Real gewinnt Kampf um Beckham
Neuer Star für das „weiße Ballett“

Das größte Starensemble der Fußball-Welt wird noch um einen Superstar reicher. Nach einem zweimonatigen Transfer-Theater sicherte sich Real Madrid die Dienste des Engländers David Beckham von Manchester United.

HB/dpa MADRID. "Noch nie in der Geschichte des Fußballs hatte ein Club so viele Stars in seiner Mannschaft wie jetzt Real", schrieb das Madrider Sportblatt "Marca" am Mittwoch voll staunender Bewunderung. Allerdings wird in Spanien bezweifelt, ob das stärkste Team der Welt damit wirklich stärker wird. "Sportlich hilft Beckham den Madrilenen keinen Schritt weiter", befand die Zeitung "El País".

Die "Königlichen" einigten sich mit ManU im Eilverfahren auf eine Ablöse von 35 Mill. ?. Ein Fixbetrag von 25 Mill. wird in mehreren Raten fällig. Zudem erhält Manchester Prämien, die sich nach Reals Erfolgen richten und auf zehn Mill. ? belaufen dürften. Beckham, dessen Kontrakt bei ManU noch bis 2005 lief, erhält einen Vierjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr. Das Jahres-Gehalt des 28-Jährigen wird auf sechs Mill. ? beziffert. Damit liegt er auf dem Niveau anderer Real-Stars wie Ronaldo, Zidane oder Raúl.

Mit dem Beckham-Deal schlug Real dem Erzrivalen FC Barcelona ein Schnippchen, noch ehe die neue Saison begonnen hat. "Becks" soll sich am 1. Juli in Madrid medizinischen Tests unterziehen und tags darauf vorgestellt werden. Für die "Königlichen" war höchste Eile geboten. Denn Manchester hatte bereits Anstalten gemacht, den Star an "Barça" abzugeben. Dann aber der Sinneswandel, denn Beckham wollte partout nicht zu den Katalanen wechseln.

Spaniens Rekordmeister hatte wochenlang jedes Interesse am "Spice Boy" bestritten. Präsident Florentino Pérez antwortete kürzlich, als englische Reporter ihn auf Beckhams Verpflichtung ansprachen, sieben Mal mit "never". Nun lästert das Sportblatt "As": "Real braucht einen Englisch-Lehrer, der dem Clubchef beibringt, dass never ,niemals' und nicht ,mal abwarten' bedeutet". Pérez redete sich heraus: "Wir haben die Initiative nicht ergriffen. Der Spieler wollte unbedingt zu uns kommen." Der Real-Chef blieb seiner Linie treu, in jedem Sommer einen Top-Star zu holen. "Bei Luis Figo ging es ihm darum, seine Wahl zum Präsidenten zu sichern", schreibt "Marca". "Zidane bedeutete mehr spielerische Klasse, und Ronaldos Verpflichtung entsprang einer Laune und war mit Risiken verbunden. Bei Beckham geht's nur ums Geschäft."

Der Brite soll Real dabei helfen, die reichen Märkte in Asien zu erschließen. Da passt es gut, dass Beckham kurz nach der Transfer- Verkündung mit Ehefrau Victoria eine PR-Tour in Fernost begann. Der Mittelfeldakteur ist unter dem Einfluss des Ex-Spice-Girls immer mehr zu einer Pop-Ikone geworden. Von ihm heißt es, er sei der einzige Kicker, dessen Gesicht höher dotiert sei als die Beine und dessen Dress nicht nach Schweiß riecht, sondern nach Parfüm. Wegen seiner Werbeeinnahmen, die auf 8,5 Mill. ?/Jahr beziffert werden, ist der "König Midas des runden Leders" bestbezahlter Fußballer der Welt.

Real sicherte sich für die künftigen Werbeverträge Beckhams einen Anteil von 50 %. Geschäftlich dürfte der Transfer ein Erfolg für die "Königlichen" sein. Dem Coach - ob Vicente del Bosque bleibt, ist äußerst fraglich - wird der Transfer aber einiges Kopfzerbrechen bereiten. Welcher Spieler soll für Beckham geopfert werden? Figo, der auf Beckhams Position am rechten Flügel spielt, wird schon mit Inter Mailand in Verbindung gebracht. Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Engländer ins zentrale Mittelfeld rückt. Dann flöge Guti, der gerade den Durchbruch geschafft hat, wieder aus der Stammelf.

Der Trainer muss auch klären, wer künftig die Freistöße schießt. Dies ist ebenso Beckhams Spezialität wie die des Scharfschützen Roberto Carlos. Der Brasilianer gibt sich kulant: "Ab und zu werde ich Beckham mal schießen lassen." Ungeklärt ist auch, welche Rücken- Nummer Beckham erhält. Der Brite hat die "7" zu seinem Markenzeichen gemacht. Aber die ist Fan-Liebling Raúl vorbehalten. Beckham könnte, so wird spekuliert, die "77" bekommen. Oder er kriegt Ronaldos "11", und der Brasilianer bekäme seine geliebte "9" zurück. Dazu müsste allerdings Fernando Morientes, die jetzige "9", den Verein verlassen. (Berichtigung: Im vierten Absatz, sechste Zeile war das Wort "nicht" ausgefallen).

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