Reaktionen der Anlagestrategen
Goldman Sachs ändert seine Aktienstrategie

Der Terrorangriff auf die USA hat offenbar längerfristige Auswirkungen auf den europäischen Kapitalmarkt. So änderte Goldman Sachs in London bereits einen Tag danach die Strategie für europäische Aktien. Die Bank befürchtet nun negative Folgen für bestimmte Sektoren.

LONDON. Die Bank of England stellte zusätzliche Liquidität für die Banken bereit, um der Furcht vor Engpässen vorzubeugen. Sie nahm an einer Krisensitzung europäischer Zentralbanker teil.

Der Aktienhandel begann am Mittwoch angesichts des Schocks nur schleppend. Der FTSE-100-Index erholte sich etwas von den deutlichen Vortagesverlusten. Der Ölpreis sank im Tagesverlauf wieder, nachdem er am Vortag mit 28,53 $ (IPE Brent-Future) auf ein Drei-Monats-Hoch geklettert war.

Die meisten Mitarbeiter der Finanzinstitute kehrten am frühen Morgen zu ihren Arbeitsplätzen in der City und Canary Wharf zurück, nachdem viele Häuser ihre Angestellten nach Bekanntwerden des Terrorangriffs am Dienstagnachmittag nach Hause geschickt hatten. Aber nur teilweise gelang es den Bankern, sich auf den Job zu konzentrieren. "Jeder ist sehr benommen, verhält sich still", erklärte Michael Chisholm von UBS. Angesichts der engen Bande mit New York ist die Bestürzung unter den Londoner Bankern besonders groß. Vor allem in den Niederlassungen der US-Investmentbanken bestimmten Trauer und die Furcht um die Kollegen den Arbeitstag, die in den nun völlig zerstörten Türmen des World Trade Centers arbeiteten.

Fassungslosigkeit prägt das Bild

Schon auf dem Weg zu ihren Büros hatte betretenes Schweigen die Atmosphäre in den Londoner Straßen und U-Bahnen bestimmt. "Viele Leute, mit denen ich arbeite, haben Kollegen in New York. Die sind fassungslos," beschreibt die 25jährige Lorna Doodson von Morgan Stanley das Entsetzen. Amerikanische Kollegen verbringen den Tag vor allem damit, Freunde in New York zu erreichen. Die London Stock Exchange als auch die Terminbörse Liffe riefen wie andere europäische Börsen für 12.45 Uhr Londoner Zeit zu einer Schweigeminute für die Opfer auf. Zu diesem Zeitpunkt war am Dienstag das erste Flugzeug in einen Turm des WTCs? gestürzt.

Die Aktienbörse unternahm unterdessen einen kleinen Erholungsversuch: Nachdem es am Dienstagnachmittag vor allem Versicherungswerte, Banken und Fluglinien erwischt hatte, konnten diese Aktien gestern wieder etwas an Boden gut machen. British Airways verbesserten sich bis zum Nachmittag um einige Prozentpunkte, HSBC zogen zeitweise über die Marke von 700p, sackten danach aber darunter. Viele Anleger vermieden es, höhere Positionen aufzubauen, erklärten Händler. Der Londoner Anleihemarkt verbuchte leichte Verluste.

Europastrategie auf den Kopf gestellt

Die Attacke "stellt unsere Europastrategie auf den Kopf", erklärte Goldman Sachs am Mittwoch in London. Der Anschlag habe negative Auswirkungen auf das Konsumentenvertrauen, schwäche die Wirtschaft und verschiebe die Erholung, zeigte sich das US-Investmenthaus überzeugt. Bislang war das Goldman-Portfolio auf eine Erholung ausgerichtet. "Das ist jetzt nicht mehr angebracht."

Aktien von Fluglinien, Hotels, der Freizeitindustrie und dem Einzelhandel seien besonders betroffen. Der Anstieg von Ölaktien "könnte sehr kurzfristig" sein, erklärte Goldman. Die Aussichten für die Telekom-Firmen, Technologie- und Sicherheits-Dienstleister dürften dem gegenüber steigen.

Wie schnell die Analysten ihre Strategie wieder auf eine Erholung der Märkte ausrichteten, "hängt von der Geldpolitik und vom Ölpreis der nächsten Wochen ab".

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