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Raus aus dem Pisa-Abseits

Das deutsche Ergebnis der Pisa-Studie ist ein Armutszeugnis. E-Learning ist eine Alternative, die Deutschland davor bewahrt, weiter ins Bildungsabseits zu treiben. IBM Deutschland-Chef Erwin Staudt (Foto) erklärt, worauf es dabei ankommt.

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Wohin man dieser Tage auch blickt - die Pisa-Studie beherrscht die Schlagzeilen: Ranglisten werden erstellt, Schuldzuweisungen gemacht und viele Konzepte diskutiert. Bei aller Diskussion um die Ergebnisse der einzelnen Bundesländern darf man eines nicht vergessen: Verglichen mit den Ergebnissen aus Ländern wie Finnland oder Schweden ist das deutsche Ergebnis insgesamt ein Armutszeugnis. Zieht man detaillierte Vergleiche mit diesen Ländern fällt eines besonders auf: Im Norden Europas sind die Neuen Medien ein selbstverständlicher Teil des Bildungsangebotes. Der frühe Umgang mit Computern ist Pflicht, die neuen Lern- und Lehrformen gehören von der ersten Unterrichtsstunde an dazu. In Deutschland finden sich nur wenige Projekte, in denen dieser Weg eingeschlagen wird: In Nordrhein-Westfalen initiierte die Initiative D21 beispielsweise das Projekt: "Schulen ans Netz". Ziel in den nächsten Jahren - neben der Schaffung eines einheitlichen Bildungsstandards - muss es sein es, die elektronische Wissensvermittlung flächendeckend einzuführen und damit das alte Modell "Schule - Ausbildung - Beruf" um den zeitlich unbegrenzten Bereich Weiterbildung zu ergänzen. Die Neuen Medien unterstützen diese Entwicklung maßgeblich. In Kombination mit der nötigen Technologie erlaubt es den Menschen, sich individuell Wissen anzueignen, egal wo, wie und wann. E-Learning ist eine Alternative, die Deutschland davor bewahrt, weiter ins Bildungsabseits zu treiben. Beim Thema E-Learning ist Deutschland allerdings noch weit davon entfernt, Weltspitze zu sein: Intransparente Angebote, Unsicherheit bezüglich der didaktischen Qualität, fehlende Akzeptanz der potentiellen Anwender sowie die unberechtigte Furcht vor den notwendigen Anfangs-Investitionen sind die Stolperfallen. Es ist aber nicht zu erwarten, dass sich diese Probleme von selbst lösen. Dazu ist ein enger Schulterschluss zwischen Politik und Industrie nötig. Wettbewerbsvorteil E-Learning E-Learning ermöglicht es Organisationen, ihre Mitarbeiter weltweit einheitlich auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Speziell für Unternehmen mit starker Vertriebsorientierung, breitem Händler- und Lieferantennetzwerk sowie hohem Innovationsdruck bietet E-Learning enormes wirtschaftliches Potential. Unternehmen, die sich zum Aufbau eines Weiterbildungsnetzwerks entschließen, können Kosten sparen, das Bildungsniveau ihrer Mitarbeiter steigern sowie strategische Standortpflege betreiben. Denn eines ist klar: Wenn es Unternehmen oder Bildungseinrichtungen nicht gelingt, Informationen schnell in relevantes Wissen umzuwandeln werden sie im internationalen Wettbewerb scheitern. Studien zeigen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen sinnvollem Erschließen unseres Wissens und der ökonomischen Wertschöpfung besteht. So prognostiziert ein führendes Marktforschungsinstitut, die Fortune 500 Unternehmen werden bis 2005 ein Wissensdefizit im Gegenwert von 31,5 Mrd. Dollar ansammeln - und zwar allein auf Grund ineffektiver Prozesse, vermeidbarer Kosten, unsinniger intellektueller Mehrarbeit, unterdurchschnittlicher Leistungserbringung und unzureichenden Zugangs zu wesentlichen Informationsquellen. Nur am Rande: Einige dieser Fehler finden sich auch im deutschen Bildungssystem wieder, z.B. die unterdurchschnittliche Leistungserbringung - siehe PISA. Auf den Mix kommt es an Um ein wenig Wasser in den Wein zu gießen: E-Learning allein macht nicht glücklich. Ein Methoden-Mix aus E-Learning und Präsenzlernen, das sogenannte Blended Learning, ist zur optimalen Wissensvermittlung nötig. Weiterbildung soll nicht durch Maschinen erfolgen, sondern von ihnen lediglich unterstützt werden. Es wird zukünftig darauf ankommen, in einem Netzwerk sein Wissen zu erweitern und für sich selbst den richtigen Methoden-Mix zu finden. Moderne Lern-Modelle enthalten alle einen kollaborativen Teil, in dem Gelerntes gemeinsam in einer Gruppe geübt oder diskutiert wird, um Erfahrungen auszutauschen oder sogar neue Aspekte für sich zu entdecken. Blick in die Zukunft E-Learning muss in den nächsten Jahren zu einem festen Bestandteil unseres schulischen und universitären Bildungssystems werden und auf Seiten der Industrie eng mit dem Skill Management verwachsen. Das virtuelle Klassenzimmer wird Realität. Heute schon existieren - wenn auch in bescheidem Rahmen - Lernplattformen oder-portale, mit denen die Lernenden sich kollaborativ und gemeinsam weiterbilden. E-Learning ist im Zeitalter der Wissensgesellschaft ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, politisch, wirtschaftlich sowie kulturell. Es erlaubt eine breite gleichwertige Ausbildung, wie auch die individuelle Förderung. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird ein Umsatzwachstum von rund 1,3 Mrd. Euro für diesen Sektor prognostiziert. Für uns alle bedeutet das offen zu sein für Neues. Die Neugierde nicht nach Abschluss einer Ausbildung an den Nagel hängen, sondern lebenslang Wissen zu schöpfen. Zu lernen in Netzwerken zu denken und arbeiten. Zu erkennen, dass lebenslanges Lernen der Schlüssel zur persönlichen wie beruflichen Zufriedenheit ist. Das Prinzip des lebenslangen Lernen können wir jedoch in unserer Gesellschaft nur etablieren, wenn wir schon in der Schule damit beginnen. Voraussetzung ist ein gut und gerecht ausgestattetes Deutschland. Es gilt zu bedenken: In Bildung investieren bedeutet in die Zukunft investieren - in die Zukunft von uns allen! (*) Erwin Staudt trat 1973 in die IBM Deutschland ein. Seine erste Aufgabe als Führungskraft übernahm er 1982 in Stuttgart. Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH wurde Erwin Staudt 1998. Lesen Sie mehr über den IBM-Chef in seinem Portrait weiter ...

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