Razzien bei britischen und deutschen Unternehmenszentralen
EU-Kommission verdächtigt Mobilfunkfirmen der Preisabsprache

Wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen hat die EU-Kommission am Mittwoch Razzien bei allen deutschen und britischen Mobilfunkunternehmen gestartet. Dies sei Teil der europaweiten Untersuchungen gegen überhöhte Preise, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti in Brüssel. Nach seinen Angaben sind alle vier deutschen Anbieter betroffen; das sind die Telekom-Firmentochter T-Mobile, D2 von Vodafone, e-plus und Viag Interkom. In Großbritannien wurden alle fünf Anbieter durchsucht.

afp/ap/rtr BRÜSSEL/BONN. Ein Telekom-Sprecher bestätigte die Durchsuchungen, wies die Vorwürfe aber zurück. Auch British Telecom, der Mutterkonzern von Viag Interkom, gab bekannt, dass das Londoner Unternehmen Besuch von den Brüsseler Wettbewerbshütern bekommen habe. Der Anbieter E-Plus bestätigte, dass die Ermittler am Mittwoch das Haus erstmals im Zusammenhang mit den Vorwürfen auf Preisabsprachen durchsucht hätten. Über Einzelheiten der Aktion könne man keine Angaben machen, sagte eine Sprecherin in Düsseldorf.

Beamte der Brüsseler Kommission und der Kriminalpolizei hätten die T-Mobile-Zentrale durchsucht, sagte Telekom-Sprecher Stefan Broszio. Dabei gehe es um den Vorwurf, dass die Anbieter beim so genannten Auslandsroaming, also der Zusammenschaltung ihrer Netze beim grenzüberschreitenden Telefonieren, überhöhte Preise nähmen. "Wir sehen den Untersuchungen ganz gelassen entgegen", sagte Broszio. Die Telekom kooperiere mit den Ermittlern und stelle ihnen die gewünschten Unterlagen zur Verfügung.

Die Ermittlungen haben nach Angaben der Kommission in der Frage der Preise für Roaming ernsthafte Wettbewerbsfragen aufgeworfen. Weiter gehende Untersuchungen besonders in Deutschland und Großbritannien seien erforderlich. Geprüft werde, ob es Beweise für kollektive Preisabsprachen unter den Anbietern gebe. Zudem werde geprüft, ob es eine Koordination unter deutschen Anbietern bei den Gebühren gebe, die sie ausländischen Mobilfirmen in Rechnung stellten, und ob diese Gebühren überhöht seien.

Große Differenzen bei Auslandstarifen

Die EU-Kommission hatte ihre Überprüfung der Roaming-Gebühren bereits im Januar vergangenen Jahres begonnen. Die Telefonnutzer-Vereinigung INTUG hatte Ende 1999 geklagt, dass die Auslandstarife für Handy-Gespräche um bis zu 500 Prozent auseinander lägen, ohne dass es dafür eine technische Begründung gebe.

In Großbritannien erhielten außer BT unter anderem der Mannesmann-Dachkonzern Vodafone, die France-Télécom-Tochter Orange und die Deutsche-Telekom-Tochter One2One Besuch von den Ermittlern.

Mit den Durchsuchungen, die zeitgleich an mehreren Orten am Mittwoch stattfanden, sind noch keine förmlichen Kartellverfahren der Kommission verbunden. Falls diese später eröffnet werden, drohen hohe Bußgelder. Die Kommission ist bei ihren Ermittlungen nicht an Fristen gebunden. Sie dauern oft Jahre.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%