Reaktionen auf Iowa
„Er klang wie ein Präsident“

Die Sieger der ersten Vorwahlen in Iowa haben für Überraschungen gesorgt und bringen Fahrt in das Rennen um die US-Präsidentschaft: Der demokratische Senator Barack Obama hat gezeigt, dass ein Kandidat afroamerikanischer Herkunft trotz einer mehrheitlich weißen Bevölkerungsstruktur gute Chancen hat. Das honoriert auch die Blogszene.

DÜSSELDORF. Die Reaktionen sind eindeutig: Amerikas Blogger sind beeindruckt vom klaren Sieg Obamas beim Caucus in Iowa. „Er klang wie ein Präsident“, heißt es auf » The Atlantic.com. „Dass ein Kandidat afroamerikanischer Herkunft trotz einer mehrheitlich weißen Bevölkerungsstruktur gute Chancen hat, ist bemerkenswert.“

» Politico.com merkt an: „Senator Barack Obama kommt aus Iowa mit der größten News-Story der Welt und macht den Strategen von Clinton das Leben schwer. Nun bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Wählern zu erklären, warum Obama ein Risiko für die Partei und das Land wäre – und müssen dabei versuchen, Clinton nicht verzweifelt wirken zu lassen.“

„Thank you, Iowa!“, titelt » Lessing.org. „Der Stab wurde weitergereicht an eine neue Generation von Amerikanern.“

Im Wahlkampf war der junge schwarze Senator Barack Obama stets mit ausgesuchter Bescheidenheit aufgetreten, doch in der Nacht zum Freitag konnte er seinen Triumph einfach nicht mehr zurückhalten. „Die Zeit ist gekommen“, sagte er immer wieder, seine Anhänger gerieten völlig aus dem Häuschen. 38 Prozent bei der ersten Kandidaten-Kür im US-Präsidentschaftswahlkampf, selbst Optimisten hatten so einen klaren Sieg nicht erwartet.

Obama gelang ein erstaunlicher Triumph. Er verwies die landesweit als Favoritin gehandelte Senatorin Hillary Rodham Clinton hinter John Edwards auf Platz drei. Wahlnachfragen ergaben, dass Obama gegenüber Clinton auch bei Wählerinnen in Führung lag, mit 35 zu 30 Prozent. Offenbar kann der charismatische Politiker aus Illinois zahlreiche Frauen überzeugen, die damit auch die Möglichkeit außen vor lassen, erstmals eine Frau ins Weiße Haus zu schicken. Weiterhin ergaben die Nachfragen, dass Obama mit seiner Botschaft des Wechsels vor allem junge Wähler anzog.

Ein Viertel der knapp 240 000 Demokraten, die zu den Urnen kamen, waren unter 30. Davon stimmten 57 Prozent für ihn, 14 Prozent für Edwards und nur gut jeder zehnte für Clinton. Obamas gutes Abschneiden in Iowa, wo 95 Prozent der Bürger weißer Hautfarbe sind, ist Beobachtern zufolge ein Zeichen, dass er als Bewerber mit afroamerikanischem Hintergrund auch landesweit gute Chancen hat.

Ein » Washington-Post-Blog wies jüngst darauf hin, dass Obama aufgrund seines sympathischen Wesens auch beim»  „Beer Vote“ (Bier-Wahl) ganz vorne liegt. Hier wird gefragt, mit welchem der Kandidaten man am liebsten ein gemeinsames Bier trinken würde. Das ganze ist eine Idee der Bier-Lobby, die Ergebnisse sind dennoch auf ihre Weise bezeichnend. Die „Iowa-Biertrinker“ haben sich jedenfalls schon einmal durchgesetzt. Für Hillary Clinton sieht es bei dieser nicht ganz ernst gemeinten Wahl-Variante dagegen gar nicht gut aus.

„Das zeigt, dass sich in Amerika etwas ändert, wenn es um Hautfarbe und Politik geht“, erklärt ein Berater der Demokraten, Jamal Simmons. In fünf Tagen steht im Staat New Hampshire der nächste Test an, die Bevölkerungsstruktur dort ist ähnlich. „In Iowa zu gewinnen heißt noch nicht, die Nominierung zu gewinnen - aber es ist sehr bedeutend“, erklärt Simmons.

Das weiß auch Clinton. Sie betonte gleich nach der Wahlniederlage, dass sie schließlich einen landesweiten Wahlkampf führe und nunmehr bereit sei, die Führung in den übrigen Staaten zu übernehmen. Sollte Obama sie in New Hampshire wieder deklassieren, könnte sie allerdings nervös werden. Die frühen Siege in den relativ kleinen US-Staaten bedeuten Aufwind für den Wahlkampf der Sieger: mehr Medienberichterstattung, mehr Helfer und auch mehr Spenden.

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