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Rauchende Trümmer

Wenn man das mal selbst erleben würde. Der Chef vom Chef sagt über den Chef, dass er auf Bewährung ist. Ein paar Wochen noch, dann ist er gefeuert. Es sei denn, es gelingt ihm in der Zwischenzeit, womit niemand rechnen kann: Dass es ihm auf einmal glückt, einen guten Job zu machen, Linie und Programm für seinen Bereich zu finden und durchzusetzen, auch nach außen zu zeigen: Hier sitzt einer, der es kann.

Klar, den ersten Teil davon erlebt man schon: Der Chef vom Chef sagt über den Chef - und schon sitzen alle 24 Stunden in der Abteilung und schuften: für den Chef. Und für sich selbst. Weil der Chef gesagt hat, dass alle auf Bewährung sind. Ein paar Wochen noch. Wir erleben also einen Chef, der morgens schon da ist und abends nicht geht, der Powerpoint-Präsentationen übt, der sich freiwillig für ein TV-Training meldet. Kollegen, die Papiere schreiben, wie die Ablauforganisation optimiert werden kann. Die sich für Seminare melden. Und wenn es ganz dick kommt, machen sie sogar Ersthelferkurse, um der Frau vom Chef zu imponieren.

Und alle machen sich Gedanken. Wie das so sein wird zu Hause, wenn keiner mehr anruft. Und man in den Hobbykeller muss, wenn man sich fit halten will mit Powerpoint. Klar: Wir erleben Menschen, die vor allem eins haben: Angst. Dann schuften alle wie verrückt. Und irgendwann, Monate später, wenn nichts passiert ist und der Chef zum Sommerfest einlädt, dann denkt man: Uff, geschafft. Und entspannt sich.

Ganz anders ist das in der Politik: Da hat in der letzten Woche der Chef der Chefs gesagt, dass sie, die Chefs, auf Bewährung sind. Keine Pannen mehr, hat er gesagt. Sonst fliegt ihr, hat er gesagt. Und? Tja, da kann man schon was lernen. Die Chefs kichern in sich hinein und sagen: Ja und? Dann gehen wir eben. Macht uns nix. Ist ohnehin mehr Arbeit gewesen als gedacht. Und wenn man dann noch immer von seinen Gesprächspartnern betuppt wird - das macht keinen Spaß. Manfred Stolpe lächelt milde: Ich klebe nicht an meinem Sessel, sicher nicht. Wolfgang Clement knurrt: Der stellvertretende Parteivorsitz steht zurzeit nicht zur Debatte. Betonung auf: zurzeit. Ulla Schmidt: Ich wollte doch nur den Menschen helfen.

Wahre Lebenskünstler, die Politiker. Gehen auf halbe Kraft. Genießen die Zeit, die sie noch haben.

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