Reaktionen auf Scharping-Entlassung
Soldaten: "Scharping hat keinen Pfiff"

Noch am Donnerstag war Rudolf Scharping (SPD) in der Truppe unterwegs, bevor ihn wenige Stunden später die Nachricht von seiner Entlassung als Verteidigungsminister erreichte.

HB SCHWERIN. Bei den Soldaten habe er sich wohlgefühlt, hatte der Minister mehrfach betont, hier sei er akzeptiert. In der Truppe stieß der Rheinländer hingegen nicht immer auf Gegenliebe.

"Der Wechsel war sicher wichtig", sagt ein Offiziersanwärter aus Berlin. "Die Bundeswehr steht vor so vielen Reformen wie noch nie. Herr Scharping war da vielleicht ein bisschen zu vorsichtig." Sein Kamerad pflichtet ihm bei: "Sicher war der Minister in der Truppe irgendwie respektiert. Beliebt aber sicher nicht."

Entscheidung überfällig

Ein Kieler Marineoffizier ist noch deutlicher: "Die Entscheidung war überfällig", sagt der Kapitän. Scharping habe "fürchterliche Unruhe" in die Truppe gebracht. Während der umfangreichsten Reform in ihrer Geschichte habe es an Kontinuität völlig gefehlt. Immerhin habe er die Reformen angeschoben. "Aber spätestens nach der Badeaffäre war seine Reputation in der Truppe weg". Ein Gefreiter aus Haldensleben sagt zu Entlassung Scharpings: "Das war höchste Zeit. Nach all den Skandalen der letzten Jahre war dieser Schritt überfällig."

Ihre Namen mögen die meisten nicht nennen: Von ganz oben sei dringend empfohlen worden, sich nicht zu dem Thema zu äußern. "Maulkorb" nennen das immer wieder die Soldaten. "Wir dürfen nichts sagen. Da ist ein eiserner Vorhang runtergegangen", erklärt ein Korvettenkapitän. Selbst ein früherer Inspekteur mag nicht offen reden, spricht aber von der "Erleichterung aller".

Spielt Bundestagswahl eine Rolle?

Ein Obergefreiter in der Kaserne Burg (Sachasen-Anhalt), hält die Demission Scharpings für überhastet. "Ohne stichfeste Beweise ist diese Entlassung verfrüht. Aber das liegt wohl an der anstehenden Bundestagswahl", sagt er. Ein Hauptmann aus einer norddeutschen Kaserne meinte, die Entlassung sei zwar überraschend gekommen, große Aufregung habe sie aber nicht verursacht. "Da gab es andere Anlässe, die andere Diskussionen ausgelöst haben wie Standortverlegungen oder Truppenabbau."

"Menschlich ist er mir gar nicht unsympathisch", meint ein Hauptmann aus Dortmund. "Aber ihm fehlte Fortune und Geschick". Vielen Soldaten habe Scharping gleich zu Beginn vor den Kopf gestoßen, als er vom Fraktionsvorsitz nur widerwillig auf die Hardthöhe wechselte. "Rudolf Scharping hat mit Sicherheit seine Verdienste, er hat ja auch die Reform immer gewollt. Aber gerade jetzt brauchen wir einen Macher", meint der Westfale.

Zweifel an Peter Struck

Ob das Peter Struck ist, bezweifeln viele. "Ich kenne Herrn Struck kaum. Ich hoffe, er kennt uns", sagt ein Wehrpflichtiger aus Sachsen- Anhalt. Der Magdeburger hofft auf "mehr Power" durch den Neuen. Auch die beiden Berliner Offiziersanwärter kennen den bisherigen SPD - Fraktionsvorsitzenden und nun zum zweiten Mal Scharping-Nachfolger "praktisch nicht".

"Er versteht etwas von Verwaltung", glaubt zumindest ein ziviler Mitarbeiter der Bundeswehr. Der Chef eines Kreiswehrersatzamtes aus dem Westen Deutschlands, auch er mag sich nicht offiziell äußern, glaubt ansonsten nicht an eine große Neuorientierung. "Struck ist wie Scharping in der SPD, außerdem wird bald gewählt. Unser Alltag wird sich kaum ändern." Das sei der allgemeine Tenor bei den zivilen Beschäftigten. Und auch ein Sprecher des Erfurter Wehrbereichs, für alle Ost-Länder außer Mecklenburg-Vorpommern zuständig, sieht den Wechsel gelassen: "Mit einem neuen Mann an der Spitze ändert sich der Auftrag nicht".

Der Kieler Kapitän ist skeptisch, wenn er an den neuen Minister denkt, den 13. in der Geschichte der Bundeswehr. «Die Streitkräfte brauchen jetzt einen Mann mit Pfiff und Verve. "Scharping sei das nicht gewesen, Struck traue er das "so recht" auch nicht zu, meint er, um dann hinzuzufügen: "Ich sehe aber auch keinen besseren."

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