Reaktion auf hohe Verluste
Fiat-Autochef Testore gibt auf

Die Krise beim italienischen Automobilhersteller Fiat spitzt sich zu. Roberto Testore, seit Februar 1996 Chef von Fiat Auto, zieht die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden des Unternehmens und tritt von seinem Posten ab. Die Autosparte von Fiat kommt seit Jahren schon nicht mehr aus den roten Zahlen heraus.

HB MAILAND/DÜSSELDORF. Der langjährige Chef der Autosparte von Fiat, Roberto Testore, hat auf der Sitzung des Konzern-Verwaltungsrates am Montag seinen Rücktritt eingereicht. Grund für die Entscheidung sei der anhaltend enttäuschende Geschäftsverlauf, sagten unternehmensnahe Quellen am Abend dem Handelsblatt. Nachfolger wird voraussichtlich der Vorstandschef der Fiat-Lastwagentochter Iveco, Giancarlo Boschetti (60). Ein Konzernsprecher wollte die Personalie weder bestätigen noch dementieren. Die Sitzung des Boards dauerte bei Redaktionsschluss noch an.

Testore zieht mit dem Schritt die Konsequenz aus etlichen erfolglosen Versuchen, den weltweit siebtgrößten Automobilhersteller wieder dauerhaft in die Gewinnzone zu führen. Im dritten Quartal hat der Autobereich einen operativen Verlust von 120 Mill. Euro gemacht. Für das gesamte Jahr wird ein Minus von 200 Mill. Euro erwartet. Mit einem Umsatzanteil von 42 % ist die Autosparte das bei weitem wichtigste Geschäftsfeld des größten italienischen Industriekonzerns. Trotz einer breit angelegten Modelloffensive, auch mit der Einführung des neuen Kompaktmodells Stilo, hat Fiat in diesem Jahr unverändert rote Zahlen geschrieben. Seit Jahren sinkt der Marktanteil auf dem Heimatmarkt und in Westeuropa, wo die Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia im dritten Quartal mit 9,7 % unter die Marke von 10 % gerutscht sind.

Branchenkenner haben Testore immer wieder kritisiert, da er - anders als beispielsweise Volkswagen - das Markenpotenzial des Hauses nur unzureichend genutzt hat. Vor zwei Monaten tauchten intern die ersten Gerüchte auf, der 49-jährige Testore werde das Unternehmen verlassen. In der Turiner Konzernzentrale wird vermutet, dass der wahrscheinliche Nachfolger Boschetti wegen seines Alters nur begrenzte Zeit Chef der Autosparte wird. Gerüchten zu Folge steht auch Vertriebschef Diaz Ruiz massiv in der Kritik. Beobachter rechnen mit einer baldigen Ablösung des Spaniers.

In letzter Zeit sollen die Töne zwischen Fiat und dem Kooperationspartner General Motors (GM) mit seiner deutschen Tochter Opel rauher geworden sein. Angesichts von Überkapazitäten gestalten sich die Verhandlungen über die Verteilung der Produktion im Gemeinschaftsunternehmen Powertrain (Motoren und Getriebe) äußerst schwierig. GM ist mit 20% an Fiat-Auto beteiligt. Durch die Kooperation wird Fiat in diesem Jahr Synergieeffekte von mehr als 200 Mill. Euro realisieren, ohne die das Ergebnis ins Bodenlose stürzen würde.



Außerdem hat der Verwaltungsrat von Fiat Schritte in die Wege geleitet, durch die der Schuldenberg von 7,5 Mrd. Euro deutlich reduziert wird. Geplant ist die Konversion der Spar- und Vorzugstiteln in stimmberechtigte Stammaktien. Außerdem steht eine Kapitalerhöhung ins Haus. Details zu den Maßnahmen sollten erst spät in der Nacht zu Dienstag veröffentlicht werden. Fiat-Aktien sowie die Papiere von Ifi und Ifil, den beiden Finanzholdings der Familie Agnelli, die 30,6% des Autokonzerns halten, waren den ganzen Tag vom Börsenhandel ausgesetzt.

Sollten die stimmrechtslosen Anteilsscheine in Stammaktien umgewandelt werden, müssten die Vorzugsaktionäre eine Ausgleichszahlung in bar leisten. Dadurch würde Fiat mehr als 1 Mrd. Euro zufließen. Im Gegenzug würde der Anteil der Agnellis auf rund 25 % verwässert. Durch eine flankierende Kapitalerhöhung könnte die Familie ihre Beteiligung wieder erhöhen und der Konzern dem ursprünglichen Ziel, am Jahresende die Verschuldung auf 3,5 Mrd. Euro zu drücken, nahe kommen.

Durch diverse Akquisitionen in den letzten zwei Jahren, etwa des US-Landmaschinenherstellers Case, sind die Verbindlichkeiten enorm gestiegen. Ihr Abbau stellt für das Management unter Präsident Paolo Fresco und den Vorstandsvorsitzenden Paolo Cantarella eine absolute Priorität dar.

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