Razzien in Palästinenser-Lagern: Neun Palästinenser getötet
Israels Armee stürmt wieder Palästinenser-Lager

Die israelische Besatzungsarmee hat am Montag wieder zwei Lager in den Palästinenser-Gebieten gestürmt und dort mindestens neun Menschen erschossen.

rtr DSCHENIN. In der Stadt Ramallah explodierte das Auto eines Hamas-Mitgliedes. Dabei kamen mindestens sechs Menschen ums Leben.

Unmittelbar vor den Operationen der Armee hatte die israelische Regierung bekräftigt, "den palästinensischen Terror zum Stillstand bringen" zu wollen. Am Wochenende waren bei Anschlägen 22 Israelis getötet worden. Militante Palästinenser rechtfertigten sie als Rache für frühere Militäroperationen in Flüchtlingslagern, bei denen in der vergangenen Woche 30 Menschen getötet worden waren.

Im Lager von Dschenin wurden am Montag mindestens fünf Menschen getötet, darunter Sicherheitskreisen zufolge drei in ihren Häusern. Die Gebäude seien von israelischen Hubschraubern mit Raketen beschossen worden, hieß es in den palästinensischen Kreisen. Ein 23-Jähriger sei bei einem Schusswechsel mit Soldaten ums Leben gekommen. Außerdem sei ein Arzt in einem Krankenwagen umgekommen, auf den die Soldaten geschossen hätten. Drei Sanitäter seien dabei verletzt worden. Die Armee teilte mit, Soldaten hätten mit leichten Waffen auf den Wagen gefeuert, als er auf die Truppen zugerast sei. Daraufhin sei der Krankenwagen explodiert.

Die Armee drang mit Dutzenden von Panzern in das Lager ein und durchsuchte mehrere Häuser. Es war der zweite Vormarsch der Armee in das Lager innerhalb einer Woche. Wenig später sei die Armee zudem in das nahe gelegene Palästinenser-Dorf Tamun eingedrungen. Dabei schossen die Soldaten nach Angaben aus Krankenhäusern fünf Kindern in die Beine. Die Armee nahm dazu nicht Stellung.

Im Lager Rafah im Gaza-Streifen zerstörte die Armee drei Häuser und einen Polizeiposten. Bei Schusswechseln starben drei Menschen, zwei von ihnen waren laut Ärzten und Augenzeugen Zivilisten. Ein Mann sei getötet worden, als er versucht habe, sein Kind aus der Kampfzone herauszuholen.Nach fünf Stunden habe sich die Armee wieder zurückgezogen. An einem Kontrollposten in Kalkilja im Westjordanland erschossen israelische Soldaten einen weiteren Palästinenser.

Die Palästinenser-Regierung warf Israel vor, Krankenwagen an der Einfahrt in die Lager gehindert zu haben. Die Armee bestätigt, dass die Wagen zurückgehalten wurden. Dies sei aber wegen der anhaltenden Kämpfe aus Sicherheitsgründen geschehen. Ein Militärsprecher sagte zudem, die Palästinenser würden oft Krankenwagen missbrauchen, um Kämpfer zu schmuggeln. Die Palästinenser bestreiten das.

Bei der Explosion eines Autos in Ramallah kamen mindestens sechs Personen ums Leben, darunter die Frau und zwei Söhne des Hamas-Mitgliedes. Außerdem seien seine Schwägerin, ein zunächst unbekannter Mann und dessen Sohn getötet worden, die sich in einem zweiten explodierten Auto befunden hätten, verlautete aus einem Krankenhaus. Der Hamas-Mann habe überlebt. Die Ursache der Explosion war zunächst unklar.

Das israelische Sicherheitskabinett beschloss in der Nacht zum Montag, "ununterbrochen militärischen Druck auf die Palästinenser-Regierung und terroristische Organisationen auszuüben, mit dem Ziel, dem Terror Einhalt zu gebieten." Konkreteres wurde nicht bekannt. "Es gibt keinen Zweifel, dass wir sie hart bestrafen müssen", sagte Justizminister Meir Scheetrit im Rundfunk. Israel befinde sich im Krieg mit den Palästinensern, und zwar solange, bis diese von Militäraktionen die Nase voll hätten. Die Palästinenser haben ihren Aufstand gegen die israelische Besetzung im September 2000 begonnen. 1300 Menschen wurden dabei bislang getötet.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, diskutierte mit der saudiarabischen Regierung einen Plan zur Lösung des Nahost-Konflikts, den das Land Ende des Monats bei einem Gipfeltreffen der Liga vorschlagen will. Im Gegenzug für einen Rückzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten sieht der Plan eine Anerkennung der Nation durch alle arabischen Staaten vor. Aus dem Plan sind keine konkreten Einzelheiten zu den Hauptstreitpunkten des Konflikts bekannt, darunter die Zukunft der palästinensischen Flüchtlinge. Eine Anerkennung Israels durch die arabischen Nachbarn würde jedoch den radikalen palästinensischen Gruppen die Basis entziehen, die mit ihren Anschlägen die Spirale der Gewalt immer wieder in Gang setzen.

Der außenpolitische Koordinator der Europäischen Union (EU), Javier Solana, sprach sich für eine Teilnahme von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat am Gipfel der Liga aus. Solana wurde am Montag zu Beratungen über den saudiarabischen Friedensplan in den USA erwartet.

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