Ratings deutscher Finanzhäuser bleiben unter Druck
S&P sieht europäische Banken weiter skeptisch

Die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) gibt keine Entwarnung für europäische Banken. Die Bonitätsbewertungen seien weiter unter Druck, vor allem die deutschen Banken seien nach wie vor in einer schwierigen Lage. Höhere Kreditausfälle und schwache Aktienmärkte hätten die Ratings einiger großer europäischer Finanzhäuser belastet, sagte S&P-Analyst Walter Pompliano gestern in einer Telefonkonferenz.

nw FRANKFURT/M. S&P schätze die Chancen auf einen starken Aufschwung in 2003 pessimistisch ein, sagte Pompliano. Er nannte eine Reihe von Gründen: Erhöhungen der Risikovorsorge für Kreditausfälle seien wahrscheinlich. Außerdem hätten die Turbulenzen an den Aktienmärkten dazu geführt, dass Teile der Pensionsverpflichtungen nicht gedeckt seien. Höhere Pensionskosten würden die Gewinne daher drücken, ebenso geringere Erträge aus dem Geschäft mit Lebensversicherungen. Außerdem sei das Umfeld für das Investmentbanking und das Großkundengeschäft (wholesale) weiterhin schwierig. Ob der Aufschwung im Anleihegeschäft, von dem europäische Banken im ersten Quartal profitiert hatten, nachhaltig sei, stelle S&P in Frage.

Entscheidend für die Bonitätsentwicklung der Banken sei in erster Linie ihr Geschäft im Heimatmarkt. Daher gebe es große Unterschiede in Europa. Während zum Beispiel die deutsche Bankenbranche sich schlecht entwickle, sei das Filialgeschäft in anderen Märkten robust, sagte Pompliano.

Die deutschen Banken sind denn auch einer der beiden Gruppen, für die S&P einen negativen Ausblick hat. Die andere sind Allfinanzkonzerne, die vor allem unter den schwachen Aktienmärkten leiden. Für deutsche Banken "bleibt die Agenda unverändert", sagte S&P- Analyst Michael Zlotnik. Sie müssten sich von Aktivitäten trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, und eine Verschlechterung der Kreditqualität verhindern.

Die erste Jahreshälfte zeige ein relativ ausgeglichenes Bild, sagte Pompliano: Es habe nur zwei Herabstufungen unter den 50 größten europäischen Banken (außer den Landesbanken) gegeben, für die Dresdner Bank von A+ auf A und Crédit Agricole von AA auf AA-. Dem stünde eine Heraufstufung gegenüber: Credit Lyonnais verbesserte sich von AA- auf A.

Aktuell habe S&P 18 Finanzhäuser, darunter alle vier deutschen Großbanken, auf negativen Ausblick gestellt, nur drei auf einen positiven Ausblick. Banken, die die Verschlechterung von Risiken und Erträgen nicht aufhalten können und/oder ihr Kapital nicht wieder auf das erwartete Niveau erhöhen, müssten mit Ratingverschlechterungen rechnen.

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