Reaktionen nach dem Meister-Titel
Dortmund im Rausch, Leverkusen gefrustet

Borussia Dortmund ist zum sechsten Mal deutscher Meister. Während bei den Schwarz-Gelben die Freudentränen rollten, ist in Leverkusen die Enttäuschung riesengroß.

dpa DORTMUND/LEVERKUSEN. "Das glaube ich nicht, das kann nicht wahr sein", ruft ein Fan mit Tränen in den Augen. Es sind Freudentränen, die da vor dem Dortmunder Westfalenstadion fließen - Borussia Dortmund ist zum sechsten Mal deutscher Meister. Sektkorken knallten mit Feuerwerkskörpern um die Wette, die Menschen lagen sich jubelnd in den Armen, und der Wall um die Dortmunder Innenstadt füllte sich blitzartig mit Fahnen schwenkenden Passanten und wild hupenden Autos.

Wer das Spiel nicht live verfolgen konnte, hatte um einen Platz in einer der völlig überfüllten Innenstadt-Kneipen gekämpft oder war zum Stadion gekommen. Dort hatte sich Borussia Dortmund im letzten Moment auf Bitten der Polizei bereit erklärt, das Spiel für die gut 6 000 unruhigen Fans auf einer Leinwand vor den Toren des Stadions zu übertragen. Darunter auch Stefan und Ingo aus Bremen. "Eigentlich hatten wir Karten, aber die haben wir verkauft", erzählt Stefan. "Bei 350 Euro pro Karte konnten wir nicht mehr widerstehen."

Mit dem Fahrrad zum Borsigplatz

Anlaufstelle Nummer 1 nach dem Meistertriumph war der Borsigplatz. Hier, wo der BVB in einer Gaststätte gegründet wurde, versammelten sich mehrere hundert Fans auf den Straßen rund um den von der Polizei abgesperrten Platz. "Wir haben uns sofort ins Auto gesetzt, als das Spiel vorbei war", ruft ein Ehepaar aus Kamen gegen den allgemeinen Jubel an. "Was soll ich sagen - Wahnsinn!" ruft ein Dortmunder freudestrahlend. Und Angelika Schulz, mit dem Fahrrad zum Borsigplatz gekommen, wusste es sowieso: "Heute ist mein Glückstag - genau vor einem Jahr habe ich meinen Freund kennen gelernt", ruft sie lachend.

In der City haben sich die Gastwirte auf eine rauschende Party eingestellt. Das Wasser in den Brunnen auf dem Alten Markt war schon vor dem Spiel gelb eingefärbt, auch viele Geschäftsleute hatten in Erwartung der Meisterschaft ihre Schaufenster gelb-schwarz dekoriert. Die Polizei, die mit 400 Beamten rund ums Stadion, in der Innenstadt und am Borsigplatz die Stellung hielt, zeigte sich zufrieden: "Es war weitgehend ruhig. Wir haben gut 50 Personen aus dem Verkehr gezogen, darunter vor allem Werder-Fans", sagte ein Sprecher. Trotz des Nieselregens sah man in Dortmund nichts als strahlende Gesichter.

Tränen im schwarz-roten Fan-Schal

In Leverkusen war die Enttäuschung dagegen riesengroß. "In dieser Saison hätten wir den Titel wirklich verdient", sagt die 24-jährige Ulla und wischt sich mit ihrem schwarz-roten Fan-Schal die Tränen ab. "Wir sind der Ewige Zweite", jammert auch ihr Freund Jörg nach dem knapp verpassten Titel vor der BayArena. "Wir lassen uns nun einfach treiben, von einer Kneipe in die andere." Rund 22 500 Bayer-Fans, darunter auch Leverkusens Oberbürgermeister Paul Hebbel (CDU), hatten im Stadion bis zuletzt gezittert.

In den Mannschaftswagen der Polizei fieberten ebenfalls viele Beamte mit. "Immerhin stehen wir ja noch in der Champions League im Finale", tröstet sich ein Polizist mit Blick auf das Spiel gegen Real Madrid am 15. Mai in Glasgow. In In einer überfüllten Kneipe in der Nähe meint Peter (42): "Klar sind wir alle super frustriert, aber das Leben geht weiter. Wir feiern trotzdem."

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