Raubgräber in Mazedonien
Archäologische Fundstätten ausgeschlachtet

Die Schätze der Raubgräber sind in einem Vorort der mazedonischen Hauptstadt Skopje versteckt. Der kriminelle Händler steht zwischen zerbrochenen Tonwaren und schwarzen Münzen. "Das hier ist fast nichts wert. Die besseren Stücke verkaufen wir sofort", sagt er und besteht auf strikter Anonymität.

HB/dpa SKOPJE/THESSALONIKI. Der Mann lässt archäologische Fundstätten in der Region, die zum Reich Alexanders des Großen gehörte, plündern. Wissenschaftler schlagen wegen eines international organisierten illegalen Handels Alarm.

Die kriminellen Schatzsucher setzen Computer und modernste Technik ein. Neue Fundstätten aus dem Altertum sind im Internet und in wissenschaftlichen Magazinen aufgeführt. So listen allein mazedonische Regierungsstellen 4500 Stellen im Land auf. Doch oft dauert es Monate oder sogar Jahre, bis wissenschaftliche Grabungen beginnen. In der Republik Mazedonien (FYROM), die nach der Abspaltung von Jugoslawien durch Krisen und Konflikte erschüttert wurde, machen schwache Institutionen und fehlendes Geld die wissenschaftliche Arbeit zusätzlich schwer.

"Dann kommen wir ins Spiel", sagt der Händler. Die Anwohner von Fundstätten geben regionale Kenntnisse für wenig Geld preis. Arbeiter sind in dem Land, in dem der durchschnittliche Monatslohn kaum 150 Euro beträgt, leicht zu finden. "Münzen eignen sich am besten für den Export. Sie sind leicht zu verstecken. Einige Stücke aus griechischer, römischer und byzantinischer Zeit haben viel Geld gebracht", sagte er.

Die Polizei zeigt bisher wenig Engagement, um die kriminelle Kette vom Raubgräber zum Hehler und seinen Schmugglern bis zu den Händlern im Ausland zu unterbrechen. Die letzte große Razzia in Mazedonien, die öffentlich bekannt wurde, gab es Mitte der 90er Jahre. Damals wurden 2000 Stücke beschlagnahmt, darunter auch Schutzrüstungen aus der Zeit der makedonischen Eroberer. Nur einige Arbeiter, die für eine Hand voll Geld gegraben hatten, wurden festgenommen. Die Gewinnspannen sind aber enorm.

Doch bei den Plünderungen werde das historische Erbe zerstört, warnen Wissenschaftler. Gegenstände ohne offensichtlichen Geldwert werden beschädigt oder aus dem für die Forschung wichtigen örtlichen Zusammenhang gerissen. Der illegale Handel mit Objekten aus dem Altertum und Antiquitäten könne nur noch mit einer einheitlichen europäischen Politik bekämpft werden, haben Archäologen aus 21 Ländern Europas bei einem Treffen in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki festgestellt.

Die Abschaffung der Grenzkontrollen zwischen den meisten der 15 EU-Staaten hat nach Ansicht der Archäologen den illegalen Handel befördert. Auch den EU-Beitrittskandidaten im Osten Europas müsse dringend geholfen werden, heißt es in einer Erklärung. Und weiter: "Antike Gegenstände und Gegenstände der Kultur und Tradition dieser Staaten, wie Ikonen und Gemälde, strömen nach Westeuropa und in die USA. Der illegale Handel blüht."

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