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Real Madrid auf dem Tiefpunk

Real Madrid hat mit einer 0:1-Heimniederlage gegen den FC Sevilla ein desaströses Jahr abgeschlossen. Die Schlappe markierte zugleich einen neuen Tiefpunkt in der Krise des spanischen Fußballrekordmeisters.

dpa MADRID. Real Madrid hat mit einer 0:1-Heimniederlage gegen den FC Sevilla ein desaströses Jahr abgeschlossen. Die Schlappe markierte zugleich einen neuen Tiefpunkt in der Krise des spanischen Fußballrekordmeisters.

Superstars wie David Beckham oder Ronaldo waren nur noch Schatten ihrer selbst, die Vereinsbosse rauften sich ratlos die Haare, und die Fans verließen unter Protesten vorzeitig das Bernabéu-Stadion. "Die Partie gegen Sevilla war typisch für das Annus Horribilis (schreckliche Jahr) 2004, in dem Real keinen einzigen Titel holte", meinte das Sportblatt "Marca". Torwart Iker Casillas umschrieb die desolate Darbietung der "Königlichen" mit den Worten: "Wir hätten uns nicht beklagen können, wenn wir 0:4 verloren hätten."

Real verabschiedete sich fast schon aus dem Kampf um den Titel, obwohl nicht einmal die Hinrunde in der Primera División abgeschlossen ist. "Der Rückstand (von 13 Punkten) zum Spitzenreiter FC Barcelona ist kaum aufzuholen", räumte Trainer Mariano García Remón ein. Der Coach scheint jeden Kredit verspielt zu haben. Die Fans forderten lautstark seine Entlassung. García Remón hatte den Weltmeister Ronaldo zunächst überraschend auf die Ersatzbank beordert. Zur Halbzeit holte er Beckham (für Ronaldo) vom Platz. Hinter all dem schien der verzweifelte Versuch eines angeschlagenen Trainers zu stehen, so etwas wie "Stärke" zu zeigen.

Aber die Madrilenen waren an diesem Abend sogar einem "Wunschgegner" wie dem FC Sevilla unterlegen, der in den letzten 20 Jahren im Bernabéu-Stadion immer brav die Punkte abgegeben hatte. Der neue Generalmanager Arrigo Sacchi konnte sich oben auf der Tribüne selbst ein Bild davon machen, welche Herkules-Aufgaben ihn bei Real erwarten.

Bei seiner Vorstellung am Tag nach der Heimpleite warnte der Italiener davor, Wunderdinge von ihm zu verlangen: "Ich bin nicht einer von den Heiligen Drei Königen." Sacchi soll bei Real eine neue Mannschaft aufbauen. Eine Ablösung des Trainers komme nicht in Frage, versicherte der Manager, der in den 90er Jahren ein Coach von Weltruf war. Er selbst werde sich nicht auf die Trainerbank setzen.

Die vor kurzem als Idole verehrten Superstars von Real müssen mitansehen, wie andere nun Witze über sie reißen. Das französische Magazin "France Football" brachte die Formkrise von Kapitän Raúl auf den Nenner und schrieb, aus dem "Ferrari" sei eine "Ente" geworden. "Marca" griff die Auto-Idee auf und verglich Zinedine Zidane mit einem Bentley: "Elegant und teuer, aber nur für Spazierfahrten gut". Beckham sei wie ein Geldtransporter ("nur zur Bewegung größerer Summen zu gebrauchen"). Der ständig verletzte Jonathan Woodgate gleiche einem Krankenwagen ("immer auf dem Weg ins nächste Spital"). Owen sei wie ein Austin Mini ("klein und eine Liebelei des Präsidenten") und Casillas wie ein Volvo ("sicher, aber es fehlt das gewisse Etwas").

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