Reaktionen auf den „Super Tuesday“
Wall Street hofft auf das „kleinere Übel“

Die Wall Street hat nach dem „Super Tuesday“ ihre Wetten der neuen politischen Realität angepasst. Die Finanzprofis beginnen sich damit abzufinden, dass John McCain als Spitzenkandidat der Republikaner ins Rennen gehen wird. Doch viele Banker trauen ihm nicht über den Weg. Bei den Demokraten hofft Wall Street nun auf das „kleinere Übel“.

NEW YORK/FRANKFURT. Umgekehrt sehen viele Banker eine gute Chance, dass er dabei auf den Demokraten Barack Obama trifft. Dabei spielt nicht nur dessen gutes Ergebnis eine Rolle, sondern auch eine Portion Wunschdenken.

Denn der Wirtschaft ist der unkonventionelle Obama lieber als Hillary Clinton mit ihren traditionell sozialdemokratischen Rezepten. Noch sei offen, wer das Land in welche Richtung steuert, sagte Drew Matus, Ökonom bei der Investmentbank Lehman Brothers in New York. Für die Märkte sei die anhaltende politische Unsicherheit noch kein Problem. „Die angespannte wirtschaftliche Lage spielt für die Investoren eine weitaus größere Rolle“, sagte Matus. Entscheidend werde sein, ob ein Kandidat die von Präsident Bush beschlossene Verringerung der Kapitalertrags- und Dividendenbesteuerung verlängere. In dieser Frage trauen viele Banker den Republikanern mehr über den Weg.

Dagegen spielt es für die Steuerfrage nach Meinung von Dennis Snower, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, „keine Rolle, ob Republikaner oder Demokraten gewinnen“. Die Entscheidung hänge vielmehr von der Entwicklung der USKonjunktur ab: „Wenn es der USWirtschaft im November schlechtgeht, ist eine Verlängerung sehr wahrscheinlich. Wenn es ihr gutgeht, wird es wohl keine geben.“ Die Demokraten seien „überzeugt, dass es die falsche Politik ist, und McCain wird sich von Bushs wirtschaftspolitischer Linie distanzieren wollen.“

Wie bereits in der Subprime- Krise ist auch im Wahlkampf „Hedging“ das Zauberwort der Finanzbranche. Und wiederum scheint der Branchenprimus Goldman Sachs dabei das beste Risikomanagement zu betreiben. Die Mitarbeiter der Investmentbank haben ihre Spenden bislang fast gleichstark auf beide demokratischen Bewerber verteilt. Nur bei den Republikanern haben sich die Goldmänner vertan: McCain erhielt nur etwa ein Drittel der Summe, die sein jetzt abgeschlagener Rivale Mitt Romney einstecken konnte.

Eine bessere Nase hatte der ehemalige Goldman-Manager und heutige Merrill-Lynch-Chef John Thain. Er sammelt seit Monaten für den Senator aus Arizona. Unterm Strich haben die Demokraten jedoch mehr von der Spendierfreude der Finanzbranche profitiert als die wirtschaftsfreundlicheren Republikaner.

Dass viele Banker dem Querdenker McCain immer noch misstrauen, liegt vor allem an dessen kritischer Haltung gegenüber der Pharma- und Tabakindustrie sowie seinem Eintreten für den Klimaschutz. McCain hat außerdem Bushs massive Steuersenkungen anfangs nicht unterstützt.

Die demokratischen Bewerber sorgen in der Finanzbranche allerdings für noch mehr Nervosität. „Ich erwarte einen Tsunami der Umverteilung“, sagt Brian Gardner, Analyst beim Investmenthaus Keefe Bruyette & Woods. Clinton und Obama hätten ehrgeizige Ziele, mit Hilfe der Steuern die Einkommensverteilung zu korrigieren.

Allerdings halten die meisten Banker Obama für das „kleinere Übel“. Im Gegensatz zu Clinton ist er dagegen, die Hypothekenzinsen einzufrieren. Auch liegt er mit seiner Forderung nach Steuerkrediten näher an Bushs Konjunkturpaket als Clinton, die stärker auf traditionelle Ausgabenprogramme setzt.

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