Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus
Neue Regeln rufen Delisting-Kandidaten auf den Plan

Die jüngste Verschärfung der Regeln am Neuen Markt, wonach Aktien mit einem Kurswert von weniger als einem Euro und insolvente Unternehmen das Segment nach einer Übergangsfrist verlassen müssen, haben die betroffenen Kandidaten auf den Plan gerufen. Die Reaktionen zu dieser Maßnahme der Deutsche Börse AG, Frankfurt, reichen von "Abwarten" bis hin zum "Zusammenlegen von Aktien" ("Reverse Stock Splits"), um so den Wert der Papiere zu erhöhen und über den Mindestkurswert zu heben.

vwd FRANKFURT. Mit ihrem Schritt will die Deutsche Börse, wie sie dargelegt hat, das Profil des Neuen Marktes schärfen und sich bei seiner Weiterentwicklung positionieren. "Wir werden den Neuen Markt nicht untergehen lassen", hat Vorstandsmitglied Volker Potthoff versichert.

Nachdem sich die derzeit unter dem Grenzwert notierten Unternehmen spontan mit Stellungnahmen zunächst zurückgehalten hatten, wird inzwischen offenkundig, dass in zahlreichen Vorstandsetagen darüber nachgedacht wird, möglicherweise frühere Aktiensplits rückgängig zu machen. Vereinzelt kann man sich auch vorstellen, gegen die Delisting-Regeln der Deutschen Börse zu klagen. In anderen Chefetagen zeigt man hingegen Zuversicht, bis zum Inkrafttreten der Delisting-Regeln sich nicht mehr in dieser Region zu bewegen. In einem fortgeschrittenen Stadium befindet sich offensichtlich die Endemann Internet AG, Neuss. Sie erwägt, den Aktiensplit aus dem Jahr 2000 im Verhältnis eins zu fünf rückgängig zu machen, um das Papier zu verteuern und den Ausschluss vom Neuen Markt doch noch abzuwenden. In der nächsten oder übernächsten Woche soll eine Entscheidung getroffen werden.

Allzu große Hoffnungen verbindet Endemann mit einer solchen Maßnahme allerdings nicht. Angesichts des trüben Börsenumfelds sei zu befürchten, dass die kurserholende Wirkung bereits nach kurzer Zeit verpufft sei. Man könne sich außerdem vorstellen, sich möglichen Klagen anderer Marktteilnehmer gegen die neue Regelung anzuschließen, jedoch nicht auf eigene Faust. Ein Zusammenlegen der Aktien prüft auch die Heiler Software AG in Stuttgart, deren Aktie am Montag unter einen Euro gesunken war. Man sehe sich dennoch nicht als "Pleitekandidat", die Liquidität liege bei über 25 Mill. Euro.

Bei Teamwork Information Management AG, Paderborn, wird nicht über einen "Reverse Stock Split" nachgedacht. Das Unternehmen befindet sich im Insolvenzverfahren und würde damit das qualitative Kriterium für ein Delisting vom Neuen Markt erfüllen. Man setze jetzt alles daran, bis zur Einführung der neuen Regeln das Insolvenzverfahren abzuschließen, betonte eine Sprecherin. Alle Optionen prüft die Hamburger ArtStor AG. "Wir wollen nicht zuschauen, bis etwas passiert, sondern bemühen uns aktiv, unseren Kurs über die magische Grenze von einem Euro zu bringen", hob Vorstand Teja Prella hervor. Die Meinungsbildung über die Möglichkeiten, zu denen auch ein Reverse Stock Split gehört, sei in vollem Gange.

Unterschiedliche Reaktionen

Keine Gedanken macht man sich gegenwärtig bei der Management Data Media Systems AG, Hamburg, über die Neuregelung. Das sei nachrangig, so ein Sprecher am Dienstag. Wichtiger sei für Management Data zunächst die Frage, wie es mit dem Unternehmen weiter geht. Am vergangenen Dienstag war Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt worden. "Kein Interesse am Reverse Stock Split zur Kurs-Kosmetik" hat auch die RTV Family Entertainment AG, München. "Wir gedenken nicht, in diese Richtung zu gehen", sagte ein Unternehmenssprecher und gab ebenfalls der Hoffnung Ausdruck, dass sich das Unternehmen bis zum Inkrafttreten der Regeln nicht mehr in diesen Regionen bewegen wird.

Der österreichische E-Business-Dienstleister Blue Consulting AG, -C Wien, will um seinen Verbleib im Wachstumssegment kämpfen. Das Unternehmen hält ein Erreichen der Zielmarke für möglich, obwohl der Kurs mit ca 0,32 Euro deutlich darunter liegt. Nach der jetzt abgeschlossenen Restrukturierung verspricht man sich, dass positive Unternehmensnachrichten den Aktienkurs in die geforderte Region bringen könnten. Auch die eJay AG, Stuttgart, die derzeit bei 0,38 Euro notiert, will grundsätzlich am Neuem Markt bleiben. Wie ein Sprecher erklärte, steht das Unternehmen zu diesem Börsensegment und will nicht nur am Geregelten Markt gehandelt werden. Derzeit würden mit Bankenvertretern und Rechtsanwälten die Verträge mit der Deutschen Börse geprüft.

Kritik an der Börse übte die GFN AG, Stuttgart. Der Schulungsanbieter sieht die geplante Herausnahme der "Billigaktien" zwar als grundsätzlich richtigen Schritt der Börse und als "vertrauensbildende Maßnahme" an, hält aber den gewählten Zeitpunkt für falsch. Schon die Ankündigung der Börse sei möglicherweise der Grund für das Absinken des GFN-Kurses auf unter einen Euro gewesen, sagte GFN-Sprecher Steven Hartenstein. Das Papier sei vor einer Woche noch um die 1,20 Euro bis 1,30 Euro notiert worden. Der Sprecher wies darauf hin, dass GFN weder konkursbedroht sei noch Geldvernichtung ("Cash Burning") betreibe. Das Unternehmen prüfe zur Zeit alle Möglichkeiten der weiteren Börsennotierung, auch den eventuellen Wechsel des Börsensegments. Am Neuen Markt sehe sich GFN aber "gut aufgehoben" fügte Hartenstein hinzu.

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