Reaktion auf das Verhalten der Aktionäre
Sulzer-Konzernchef tritt zurück

Der Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der Schweizer Sulzer AG, Ueli Roost, hat am Montag alle Firmenfunktionen niedergelegt. Wie das Unternehmen mitteilte, ist der sofortige Abtritt Roosts eine Reaktion auf den Widerstand der Aktionäre und soll dazu beitragen, den unfreundlichen Übernahmeversuch des Financiers Rene Braginsky abzuwehren.

rtr WINTERTHUR. Der Präsident und Konzernchef des mit einem unerwünschten Übernahmeangebot konfrontierten Technologiemischkonzerns Sulzer, Ueli Roost, tritt zurück. Auch seine Funktionen bei der Medizintechniktochter Sulzer Medica gibt Roost auf. Laut weiteren Sulzer-Angaben vom Montag will Roost den beiden Unternehmen in einer Phase des Übergangs und der Neuausrichtung möglichst viel Handlungsspielraum verschaffen. Roost werde zu sehr mit der im Herbst gescheiterten Fusion von Sulzer und Medica identifiziert. Der bisherige Verwaltungsrat Leonardo Vannotti wird neuer Präsidenten. Verwaltungsratschef von Medica wird der bisherige Vizepräsident Max Link.

Seine Ämter bei Sulzer wollte Roost ohnehin aufgeben, um sich das das Verwaltungsratspräsidium bei Medica zu konzentrieren. Doch der von der Beteiligungsgesellschaft Incentive Capital in Gang gesetzte Übernahmekampf liess Roost offenbar anderen Sinnes werden. Incentive Capital hat für den 30. März die formelle Übernahme-Offerte angekündigt.

Auch die neue Sulzer-Leitung mit Vannotti und Link ist gegen die Offerte. Nach Ansicht des neuen Verwaltungsratschefs Vannotti ist die für dieses Jahr geplante Trennung von Sulzer und Medica der richtige Weg in die Zukunft. Beide Unternehmen verfügten über erfolgversprechende und wertschaffende Strategien. Es gehe jetzt darum, im Interesse der Aktionäre die unfreundliche Machtübernahme durch Incentive an der Generalversammlung am 19. April zu verhindern. Sulzer empfehle seinen Aktionären bei der Generalversammlung gegen die Anträge von Incentive zu stimmen. Incentive könnte versuchen, durch die Abwahl des derzeitigen Verwaltungsrates beziehungsweise die Zuwahl eigener Repräsentanten die Kontrolle über Sulzer zu gewinnen, bevor das Resultat des Übernahmeversuchs vorliegt.

Trennung des Unternehmens in Industrie- und Medizintechnikteil

Sulzer hat Anfang März unter dem Eindruck der Incentive-Offerte angekündigt, das Unternehmen in einen Industrie- und einen Medizintechnikteil trennen zu wollen. Medica soll im dritten Quartal vollständig abspalten werden und damit sollen zwei unabhängige Unternehmen mit klarer Fokussierung auf ihre Kerngeschäfte entstehen. Jeder Sulzer-Aktionär soll zusätzlich zwei Medica-Papiere erhalten. Sulzer hält derzeit 74% an Medica.

Das Übernahmeangebot von Incentive geht in die gleiche Richtung; die Sulzer-Aktionäre sollen zwei Medica-Titel plus wahlweise 410 sfr in bar oder 0,9 Incentive-Aktien erhalten. Früheren Angaben zufolge will Incentive mit dem Angebot die Trennung von Industrie- und Medizintechnikteil bei Sulzer vorantreiben. Das Angebots soll vom 17. April bis 15. Mai laufen. Incentive-Chef Rene Braginsky hat erklärt, die Offerte nicht erhöhen zu wollen. Incentive hält direkt und über Optionen 15% an Sulzer.

An der deutlich erholten Schweizer Börse verloren Sulzer bis zum Mittag 0,18% auf 1 096 sfr. Medica stiegen 1,99% auf 358 sfr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%