet Cash-Abflüsse, auf die Kreditgeber und Aktionäre keinen Zugriff mehr haben", betonte Sprinzen.

Nach den deutschen HGB-Regeln müssen Unternehmen keine Pensionsfonds aufbauen. Doch je mehr einstige Mitarbeiter zu Betriebsrentnern werden, desto höhere Zahlungen fallen an. Einige Konzerne wie Siemens und Daimler-Chrysler haben Pensionsvermögen nach angelsächsischem Muster.

"Siemens muss für seine deutschen Mitarbeiter gar keine Rücklagen bilden, hat aber freiwillig einen Großteil der Pensionszusagen durch einen Fonds abgedeckt. Das werten wir sehr positiv", sagte Emmanuel Dubois-Pelerin, Leiter des Pariser S&P-Büros - nicht zuletzt, um der Kritik an Thyssen-Krupp ein positives Beispiel gegenüberzustellen.

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