Reaktionen auf EM-Aus der „Nati“
Die Europameister der Pechvögel

Ein auf der Trainerbank zusammengesunkener Jakob "Köbi" Kuhn, fassungslos weinende Fans auf der Tribüne, Totenstille in der Kabine: Die Tristesse nach dem Europameisterschafts-Aus von Gastgeber Schweiz spiegelte sich in vielen Bildern wider. Doch wie geht es nach dem Ausscheiden des Gastgebers weiter? Reaktionen zum Ausscheiden der "Nati".

BASEL. Geführt, gekämpft, gehofft - und schließlich gescheitert. Der Schweizer Nationaltrainer Köbi Kuhn saß nach der "Wasserschlacht von Basel" noch lange nach dem Abpfiff auf der Bank, starrte apathisch in die Pfützen des sumpfigen Rasens und schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf. Der Treffer von Arda Turan in der dritten Minute der Nachspielzeit hatte den 64-Jährigen und eine ganze Nation wie ein Keulenschlag getroffen. Nach dem 1:2 (1:0) gegen die Türkei war das Aus des Gastgebers Schweiz nach nur fünf EURO-Tagen mit zwei Vorrundenspielen und zwei Niederlagen vorzeitig besiegelt. Den entsetzten "Nati"-Fans auf den Rängen des St. Jakob-Parks verschlug es buchstäblich die Sprache.

"Es ist schmerzlich", sagte der eidgenössische Nationalcoach Kuhn nach der Last-Minute-Niederlage gegen die Türkei (1:2) in einer an Dramatik kaum zu übertreffenden Partie. "Das brutale Ende aller EM-Träume", bilanzierte der "Tages-Anzeiger", "Abgesoffen", titelte die Schweizer Zeitung "Blick" am Donnerstag und unterstrich das unfassbare plakativ: "Schluss! Aus! Vorbei!". Nur fünf EM-Tage währte der Traum der kleinen Fußball-Nation, etwas ganz Großes zu vollbringen.

"Es ist nur eine Leere da", sagte Tranquillo Barnetta von Bayer 04 Leverkusen und rang nach Worten der Erklärung des Unfassbaren. Nach einer 1:0-Führung durch Hakan Yakin (32.) hatten die eingewechselten Semih (58.) und Arda (92.) den Gastgeber zum EM-Gast gemacht und am Bosporus für Ballyhoo gesorgt. "In der Kabine war kein Lärm, alle waren still. Wir sind traurig und am Boden", sagte Ersatz-Kapitän Ludovic Magnin nach dem Untergang mit fliegenden Fahnen. "Es nützt nichts, die Niederlage schön zu reden und zu sagen: Gut gespielt", meinte der Stuttgarter Verteidiger. "Wir haben verloren, das ist das Schlimmste." Auf EM-Niveau würden Kleinigkeiten entscheiden: Die Tschechen (0:1) hätten nur einmal aufs Tor geschossen und das 1:2 der Türkei sei durch einen abgefälschten Ball verloren worden. Der Traum ist finito. Im Fußball zahlt man cash", so Magnin tief betrübt.

"Dies war der schlimmste Tag in meiner Karriere", sagte Abwehrchef Patrick Müller. Er hatte mit der Hacke den Schuss von Arda zum Siegtreffer noch abgelenkt und damit die Eidgenossen endgültig zu "Europameistern der Pechvögel" gemacht. "Wir haben zwei Jahre hart gearbeitet, spielen gut und der Ertrag ist nicht da. So ein Moment ist bitter", meinte Torschütze Yakin. "Es ist eine Enttäuschung für die ganze Schweiz." Schließlich hatte die Alpenrepublik ein Ziel so hoch die ihre Berge. "Endstation Wien" prangte auf dem Mannschaftsbus. Statt zum Finale am 29. Juni ins EM-Nachbarland Österreich zu reisen, wurde Basel zur "Endstation Sehnsucht".

Ein Kette unglücklicher Ereignisse trug dazu bei: Erst belastete die schwere Erkrankung von Alice Kuhn den Nationalcoach und das Team, dann folgte der Schock durch das EM-Aus von Kapitän Alexander Frei im Eröffnungsspiel. "Ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen", sagte Kuhn. "Wir werden wieder aufstehen und versuchen, auch im letzten Spiel gegen Portugal alles zu geben." Für den 64-jährigen "Köbi Nationale" kommt am Sonntag in Basel nach siebenjähriger Amtszeit die Stunde des Abschieds. "Wir wollten für ihn ins Viertelfinale kommen. Jetzt wollen wir ihm mit einem Sieg wenigstens noch etwas Schönes bereiten", sagte Patrick Müller.

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