Reaktion auf die jüngsten palästinensischen Anschläge
Israelischer Minister fordert Bombardierung von Arafats Haus

Im Nahen Osten haben sich die Fronten zwischen Israel und den Palästinensern nach den bisher schwersten Unruhen seit Jahresbeginn am Wochenende weiter verhärtet.

afp JERUSALEM. Am Samstag drohten Zehntausende Palästinenser bei den Beerdigungen von sechs am Vortag erschossenen Männern Israel Vergeltung an. Die israelische Armee nahm am Sonntag im Westjordanland Rundfunkangaben zufolge sechs Palästinenser fest, darunter fünf Mitglieder der persönlichen Leibgarde von Präsident Jassir Arafat. Gleichzeitig beschossen Panzer nach Augenzeugenberichten Stellungen der Leibgarde "Force 17" im Süden des Gazastreifens. Drei palästinensische Jugendliche wurde im Gazastreifen durch israelische Schüsse verletzt. Der israelische Tourismusminister Rehavam Seevi schlug vor, das Haus Arafats in Gaza zu bombardieren.

40 000 Menschen bei Trauer-Demonstration

Etwa 40 000 Menschen nahmen am Samstag im Westjordanland an einer Trauer-Demonstration teil, nachdem am Freitag israelische Soldaten sechs Palästinenser erschossen hatten. Die Autonomie-Behörde warf der israelischen Regierung "Barbarei" vor und beschuldigte die internationale Gemeinschaft, mit ihrer zögerlichen Haltung im Uno-Sicherheitsrat Israel zu weiterer Gewaltanwendung zu ermutigen. In Gaza drohte die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad bei einer Zusammenkunft von etwa 2 000 Anhängern mit weiteren Anschlägen. Bei den seit September andauernden Unruhen in den Autonomie-Gebieten wurden bis Sonntag 464 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.

Der israelische Verteidigungsminister Beyamin Ben Elieser rechtfertigte die Festnahmen und Angriffe mit den jüngsten Anschlägen. Israel werde nicht untätig zusehen, "wenn Terroristen ein zehn Monate altes Baby oder Jugendliche töten", sagte Ben Elieser. Vergangene Woche hatte ein palästinensischer Scharfschütze im jüdischen Viertel von Hebron ein zehn Monate altes Mädchen erschossen. An dem schwer bewachten Trauerzug zur Beisetzung des Kindes am Sonntag nahmen Hunderte Siedler teil.

Tourismus-Minister Seevi, Chef der rechtsextremen Partei der Nationalen Einheit, forderte nach israelischen Rundfunkberichten die Bombardierung des Hauses Arafats als Reaktion auf die jüngsten palästinensischen Anschläge. Vergangene Woche war die Residenz leicht beschädigt worden, als die israelische Luftwaffe Quartiere der Leibgarde Arafats angriff. Polizeichef Schlomo Aharonischki warnte vor der "Intensivierung des Terrorismus" und forderte nach israelischen Presseberichten eine striktere Abgrenzung zwischen Israeli und Palästinensern. "Der Albtraum geht weiter", warnte er. Ohne eine "klare Trennung" sei es sehr schwer, "die Terroristen zu stoppen".

Scharon gegen ägyptisch-jordanische Friedensinitiative

Regierungschef Ariel Scharon lehnte am Sonntag eine ägyptisch-jordanische Friedensinitiative ab, die der Gewalt Einhalt gebieten sollte. Der Plan sieht die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit bei Sicherheitsfragen, neue Friedensgespräche sowie den Rückzug israelischer Truppen aus dem Westjordanland vor. Scharon bezeichnete dies als Versuch, Israel "unter Beschuss" in Verhandlungen zu ziehen, wie nach Rundfunkangaben aus seiner Umgebung verlautete.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak startete am Sonntag zu einem Besuch in die USA. In einem Interview mit dem Magazin "Newsweek" forderte er von US-Präsident George W. Bush ein stärkeres Engagement im Nahen Osten. Der israelische Außenminister Schimon Peres begann eine Europareise mit geplanten Gesprächen in Schweden, Frankreich und Griechenland.

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