Reaktionen auf den Terror
Analyse: Die Probe auf die Solidarität kommt noch

Die zivilisierte Welt eint das Entsetzen über die heimtückischen Terroranschläge auf die Machtzentren der USA. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den USA uneingeschränkte Solidarität bekundet und ihnen jede gewünschte Hilfe angeboten.

Die Generaldebatte über den Bundeshaushalt, die üblicherweise in eine Wahlkampfschlacht ausartet, wurde verschoben. Das ist gut so. Es ehrt auch die Deutschen, dass sie morgen für fünf Minuten die Arbeit ruhen und der Opfer gedenken werden. Nun heißt es, zusammenzustehen und eine gemeinsame Politik gegen die terroristische Herausforderung zu entwickeln. Zugleich müssen die G8-Staaten abgestimmte wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen ergreifen, um der Gefahr einer Weltwirtschaftskrise entgegenzuwirken.

Aber es bleibt die bange Frage, wie weit die Solidarität mit den Amerikanern trägt, wenn die USA zu einem Vergeltungsschlag ausholen. Die durch den Terror gedemütigte amerikanische Nation wartet auf ein Zeichen der Stärke der Weltmacht, die sich als so verletzlich erwiesen hat. Die Deutschen und Europäer sorgen sich, die Antwort der USA könne unverhältnismäßig hart ausfallen und damit neuen Nährboden für gewalttätige islamische Fundamentalisten schaffen.

Deutschland hat den USA so viel zu verdanken wie kaum eine andere Nation. Aber im Golfkrieg haben sich die Deutschen auf logistische und finanzielle Hilfe von 6,4 Mrd. US-Dollar beschränkt. Den US-Plänen zum Aufbau eines Raketenabwehrsystems steht die Bundesregierung unverändert skeptisch gegenüber. Nach den amerikanisch-britischen Luftangriffen auf Ziele im Irak zur Durchsetzung des Flugverbots schwieg sie beredt. Weder gegenüber dem Irak noch dem Iran und Libyen gibt es eine mit den USA abgestimmte Politik. Der Terrorismus macht diese Abstimmung jetzt dringender denn je. Die wirkliche Probe auf die Solidarität mit den USA kommt noch.

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