Rauswurf aus dem Landtag
Analyse: Republikaner verstehen die Wähler nicht mehr

Die Platten mit den Häppchen sind bei den Republikanern am Sonntagabend noch halb voll. Den Herren in Trachtenjacken und königsblauen Sakkos ist offenbar der Appetit vergangen.

dpa STUTTGART. Mit einem Stimmenverlust hatte der eine oder andere der rechtsextremen Republikaner wohl insgeheim gerechnet - mit dem Rauswurf aus dem Landtag durch die baden-württembergischen Wähler wohl nicht. «Das muss ich erstmal verarbeiten», sagt Eberhard Köhler, der zum ersten Mal im Wahlkreis Esslingen kandidierte. Auch er wollte gemäß dem Wahlkampf-Motto «mit Löwenkraft» ins Parlament.

Die Stimmung ist im Keller. Der Raum der Republikaner ist der einzige im Landtag, in dem noch keine tropischen Temperaturen herrschen. Das kühle Blau tut ein übriges. «Blau symbolisiert Eleganz und seelische Tiefe», hatten die Wahlkampfmanager der Republikaner erklärt. Armin Welten ist braun gebrannt und trägt eine blaue Krawatte. Er ist Anwalt der Republikaner und gibt den Medien die Schuld für das schlechte Abschneiden. «Die Öffentlichkeit bekommt von der Arbeit der Republikaner überhaupt nichts mit», schimpft er.

«Das war's», seufzt Klaus Rapp, der stellvertretende Fraktionschef. Verstehen kann er das Abrutschen unter die Fünf- Prozent-Grenze in den ersten Hochrechnungen nicht. «Die Veranstaltungen waren doch alle voll, es war unheimlich gute Stimmung», erinnert er sich. Manchmal sei er «fast in Euphorie» geraten. «Dass es so katastrophal ausfallen würde, hätte ich nie gedacht», sagt er kopfschüttelnd. «Das ist eine klare Niederlage!» Möglicherweise habe man «die Positionen nicht richtig an den Mann gebracht», sagt der Fraktions-Vize.

Dass die von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer angestoßene Diskussion über den deutschen Nationalstolz die Republikaner einige Stimmen gekostet hat, schließt Rapp nicht aus. «Das ist gut möglich», sagt er. Der Republikaner-Kandidat im Wahlkreis Tübingen, Detlef Otto, ist sauer auf die CDU. «Die haben Themen aufgegriffen, die wir zuvor forciert haben», erklärt er. Mit einem Satz können sich Republikaner, Grüne und Liberale gleichermaßen trösten. «Die Kleinen sind zwischen den Großen zerrieben worden», sagt Rudolf Bühler, Kandidat im Wahlkreis Schorndorf.

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