Ratingagenturen bei Cantwell & Company im Vergleich
Bei Fitch fühlen sich die meisten Unternehmen gut aufgehoben

Ratingagenturen bei Cantwell & Company im Vergleich: Auch S&P und Moody's schneiden gut ab.

FRANKFURT/M. Anders als Lehrer in der Schule müssen sich die Akteure an den Kapitalmärkten einer ständigen Kontrolle unterziehen: Die börsentäglichen Kursbildungen reflektieren fortlaufend die Marktkräfte, die der einen oder der anderen Ratingagentur Recht geben. Die Höhe der Renditen von Anleihen hängt statistisch nachweisbar von den erteilten Kreditratings ab.

Für eine Ratingagentur kann es peinlich werden, wenn der Markt Herauf- oder Herabstufungen auf Grund besseren Wissens gänzlich ignoriert oder die Urteile der Agentur vorwegnimmt. Statistiken über die Zusammenhänge zwischen Ratings und Renditen oder zwischen Ratings und Insolvenzhäufigkeiten sind eine Möglichkeit, die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten von Ratingagenturen zu kontrollieren. Leider lassen sich feine Qualitätsunterschiede zwischen den Agenturen erst nach vielen Jahren eindeutig nachweisen, wenn die verantwortlichen Analysten längst in Pension sind - sehr eng liegen die Klassifizierungen in den meisten Fällen beieinander, um bereits nach kurzer Zeit ein Urteil zu fällen. Wie im Sport oft nur Sekundenbruchteile über den Besten entscheiden, so sind die Unterschiede auch bei den führenden Agenturen auf kurzer Strecke minimal. Erst beim "Langstreckenlauf" werden die Schwachen abgehängt.

Viele Firmen fühlen sich zu schlecht beurteilt

Eine andere Möglichkeit, Unterschiede zwischen Ratingagenturen wie Moody's Investors Service, Standard & Poor's und Fitch Ratings auszumachen, besteht darin, die beurteilten Emittenten zu fragen; da sie ständig mit den Analysten der Agenturen zu tun haben, gewinnen sie einen Eindruck von ihren Qualitäten. Cantwell & Company aus Chatham, New Jersey, führt seit Jahren eine umfassende internationale Untersuchung zum Vergleich der führenden Agenturen aus Sicht beurteilter Schuldner durch.

Wie auch den Studenten die unterschiedlichen Kenntnisse und Fähigkeiten ihrer Professoren nicht verborgen bleiben und sich ein Urteil erlauben, so ist auch vielen Unternehmenslenkern zuzutrauen, die Urteilskraft und-qualität der Ratingagenturen einzuschätzen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen fühlt sich mindestens von einer Agentur zu schlecht beurteilt. Die Ergebnisse von Cantwell räumen mit dem Vorurteil auf, dass die beiden ältesten, größten und zugleich bekanntesten Agenturen - Moody's und S&P - automatisch auch die besten sind.

Mehr als 90 Prozent der Befragten antworten dagegen auf die Frage, ob sie sich beim Rating durch Fitch verstanden fühlten, mit "ja". Zurückhaltender fällt das Urteil über S&P (78 %) und Moody's (75 %) aus. Während sich ein Siebtel bei Moody's nicht ganz sicher war, gab jeder zehnte an, von Moody's in seinen Ratingangelegenheiten nicht verstanden zu werden. Das sind doppelt so viele wie bei Fitch (nur 5 % Nein-Stimmen).

Beim Rating der Qualität des veröffentlichten Researchs bzw. der Analyse über die eigene Gesellschaft fällt das Urteil der Unternehmen eindeutig aus: Mehr als 18 % bescheinigen Fitch eine "exzellente" Qualität gegenüber 9 % bei S&P und 8 % bei Moody's. 47 % halten die Analyse von Fitch mindestens für "sehr gut", S&P bringt es auf knapp 40 % und Moody's auf 37 %. Jeder zehnte Befragte hält den analytischen Prozess von Moody's für unlogisch, bei S & P sind es 7 % und bei Fitch keiner. Umgekehrt wird Fitch von 39 % der Emittenten ein "sehr konsistenter" Ratingprozess bescheinigt (S&P's 30 %, Moody's 28 %).

S & P und Moody?s sind weniger gut vorbereitet

Bei der Frage nach den Erläuterungen der Ratingagenturen über ihre Vorgehensweise liegen Fitch und S&P nahezu gleichauf mit 50 % bzw. 48 % der Befragten, die ihnen eine "sehr gute" oder "exzellente" Aufklärung über das Ratingsystem bescheinigen. Traditionell rangiert Moody's hier hinter diesen beiden Agenturen mit 32 % der Nennungen.

67 % bestätigen eine "sehr gute" oder "exzellente" Vorbereitung des für das Ratingverfahren hauptverantwortlichen Fitch-Analysten mit dem Unternehmen, während sich Analysten von S&P (55 %) und Moody's (53 %) etwas weniger gründlich auf die Gespräche zur Beurteilung des Emittenten vorbereiten. Analysten von Fitch, stellt Cantwell fest, stechen auch durch ein größeres Wissen über das zu beurteilende Unternehmen und durch bessere Branchenkenntnisse hervor: 73 % beurteilen die Fachkompetenz der Analysten von Fitch mit "sehr gut" oder "exzellent", während dies bei S&P 58 % und bei Moody's 56 % der Befragten tun. Fast 90 % der Befragten halten den Service von Fitch für "gut", "sehr gut" oder "exzellent" (die Bestnote vergab mehr als ein Fünftel der Befragten für Fitch), bei der Servicenote nahezu gleichauf rangieren S&P mit 82 % und Moody's mit 81 %.

In der Gesamtbetrachtung liegen S&P und Moody's mit je 4 % der Stimmen für die unterste Kategorie ("schwach") dicht beieinander, während nicht einmal 1 % die schlechteste Note für Fitch ankreuzten.

Oliver Everling ist Geschäftsinhaber der Everling Advisory Services in Frankfurt am Main.

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