Ratlose Investoren pilgern zum „Orakel von Omaha“
Warren Buffett rät zum Kasse-Halten

Mehr als 15000 Investoren sind am Wochenende nach Omaha/Nebraska gepilgert, um den Worten von Warren Buffett zu lauschen. In ihren Köpfen kreiste vor allem eine Frage: Wohin mit dem Geld in einer unsicheren Welt, in der weder die Aktien- noch Anleihemärkte überzeugende Anlagemöglichkeiten bieten?

tor NEW YORK. Mehr als 15000 Investoren sind am Wochenende nach Omaha/Nebraska gepilgert, um den Worten von Warren Buffett zu lauschen. In ihren Köpfen kreiste vor allem eine Frage: Wohin mit dem Geld in einer unsicheren Welt, in der weder die Aktien- noch Anleihemärkte überzeugende Anlagemöglichkeiten bieten? "Wenn es nichts kluges zu tun gibt, sind Barmittel die letzte Option", sagte die 72jährige Investorenlegende. Aktien seien schon seit Jahren "nicht billig" und der Anleihemarkt werde von Käufern überflutet. Um seine Skepsis zu unterstreichen, verkündetet Buffet, dass die Barbestände seines Mischkonzerns Berkshire Hathaway von zuvor 10 auf jetzt 16 Mrd.$ gestiegen sind.

Das "Orakel von Omaha" ist jedoch keineswegs so ratlos, wie seine Äußerungen Glauben machen könnten. Verkündete Buffet doch kurz vor Beginn des Aktionärstreffens seinen jüngsten Coup: für knapp 1,5 Mrd. $ kaufte er den Lebensmittelverteiler McLane vom Handelskonzern Wal-Mart. "Es ist ein margenschwaches Geschäft. Aber McLane weiß, wie man es machen muss", sagte er.

Neue Akquisitionen soll es auch im Energiebereich geben, wo Berkshire Hathaway mehrheitlich an Midamerican Energy beteiligt ist. Midamerican werde sich in diesem Jahr "einige große Geschäfte" anschauen, sagte Buffet. Die Aufstockung der Anteile am staatlichen Ölkonzern PetroChina auf gut 13 % begründete er dagegen mit formalen Anforderungen der Börse Hongkong. "Das ist kein großer Deal. Wir machen keine weitreichenden Einschätzungen über China".

Nicht nur die neuen, auch die bestehenden Investments geben den nach Anlagemöglichkeiten suchenden Investoren Hinweise auf die erfolgreiche Strategie Buffets. Mit einem operativen Rekordgewinn von 1,7 Mrd.$ im ersten Quartal steigerte Berkshire Hathaway seinen Ertrag gegenüber dem Vorjahr um mehr als das Doppelte. "Das ist das beste Ergebnis, das wir jemals hatten", sagte Buffet. Ausschlaggebend dafür war die Ertragswende im Versicherungsgeschäft mit dem US- Rückversicherer General Re an der Spitze. "General Re hat die Wende in einem sehr großen Maße geschafft", sagte Buffet. Weniger gut läuft es dagegen bei der Fluggesellschaft Netjets und im Konsumgütergeschäft.

Ein weiteres großes Thema auf dem Treffen in Omaha war die Reform der Unternehmensführung (Corporate Governance). Buffet gilt seit Jahren als einer der schärfsten Kritiker der US-Manager. Er wiederholte seine Kritik an den hohen Bezügen und forderte erneut die Bilanzierung von Aktienoptionen. Aber auch Berkshire Hathaway muss seine Hausaufgaben machen. Zum Vorstand (Board) der Gesellschaft gehören nicht nur Buffets Frau und Sohn, sondern auch weitere drei Manager, die mit dem Unternehmen geschäftlich verbunden sind. Der größte US-Pensionsfonds Calpers sieht insbesondere in den Familienbanden einen klaren Interessenkonflikt. Die neuen Regeln der New Yorker Börse erfordern ebenfalls mehr unabhängige Direktoren an der Unternehmensspitze. "Wir werden außenstehende Direktoren hinzufügen", versprach Buffet.

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