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Rau würdigt «Helden von Bern»

Kaiserslautern (dpa) - Ottmar Walter war sichtlich gerührt, Gyula Grosics hatte sogar Tränen in den Augen - 50 Jahre nach dem «Wunder von Bern» haben Sieger und Verlierer dem WM-Finale 1954 zwischen Deutschland und Ungarn gedacht.

Kaiserslautern (dpa) - Ottmar Walter war sichtlich gerührt, Gyula Grosics hatte sogar Tränen in den Augen - 50 Jahre nach dem «Wunder von Bern» haben Sieger und Verlierer dem WM-Finale 1954 zwischen Deutschland und Ungarn gedacht.

Der gut zweistündige Festakt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Pfalztheater von Kaiserslautern wurde zu einer emotionalen Begegnung der deutschen Weltmeister mit ihren Final-Gegnern, die längst enge Freunde geworden sind.

Bundespräsident Johannes Rau hob in Anwesenheit von fünf der sieben noch lebenden deutschen Spieler die historische Bedeutung des 3:2-Sieges der Herberger-Elf hervor, die damals eine ganze Nation aus der Lethargie riss. «Es war nur ein Fußball-Spiel, und doch ist es Geschichte geworden», sagte Rau, der das Finale im französischen Radio auf einem Bahnhof im Elsaß mitverfolgt hatte.

«Als wir bei der Rückkehr das erste Mal deutschen Boden betraten und die vielen Menschen gesehen haben, wussten wir, was der Erfolg bedeutete. Nicht nur für uns, sondern für die Menschen in Deutschland», erinnerte Horst Eckel, der jüngste Spieler aus der Final-Mannschaft. Trotz der gewaltigen Dimension des Triumphes hätten sich die Akteure aber nie als etwas Besonderes empfunden. «Wir sind keine Helden und wollten es auch nie sein. Wir sind ganz normale Spieler und Menschen», erklärte der 72-Jährige.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder würdigte in seiner Grußansprache die Bedeutung der Partie am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion. «Von diesem Spiel ging ein Impuls aus, der einer ganzen Nation ein Stück Selbstachtung zurückgab und sie nach all den dunklen Jahren auf den Weg zurück in die Völkergemeinschaft führte», sagte Mayer-Vorfelder. Dies sei der tiefere Grund für die Begeisterung gewesen. «Eine solche Bedeutung hat kein Sportereignis der neueren Zeit gehabt», erklärte der DFB-Chef.

In einer lockeren Gesprächsrunde ließen die anwesenden Weltmeister - neben Walter und Eckel waren Heinrich Kwiatkowski, Alfred Pfaff und Ulrich Biesinger in die Pfalz gekommen - sowie Ungarns tragische Helden Grosics und Jenö Buzansky die Tage in der Schweiz Revue passieren. «Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, hier dabei zu sein», sagte der schwer kranke Kwiatkowski, der im Anschluss sofort abreiste.

Wie tief das Trauma von Bern bei den Ungarn sitzt, verdeutlichte Torwart Grosics in einer kurzen Anekdote. «Vor zwei Wochen hatte ich einen Traum, in dem wir nach acht Minuten 2:0 geführt haben und dann war Schluss. Und hier ist die Wirklichkeit», erzählte der 77-Jährige, der wie viele seiner Kameraden nach der überraschenden Niederlage Repressalien ausgesetzt war. Während die «Goldene Elf» der Magyaren nach dem Volksaufstand 1956 auseinander fiel, kam Grosics sogar für sieben Monate in Haft.

Auch Buzansky fällt es immer noch schwer, die verlorene Partie zu verwinden. «Wir haben 31 Spiele zuvor gewonnen und nach dem Endspiel waren wir 18 Spiele ungeschlagen. Das ist ein Trost für mich. Deutschland war damals der Sieger im WM-Finale, aber Ungarn die beste Mannschaft der Welt», sagte der sozial engagierte Ehrengast.

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