Reaktion auf US-Vorschlag positiv
Grundsätzliche Zustimmung zu NATO-Eingreiftruppe

Die NATO-Verteidigungsminister haben US-Vorschläge für eine schnelle Eingreiftruppe des Bündnisses grundsätzlich begrüßt. "Die Reaktion auf unseren Vorschlag war überwältigend positiv", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nach Beratungen mit seinen NATO-Kollegen am Dienstag in Warschau. Bundesverteidigungsminister Peter Struck äußerte sich zurückhaltend.

Reuters WARSCHAU. Rumsfeld schlug eine mobile Kampftruppe vor, die bis zu 20 000 Soldaten umfassen könnte. Die Kerntruppe soll aus einer Brigade von rund 5000 Mann bestehen und innerhalb von sieben bis 30 Tagen nach Alarmierung einsatzbereit sein. Zu ihr sollen auch Luftwaffen- und Marineeinheiten gehören. NATO-Generalsekretär George Robertson rief das Bündnis auf, sich "kriminellen Staaten" entgegen zu stellen.

"Damit könnte die NATO ihre künftige Bedeutung sichern", sagte Rumsfeld über die Eingreiftruppe. Weil vor allem die europäischen Verbündeten ihre Einheiten deutlich und für viel Geld modernisieren müssten, rechnen NATO-Diplomaten damit, dass der Aufbau einer solchen Truppe mehrere Jahre dauern würde. Rumsfeld sagte, die Truppe solle "Dinge schneller, agiler und unabhängig erledigen können".

Struck sagte, die Vorschläge müssten sorgfältig geprüft und mit den NATO-Strukturen in Übereinstimmung gebracht werden. Spaniens Verteidigungsminister Federico Trillo betonte dagegen, die Vorschläge seien "absolut nötig, um Terrornetze zu bekämpfen". Sein italienischer Kollege Antonio Martino nannte die US-Vorschläge "eine sehr gute Idee". Sie müssten allerdings im Zusammenhang mit den anderen Verpflichtungen innerhalb der NATO und der Europäischen Union (EU) beraten werden. NATO-Planer sollen nun konkrete Konzepte für den NATO-Gipfel im November in Prag ausarbeiten. Dort sollen sich die NATO-Staaten auch auf konkrete Ziele zur Modernisierung ihrer Truppen verpflichten.

Frankreich stellt Bedingungen

Frankreichs Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie sagte, die NATO-Truppe stehe der im Aufbau befindlichen EU-Truppe nicht entgegen. Zugleich knüpfte sie Einsätze der NATO-Truppe allerdings an die Zustimmung des UNO-Sicherheitsrates und sprach sich gegen Einsätze außerhalb des Bündnisgebietes aus. Rumsfeld sagte dazu, dies sei eine "semantische Frage". Als der frühere US-Präsident John F. Kennedy mit einer Blockade sowjetische Raketen auf Kuba verhinderte, hätten dies einige als Kriegshandlung, andere als Verteidigung bewertet.

Die US-Vorschläge wurden von europäischen Diplomaten auch als Testballon für die Bereitschaft der Europäer gesehen, ihre Truppen für den Kampf gegen Terrorismus zu modernisieren. Bislang ist die NATO als Organisation in die Einsätze nach den Anschlägen vom 11. September des vergangenen Jahres kaum eingebunden gewesen und spielte vor allem bei den Kämpfen in Afghanistan keine Rolle. Die vorgeschlagene Truppe soll für solch harte Kampfeinsätze ausgerüstet und trainiert werden. Dafür würde sie unter anderem moderne Aufklärungs- und ABC-Abwehrtechnik benötigen.

Die EU will in Zukunft ebenfalls mit einer eigenen Eingreiftruppe Flagge zeigen. NATO-Diplomaten zufolge könnte die geplante EU-Truppe mit bis zu 60 000 Soldaten vor allem in Friedenseinsätze, die NATO-Truppe dagegen in harte Kampfeinsätze wie in Afghanistan geschickt werden.

NATO-Generalsekretär George Robertson rief das Bündnis erneut zu einer starken Rolle im Kampf gegen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen auf. Die NATO brauche die Fähigkeit, Terroristen und "kriminellen Staaten" entgegenzutreten. "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, den Willen und die Fähigkeiten zur Abschreckung dieser Gefahren des 21. Jahrhunderts zu erhalten, wo dies möglich ist; sie auszurotten und zu zerstören, wo die Abschreckung zusammengebrochen ist, und unsere Streitkräfte und unsere Bevölkerung vor Angriffen aller Art zu schützen", sagte Robertson.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%