Reaktion auf schwache Märkte – Zuwächse erst wieder im nächsten Jahr
VW streicht Ertragsprognose zusammen

Volkswagen nimmt seine Ertragsprognose für 2002 um zehn Prozent zurück. Trotz der verdeckten Gewinnwarnung reagiert die Börse positiv. Der VW-Konzern profitiert von einem guten Quartalsergebnis.

zel DÜSSELDORF. Der Wolfsburger VW-Konzern muss der weltweit schlechten Absatzentwicklung Rechnung tragen und reduziert seine Gewinnerwartung für dieses Jahr. Statt des bislang vorhergesagten Vorsteuergewinns von 4,4 Mrd. Euro rechnet Volkswagen jetzt nur noch mit etwa 4 Mrd. Euro Gewinn. "Die zweite Jahreshälfte wird nicht leichter", sagte Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Dienstag nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen. Zu Jahresbeginn habe der Konzern noch mit einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte gerechnet, diese Erwartung sei jetzt nicht mehr zu halten. "Eine Besserung ist sehr unwahrscheinlich", betonte der Konzernchef. Das neue Ertragsziel von 4 Mrd. Euro sei aber immer noch "konservativ".

Volkswagen wurde von den Finanzmärkten nicht für die verdeckte Gewinnwarnung bestraft. Im Gegenteil: Während die deutschen Standardwerte im Dax durch die Bank Einbußen verzeichneten, legte die VW-Aktie deutlich zu. Arndt Ellinghorst, Automobilanalyst bei der WestLB in Düsseldorf, wertet die reduzierte Ertragsprognose positiv. "Das ist ein richtiger Schritt, der das Vertrauen in das Management erhöht", sagte Ellinghorst. In den Vergangenheit habe sich VW häufiger schwer damit getan, einmal gemachte Vorhersagen wieder zurückzunehmen.

Börsen- und Finanzkreise hatten eine Rücknahme der Ertragsprognose bereits im Vorfeld erwartet. "Das ist genau das, was der Markt sehen wollte", sagte Christian Breitsprecher, Automobilexperte bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Weltweit sind die Verkaufszahlen in diesem Jahr bislang auf allen wichtigen Automärkten gefallen - und Volkswagen ist damit flächendeckend von dieser Entwicklung betroffen. Den Wolfsburger Konzern schmerzen besonders die negativen Absatzzahlen auf dem deutschen Heimatmarkt, in den USA und in Brasilien. "In Deutschland gibt es bislang keinen Hinweis auf Besserung", ergänzte VW-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer.

Im ersten Halbjahr hat Volkswagen seine weltweite Produktion bereits um knapp 8 % auf 2,5 Millionen Fahrzeuge zurückgenommen. Büchelhofer bestätigte, dass das ursprünglich geplante Produktionsziel von fünf Millionen Autos für das gesamte Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreicht werden kann.

Ergebnis besser als erwartet

Die positive Reaktion an der Börse ging zu einem wesentlich Teil auch auf die guten Zahlen für das zweite Quartal zurück. "Das Ergebnis ist besser als angenommen", sagte Georg Stürzer, Analyst bei der Münchener Hypovereinsbank. Speziell im operativen Autogeschäft habe der Wolfsburger Fahrzeug-Konzern seine Rendite erhöhen können.

Bei einem leicht um 1 % reduzierten Umsatz (22,7 Mrd. Euro) hat VW im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,3 Mrd. Euro erreicht, fast 14 % mehr als in der Vorjahresperiode. Im ersten Quartal verbuchte das Unternehmen noch einen Verlust. Für das gesamte erste Halbjahr ergibt sich ein Ertragsrückgang von 4 % auf 2,26 Mrd. Euro. Vorstandschef Pischetsrieder verwies darauf, dass VW die Qualität des Ergebnisses verbessert habe. Autos seien nicht um jeden Preis in den Markt gedrückt worden. Laut VW wurden verstärkt besser ausgestattete Autos mit höheren Margen verkauft.

Autoexperte Stürzer wollte den Optimismus der Wolfsburger Vorstände nicht vollständig übernehmen. VW sei zusammen mit dem italienischen Fiat-Konzern der einzige europäische Automobilhersteller, der seine Ertragsaussichten für den Rest des Jahres zurückgenommen habe. Die Konkurrenten Renault und PSA (Peugeot-Citroën) - als Großserienhersteller dem VW-Konzern durchaus vergleichbar - hätten ihre Prognosen statt dessen nach oben korrigiert. Auch bei Daimler-Chrysler hätten sich die Aussichten für die zweite Jahreshälfte verbessert.

Der VW-Konzern leidet derzeit außer an der Marktschwäche auch an seinem veralteten Modellprogramm. Besonders die wichtigen Modelle Golf und Passat sind in die Jahre gekommen; sie erst nach und nach von 2003 an erneuert. Im Moment bringen vor allem zwei Modelle den gesamten Konzern nach oben: der in diesem Jahr eingeführte VW Polo und der Audi A4. 2003 soll alles besser werden. "Zwölf neue Modelle geben uns große Zuversicht", betonte Pischetsrieder.

Quelle: Handelsblatt

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