Reaktionen auf 1:1 gegen Irland
Bleigewitter über Völler-Elf

Wenn es um Fußball geht sind Zeitungen um Klischees nur selten verlegen: "Gegen die Deutschen spielt niemand gern", fachsimpelt der spanische "El Pais", ein Zusammentreffen Spaniens mit der deutschen Elf im Achtelfinale befürchtend. Der Wiener "Kurier" wertet den Ausgleichstreffer der Iren martialisch als "späte Strafe für das Rückzugsgefecht". Ein Überblick über die Reaktionen auf das Unentschieden in der europäischen Presse.

dpa HAMBURG. Irland feiert ein "märchenhaftes Unentschieden" seiner grünen Helden, Spanien sieht die "deutsche Gefahr" auf sich zukommen, Frankreich beschreibt den Niedergang des deutschen Fußballs und Dänemark fürchtet gar den Super-GAU des Nachbarn. "Jetzt droht den Deutschen das frühe Aus", kommentierte die Kopenhagener Zeitung "B.T." am Donnerstag das 1:1 der DFB-Auswahl im zweiten Vorrundenspiel der 17. Fußball-Weltmeisterschaft gegen die Iren.

Während im Weltmeister-Land die französische Zeitung "Liberation" den Niedergang des dreimaligen Weltmeisters (braucht noch einen Punkt gegen Kamerun) mit der Feststellung "Deutschland ist nicht mehr Deutschland" und dessen Ausgangslage als "kompliziert" umschrieb, ist das Weiterkommen der Völler-Truppe auf der iberischen Halbinsel beschlossene Sache. "Jetzt läuft Spanien Gefahr, im Achtelfinale auf Deutschland zu treffen. Und gegen die Deutschen spielt niemand gern", rechnete "El Pais" hoch.

In Irland hat Robbie Keanes Tor in der Nachspielzeit für großes Selbstvertrauen gesorgt. Denn wie gegen Kamerun kam die kampfstarke Elf von Mick McCarthy nach 0:1-Rückstand noch zum 1:1. "Man kann die Iren nie bezwingen", jubelte der "Irish Independent", der nach dem "märchenhaften Unentschieden eine Welle der Euphorie" auf der grünen Insel und in seiner Elite-Auswahl ausgemacht haben will. "Ein spätes Tor hält den Traum (vom Achtelfinale) am Leben. Es war ein Marsch durch die Wildnis", fasste die "Irish Times" zufrieden zusammen.

Im Mittelpunkt standen die Torschützen. Vor allem der Lauterer Aufsteiger Miroslav Klose, der in Asien schon seinen vierten Turnier- Treffer markierte, bekam ein dickes Sonderlob. "Klose wandelt auf den Spuren von Gerd Müller", erinnerte sich "Sport" (Spanien) an Bayern Münchens "Bomber der Nation", der mit 14 Toren der erfolgreichste WM- Schütze aller Zeiten ist. "Wer braucht Roy, wenn McCarthy Robbie hat?", fragte der "Daily Star" in Anspielung auf die beiden Keanes. "The Guardian" schrieb dazu: "The Keane is dead. Long live the Keane."

Dass der dreimalige Weltmeister den Vorsprung nicht über die Zeit brachte, wird als undeutsch angesehen. Zumal der Gegner mit typisch deutschen (Kampfes-)Tugenden zurückschlug. "Mit gleicher Münze heimgezahlt - Auf deutsche Manier können die Iren in letzter Minute noch mit Deutschland gleichziehen", meinte der niederländische "De Telegraaf". Taktische Fehler seien hinzugekommen. "Deutschland bleibt eine Minute vor dem Ziel stehen", stand im "Corriere della Sera".

Als "späte Strafe für das Rückzugsgefecht" wertete der Wiener "Kurier" den verschenkten Sieg. "Die Deutschen haben nach dem Tor von Klose das Fußballspielen eingestellt. Zu früh spielte Deutschland auf Zeit", meinte die "Kronenzeitung". Und "Die Presse" fasste das Geschehene so zusammen: "Jetzt zittert Deutschland. Irland holte die 8:0-Sieger gegen Saudi-Arabien wieder auf den Boden der Realität."

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