Reaktion auf Qualitätsprobleme
Elektronik-Boom im Auto vorerst gebremst

Komplizierte Elektronik hat es derzeit im Auto schwer. Weil sich die Qualitätsprobleme bei elektronischen Bauteilen gehäuft haben, zögern die Autohersteller bei der Einführung neuer Techniken. Qualitätssicherung hat im Moment den Vorrang. Auch in den USA kommt Elektronik im Auto nur langsam voran.

zel HANNOVER. Neue elektronische Bauteile werden im Moment nur unter großem Vorbehalt in neue Autos eingebaut. "Die Automobilindustrie ist sehr vorsichtig geworden", sagt Manfred Wennemer, Vorstandschef der Continental AG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die jüngste Häufung von Qualitätsproblemen habe dazu geführt, dass komplizierte Technik mit Verzögerung im Automobilbau eingesetzt werde.

Der hannoversche Reifen- und Zulieferkonzern spürt diese Zurückhaltung im Moment bei der Einführung des eigenen "Isad"-Systems - einer Mischung aus Anlasser und Lichtmaschine, die den Benzinverbrauch um bis zu 15 % senken lässt. Im Prinzip haben alle Autohersteller ein großes Interesse an dieser Technik, doch die Einführung lässt auf sich warten. Wennemer bestätigt, dass General Motors (GM) im kommenden Jahr "Isad" erstmals für den US-Markt in einer kleinen exklusiven Baureihe einsetzen wird. Deutsche Hersteller tun sich schwer mit der "Isad"-Einführung. "Die Nachfrage nach dieser Technologie dürfte in den ersten Jahren relativ verhalten bleiben", glaubt Rolf Woller, bei der Hypovereinsbank in München als Analyst spezialisiert auf Zulieferwerte

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Mercedes in Stuttgart ist zuletzt besonders von der schlechten Qualität der von außen gelieferten elektronischen Bauteile gebeutelt worden. Bei der E-Klasse beispielsweise gab es massive Probleme bei dem von Bosch produzierten Navigationssystem. Mercedes zog daraus die Konsequenzen und sattelte auf einen anderen Zulieferer um. Zudem sollen die internen Qualitätskontollen im Bereich Elektronik deutlich verbessert werden.

Mercedes-Chef Jürgen Hubbert bestätigt, dass es neue elektronische Bauteile nicht um jeden Preis bei der Stuttgarter Premiummarke geben wird. " ?Steering by wire? sehe ich nicht unbedingt im Auto", sagt der Daimler-Chrysler-Manager über das elektronische Lenksystem, das auf eine Lenkstange verzichtet und Lenkimpulse "über Draht" an die Räder weiter leitet. Sicherheitsgründe seien wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass sich "Steering by wire" nur unter Schwierigkeiten durchsetzen könne.

Den deutschen Automobilzulieferern, die besonders stark auf die Entwicklung elektronischer Bauteile gesetzt haben, droht möglicherweise auch noch aus den USA ein empfindlicher Rückschlag. GM hat gerade eben angekündigt, dass die Bremshilfe ABS ("Anti-Blockier-System") aus einigen Modellen aus der Serienausstattung herausgenommen werden soll. Hohe Kosten sind der Grund dafür, dass ein US-Hersteller wie GM auf zusätzliche elektronische Bauteile im Massengeschäft verzichten will. Nur in kleinen, exklusiven Baureihen ist Platz dafür, deshalb hat Continental immerhin noch den Zuschlag für "Isad" bekommen.

Fahrhilfen wie ABS und ESP ("Elektronisches-Stabilitätsprogramm") gehören zu den Hoffnungsträgern, mit denen die deutschen Zulieferer besonders in den USA viel Geld verdienen wollen. In Europa sind diese Systeme weiter verbreitet als in den Vereinigten Staaten. "Der nordamerikanische Markt weist dabei weitaus größeres Potenzial auf als der europäische", erläutert Analyst Woller.

Für Continental-Chef Wennemer ist der GM-Rückzug bei ABS-Systemen kein Alarmsignal. Der hannoversche Konzern halte an seiner Zielsetzung fest, ABS und ESP verstärkt in die USA zu bringen. Continental arbeite an neuen ESP-Systemen für alle größeren sportlichen Geländewagen ("SUV"), die in den USA besonders populär sind. Nach einer Unfallserie von Ford-SUV war diese Fahrzeugklasse auf dem amerikanischen Markt unter Beschuss geraten. ESP verhindert, dass ein Auto auch bei starken Lenkbewegungen ins Schleudern kommt und umkippen kann.

Vorsichtig optimistisch äußert sich Wennemer über die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Die Continental AG werde nach jetzigem Stand die angekündigte Verbesserung des Jahresergebnisses erreichen und auch den hohen Schuldenberg abbauen. Im Jahr 2001 lag der Verlust des Reifenherstellers bei 250 Mill. Euro.

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