Reaktion der Kirch-Beschäftigten
Angst, Resignation und Hoffnung

Es hätte ein Prachtpalast werden sollen, Kirchs neue Firmenzentrale in Unterföhring. Jetzt stehen einige Bagger und Kräne trostlos am Rand der verlassenen 25.000 Quadratmeter großen Baugrube. Grundwasserprobleme, heißt es bei der Gemeinde offiziell. Doch nicht nur bei seinem Neubau steht Leo Kirch das Wasser bis zum Halse: Mindestens 6,5 Milliarden Euro Schulden hat er aufgetürmt. Und während die Insolvenz der Dachgesellschaft KirchMedia und des PayTV-Senders Premiere als unausweichlich gilt, schwanken die rund 9000 Mitarbeiter irgendwo zwischen Angst, Resignation und diffuser Hoffnung.

reuters MÜNCHEN. "Die Stimmung ist total unten", meint eine KirchMedia-Mitarbeiterin, die die alte Firmenzentrale in Ismaning vor den Toren Münchens am Freitagmorgen betritt. "Jeder macht sich Sorgen." Damit ist sie weit offener als die meisten ihrer Kollegen, die sich gegenüber der Presse lieber nicht äußern wollen. Seit Tagen belagert ein TV-Team das unscheinbare, zweistöckige Gebäude.

Ein Funken vager Hoffnung scheint ja noch zu bestehen. "Kirch ist ein Imperium, ich denke nicht, dass sich das komplett auflöst", meint die Mitte 30-Jährige, die seit fast fünf Jahren bei dem Konzern im Weltvertrieb tätig ist. "Es ist irgendwie immer noch ein bisschen Hoffnung da", meint auch eine andere Kirch-Mitarbeiterin. "Wir haben viele gute Leute, da ist viel Potenzial da." Doch wie es tatsächlich mit Kirch weitergeht, wer künftig in Ismaning und Unterföhring das Sagen hat, wie viele Stellen neue Mehrheitseigner abbauen oder ob der Konzern letztlich komplett zerschlagen wird - all das ist offen.

Dafür, dass keiner für seine Stelle die Hand ins Feuer legt, spricht auch der Umstand, dass viele Kirch-Angestellte bereits seit Wochen nach neuen Jobs suchen. "Ich bin mir sicher, dass die Leute schon schauen - nicht weil sie wegwollen, sondern weil sie Angst haben", sagt eine Mitarbeiterin. "Es ist schon so, dass man sich umhört", bestätigt ein Kollege.

Doch Stellen sind derzeit rar. Der konjunkturelle Abschwung hat den Werbemarkt einbrechen lassen, kaum ein Medienunternehmen, das derzeit nicht rote Zahlen schreibt. Und ein Großteil der einstigen Branchenlieblinge am Neuen Markt, von denen sich viele in München befinden, versuchen wie etwa die angeschlagene EM.TV & Merchandising AG durch Restrukturierung und Stellenabbau wieder auf eine solide Grundlage zu kommen. Andere haben wie Kinowelt bereits Insolvenz angemeldet. "Wenn Kirch tatsächlich pleite geht, haben wir eh keine Alternative", sagt die KirchMedia-Mitarbeiterin resigniert.

Womöglich hat die Insolvenz sogar noch negative Folgen auf die vielen kleinen Medienunternehmen an der Isar. Diese Aussichtslosigkeit hat offenbar dazu geführt, dass trotz des seit Wochen andauernden Gezerres von Gläubigerbanken und potenziellen Investoren das Tagesgeschäft mit stoischer Ruhe weitergeführt wurde, wie es im Unternehmen unisono heißt. "Wir arbeiten weiter zehn Stunden am Tag", meint eine Angestellte der Produktionssparte. Wobei einer, der seit über zehn Jahren bei Premiere arbeitet, einräumt, dass sich viele von der Chefetage verlassen fühlen: "Die Informationspolitik ist katastrophal - es herrscht das reine Chaos." Letztlich bleibe im Moment nur eine Möglichkeit: Abwarten und permanent Nachrichten gucken. "Wir fühlen uns wie im Auge eines Orkans".

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