Reaktionen aus der Finanzbranche
Dormann-Berufung bei Analysten umstritten

Vom überraschenden Führungswechsel beim schwedisch-schweizerischen Konzern ABB erwarten sich Analysten überwiegend eine Beschleunigung der Sanierung. Die Personalentscheidung ist unter den Beobachtern jedoch umstritten. Zudem fällt der Optimismus der Experten angesichts der schwierigen Lage des Energie- und Automationstechnik-Unternehmens nicht allzu groß aus.

vwd ZÜRICH. Analyst Kurt Strittmatter von Rahn & Bodmer sieht im neuen CEO Jürgen Dormann zumindest "den richtigen Mann am richtigen Ort". Dormann sei rigoros, temperamentvoll und dynamisch und habe bei Aventis gezeigt, was man bewegen könne.

Erstmals seit langem sehe er wieder einen positiven Aspekt bei ABB, auch wenn die Entwicklung noch Zeit brauche. Strittmatter betonte, falls der Kurs der ABB-Aktie am Freitag nicht steige, dann sei das dem negativen Börsenumfeld zuzuschreiben. Bis gegen 10.30 Uhr verlieren ABB an der Züricher Börse 0,16 % auf 8,19 CHF, während der SMI 0,05 % einbüßt.

Analysten von Merrill Lynch wiederum hielten an der fundamental vorsichtigen Einschätzung zu ABB fest. Dormann habe die Ziele für das Umsatzwachstum und die Entwicklung der Margen nicht geändert. "Wie halten es für unwahrscheinlich, dass ABB die Ziele bei den operativen Margen erreicht, und sind insbesondere besorgt über das mögliche endgültige Ausmaß der Asbest-Verbindlichkeiten", betonten die Experten.

Analysten von CIC Securities betonen, dass Centermann immerhin von Dormann berufen worden sei. Wenn diese Personalentscheidung von Dormann falsch gewesen sei, dann könnten ihm auch andere Fehler passieren. Ein "Cost-Cutter" sei bei ABB nicht genug. Andere Analysten betonten, Dormann habe keine Erfahrungen in der Branche. Zudem habe ABB gerade begonnen, die Bilanz auf die Füße zu stellen, da werfe der Führungswechsel nur neue Fragen auf.

Die Beobachter bei der Bank Sarasin erhöhten in Reaktion auf den offenbar vom Verwaltungsrat erzwungenen Rücktritt des Schweden Centermann allerdings das Kursziel der ABB-Aktie auf 11 (9) Franken und behielten die Einstufung auf "Buy". Begründung: Der Wechsel des CEO sei eine positive Entwicklung.

Der glücklose CEO Jörgen Centerman war am Vorabend überraschend gegen den bisherigen Verwaltungsratsvorsitzenden Jürgen Dormann ausgetauscht worden. Wie ABB mitteilte, übernimmt Dormann, bislang Vorsitzender des Verwaltungsrates, mit sofortiger Wirkung die operative Leitung des Konzerns. Er übernehme die Position mit dem Ziel, die Umsetzung der Unternehmensstrategie zu beschleunigen. Dormann sprach von "frischem Blut", das im Interesse des Unternehmens sei.

Jürgen Dormann bleibt nach seiner Ernennung zum ABB-CEO auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Aventis SA, Straßburg. Als Vorstandsvorsitzender der Hoechst AG hatte Dormann maßgeblich die Fusion des Frankfurter Chemieunternehmens mit der französischen Rhone-Poulenc zur Aventis SA betrieben.

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