Rau warnt vor Scheitern
Riesengewerkschaft Verdi besiegelt

Die neue Riesengewerkschaft Verdi ist nach jahrelangem Tauziehen besiegelt. Die Vorsitzenden der fünf Fusions-Gewerkschaften unterzeichneten am Montag in Berlin den Verschmelzungsvertrag zur weltweit größten freien Einzelgewerkschaft. Damit ist die größte Fusion in der Geschichte der deutschen Gewerkschaften perfekt.

dpa BERLIN. Bundespräsident Johannes Rau rief die rund drei Millionen Mitglieder dazu auf, zum Erfolg des einzigartigen Projekts Verdi beizutragen: "Nur wenn sich alle Beteiligten mit ganzer Kraft engagieren, wird das neue Ganze mehr und besser werden als die Summe der Teile." DGB-Chef Dieter Schulte sagte vor den etwa 1 000 Delegierten: "Wir sind die Zeugen eines historischen Augenblicks." Er wünsche dem Kongress, dass "Verdi eine Erfolgsstory" wird. Zugleich warnte er vor Machtkämpfen unter den DGB-Gewerkschaften: "Wir wollen unsere Kräfte bündeln, um die Machtverhältnisse in dieser Gesellschaft zu verändern."

Zu Verdi verschmolzen die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), die Deutsche Postgewerkschaft (DPG), die IG Medien und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG). Der Sitz der Organisation ist Berlin. Vorsitzender soll der bisherige ÖTV-Chef Frank Bsirske werden. Der dreitägige Verdi Gründungskongress geht an diesem Mittwoch (21. März) zu Ende. Mit dem Zusammenschluss wollen die Gewerkschaften Konkurrenz untereinander ausschalten sowie an Schlagkraft und Effizienz gewinnen. Über drei Jahre lang rangen die Organisationen teilweise so erbittert um Details der Fusion, dass der Zusammenschluss zu platzen drohte.

Verdi soll auch Mitgliederschwund aufhalten

Mit Verdi wollen die beteiligten Fusionsgewerkschaften auch ihren Mitgliederschwund umkehren. Das soll nach den Worten von DPG-Chef Kurt van Haaren mit besserem Service und überzeugenderen Leistungen gelingen. "Unser Versprechen gilt, dass wir besser werden, also mehr bewegen", sagte der dienstälteste Vorsitzende der Fusionsgruppe. Nach Einschätzung der HBV-Vorsitzenden Margret Mönig-Raane wird Verdi "aufregend bunt und beruhigend stark" werden. Bsirske sagte: "Verdi ist das neue zu Hause." Er freue sich auf die Zusammenarbeit.

Die Fusions-Gewerkschaften hatten in den vergangenen Tagen mit zum Teil überraschend klaren Mehrheiten für ihre Auflösung und die Verschmelzung in Verdi gestimmt.

Bisher beschäftigten die Fusions-Gewerkschaften insgesamt rund 5 000 Mitarbeiter. Bis 2007 soll bei der Beschäftigtenzahl durch Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen zu einer Anpassung kommen. Eine Größenordnung sei noch nicht absehbar, sagte Vertreter der Gewerkschaften. Zeitungsberichten zufolge sollen in den nächsten Jahren etwa 1 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Verschmelzungsvertrag bis 2007 ausgeschlossen.

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