Reaktion auf die kritische Lage der Gesellschaft
Aktionäre üben heftige Kritik auf Advanced-Hauptversammlung

Mit heftiger Kritik an früheren Aufsichtsräten und dem Gründungsaktionär Herbert Jovy haben die Aktionäre der Advanced Medien AG auf die kritische Lage der Gesellschaft reagiert. "Ein Trümmerhaufen liegt vor den Aktionären - die Verantwortlichen haben sich davon gemacht", sagte ein Vertreter der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch unter lautem Beifall der Hauptversammlung in Taufkirchen.

Reuters TAUFKIRCHEN. Der seit Mai amtierende Vorstandssprecher Otto Dauer wies Jovy die Hauptverantwortung für die Situation zu. Für die Zukunft der Gesellschaft zeigte er sich aber optimistisch und bekräftigte bisherige Prognosen.

Die Aktie der Advanced Medien notierte am Mittwochnachmittag mit 0,40 Euro um 5,26 % im Plus. Seit Februar 2000 hat das Papier rund 99 % seines Wertes verloren. Seit Monaten kreisen Übernahmespekulationen um das Unternehmen, das 2000 überraschend einen Verlust von 71 (1999: 0,6) Mill. DM ausgewiesen hatte.

Dauer machte vor allem das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Jovy, das vor dem IPO etwa ein Drittel der Advanced-Aktien gehalten hatte, für die Misere verantwortlich. Dieser habe mit drei von ihm oder seiner Familie kontrollierten Firmen Verträge mit einem Umsatzvolumen von insgesamt 75 Mill. DM abgeschlossen, "die für Advanced in hohem Maße nachteilig" gewesen seien. Alleine bei einem dieser Unternehmen, der Maxx Film, habe ein Vergleich zu Erlösschmälerungen von gut 28 Mill. DM geführt. Wegen weiter ausstehenden Forderungen von 34 Mill. DM sei dennoch Klage vor vor dem Landgericht München eingereicht worden. Rund 90 % des Betrags seien mittlerweile wertberichtigt worden.

Möglicherweise weitere rechtliche Schritte

Dauer kündigte an, er werde bezüglich Jovys Geschäfte, "nichts, aber auch gar nichts auf sich beruhen lassen." Dies umfasse möglicherweise auch weitere rechtliche Schritte. Für den Streit mit dem US-Regisseur und-Filmproduzenten Wolfgang Petersen ("Air Force One"), der früheren Berichten zufolge Advanced wegen angeblich ausbleibender Zahlungen verklagen will, zeigte sich Dauer verhalten zuversichtlich: "Wir sehen uns nicht in einer extrem schlechten Position - eher in einer abgesicherten." Petersens Vorwürfe seien substanzlos.

Jovy habe den früheren Aufsichtsrats- und Vorstandsmitgliedern vorgegeben, was zu tun sei, sagte ein aus Flensburg angereister Kleinaktionär. "Das da etwas manipuliert wurde, steht für mich nicht in Frage - mir stinkt's gewaltig." Fast alle Redner wandten sich dagegen, den Aufsichtsrat zu entlasten, da dieser seine Kontrollpflichten massiv verletzt habe. "Sie haben tief geschlafen - wenn Sie einen Funken Anstand haben, dann treten sie zurück", warf ein Aktionär zwei in dem Kontrollgremium verbliebenen Mitgliedern aus dem Vorjahr zu.

Dauer bekräftigte die Prognose für 2001, derzufolge Advanced mit einem Umsatz von 23 Mill. Euro rechnet. Ein positives Jahresergebnis sei aber nicht zu realisieren. Bei der Suche nach einem Partner rechne das Unternehmen bis zum vierten Quartal mit Resultaten. "Das Gesamtjahr 2001 steht im Zeichen der Sanierung", resümierte Dauer. Ein anderes Fazit zog ein sichtlich verärgerter Kleinaktionär aus München: "Es bleibt ein Trauerspiel, das eigentlich verfilmt werden müsste - das wäre dann er erste Film, dem Erfolg beschieden wäre.

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