Reaktion auf schwache Konjunkturdaten
Finanzmärkte rechnen fest mit US-Zinsschritt

Die Märkte haben eine Senkung des Leitzinses durch die Fed bereits fest eingeplant. Anders sieht es in Europa aus: Die EZB zeigt sich noch unentschlossen.

noh/fs/tor NEW YORK. Die westlichen Notenbanken stehen immer stärker unter Druck, die Zinsen zu senken. Während sich in den USA die Hinweise auf eine Lockerung der Geldpolitik nach enttäuschenden Signalen vom Arbeitsmarkt und aus der Industrie verdichtet haben, zeigen sich die Europäer noch unentschlossen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Meinung der meisten Beobachter noch nicht zu einer Liquiditätshilfe für die schwächelnde Wirtschaft bereit. Die Bank of England macht ihre Entscheidung offenbar vom Vorgehen der Federal Reserve (Fed) in Washington abhängig. Die Fed tagt am Mittwoch, die beiden anderen Zentralbanken folgen am Donnerstag.

Die Finanzmärkte in den USA haben eine Leitzinssenkung der Fed bereits fest eingeplant. Der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit im Oktober und der erneute Rückgang im Einkaufsverhalten der Industriemanager haben die Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung um 0,25 Prozentpunkte deutlich erhöht. Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet sogar damit, dass die Fed einen halben Prozentpunkt kürzen wird. "Angesichts der Erfahrungen in Japan sollte die Fed ihre Munition lieber früher als später nutzen", sagt Chefökonom Bill Dudley mit Blick auf deflationäre Tendenzen in der US-Wirtschaft. Die Zinsen stehen mit 1,75 % bereits auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren.

In der Euro-Zone zeigen die Geldmarktkurse dagegen nur eine einstellige Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung am Donnerstag an. Der wichtigste Leitzins liegt hier bei 3,25 %. Allerdings erhielt die Spekulation auf Zinssenkungen in den nächsten Monaten durch den Anstieg des Euro-Kurses am Freitag bis knapp an die Dollar-Parität neue Nahrung. Für die Dezember-Sitzung signalisieren die Geldmarktkurse bereits eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung durch die EZB. Die Chancen, dass die Zentralbank ihren Leitzins im Frühjahr bis auf 2,75 % herunterschleust, stehen nach Ansicht des Marktes bei rund zwei Dritteln.

Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hält zwar eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt in den nächsten drei Monaten für wahrscheinlich und aus heutiger Sicht für angebracht. "Psychologisch besser ist es jedoch, etwas zu warten, bis sich die Aufregung um den Stabilitätspakt gelegt hat und die Regierungen ihren grundsätzlichen Sparwillen demonstriert haben", sagt Mayer.

Analysten in London glauben, dass die Bank of England mögliche Schwierigkeiten der US-Wirtschaft höher bewertet als Themen auf der nationalen Agenda. "Wenn die Fed die Zinsen um 50 Basispunkte kürzt, werden die Briten mit 25 Basispunkten folgen. Werden es nur 25 Punkte in den USA, bleiben die Leitzinsen in Großbritannien bei 4 %", sagt John Butler von der Großbank HSBC.

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