Reaktion auf Medienberichte
IAEA will Plünderungen von Atomanlagen im Irak prüfen

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) will Experten in den Irak entsenden, um Berichte über Plünderungen von Atomanlagen zu überprüfen. Der Chef der Behörde, Mohammed El Baradei, habe die Vereinten Nationen (Uno) um eine entsprechende Erlaubnis gebeten, aber noch keine Antwort erhalten, sagte eine IAEA-Sprecherin am Montag in Wien.

Reuters WIEN. El Baradei forderte im ZDF die Wiederaufnahme der Waffenkontrollen im Irak und bekräftigte, für den Krieg gegen das Land habe es im Hinblick auf atomwaffenfähiges Material keinerlei Rechtfertigung gegeben.

Die USA hätten der Behörde zugesagt, für die Sicherheit der Atomanlagen zu sorgen, sagte die IAEA-Sprecherin. Die Medienberichte über Plünderungen seien beunruhigend. Die "Washington Post" hatte am Vortag berichtet, irakische Anlagen mit großen Mengen hochradioaktiven Materials seien offenbar geplündert worden und derzeit könne man nicht sagen, ob etwas fehle. Die IAEA verfügt über eine detaillierte Liste von radioaktivem Material unter anderem der Forschungsanlage Tuwaitha, die von der Behörde versiegelt worden ist. Berichten zufolge sollen US-Streitkräfte im vergangenen Monat die Siegel gebrochen und die Anlage betreten haben.

Die IAEA-Experten sollen der Sprecherin zufolge die Ereignisse seit Kriegsbeginn rekonstruieren. Der Großteil des radioaktiven Materials, das die IAEA in den Anlagen gefunden hat, eignet sich nicht für den Bau von Atomwaffen. Allerdings befürchtet die Behörde, dass das Material in die Hände von Terroristen gelangen und zum Bau von so genannten "schmutzigen Bomben" genutzt werden könnte. Als schmutzige Bomben werden Sprengsätze bezeichnet, denen radioaktives Material beigemischt wird.

Nur die Uno-Inspektoren könnten glaubwürdig sicherstellen, dass der Irak tatsächlich keine Massenvernichtungswaffen besitze, sagte El Baradei dem ZDF-Magazin "Frontal 21". "Schließlich war das genau der Grund, warum ein Krieg geführt wurde." Bisher haben die USA die Rückkehr der Uno-Inspektoren in den Irak abgelehnt. Stattdessen sollen US-Experten die Suche nach Massenvernichtungswaffen übernehmen. Mit deren angeblicher Existenz hatten die USA und deren Verbündete den Militärschlag begründet.

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