Real will Weltpokal
Ronaldo will den Bus treffen

Ronaldo kehrt an die Stätte zurück, an der er Brasilien vor fünf Monaten zum 2:0-Sieg über Deutschland im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft geschossen hatte. Nach dem Gewinn des WM-Titels will sich der Torjäger nun in Yokohama mit Real Madrid auch den Weltpokal sichern.

HB/dpa MADRID/YOKOHAMA. Ein Sieg im Endspiel am Dienstag (11.15 Uhr MEZ) ist für Ronaldo und die "Königlichen" Pflicht, denn der Gegner Olimpia Asunción aus Paraguay ist international ein reichlich unbeschriebenes Blatt.

Ronaldos Teamkamerad Roberto Carlos schwärmt in Erinnerungen an Brasiliens Führungstreffer im WM-Finale: "Ich sehe es noch genau vor mir, wie Rivaldo auf das Tor der Deutschen schoss, Oliver Kahn den Ball abprallen ließ, Ronaldo zur Stelle war und das 1:0 markierte." Bei ihrer Rückkehr nach Yokohama treffen die beiden Brasilianer nun mit Real Madrid auf einen Außenseiter, der mit einer Abwehrmauer gegen die Superstars bestehen will. Das spanische Sportblatt "As" argwöhnt: "Olimpia wird einen Bus in sein Tor stellen."

Das wird vielleicht nicht einmal nötig sein. Reals Star-Ensemble um Ronaldo und Zinedine Zidane scheint nämlich vergessen zu haben, wie man Tore schießt. Seit drei Spielen erzielte das Team keinen einzigen Treffer, in der Champions League ist der Club seit fünf Runden ohne Sieg. "Real gewinnt nicht mehr und schießt auch keine Tore", stellt das Sportblatt "Marca" besorgt fest. Aus den letzten 13 Pflichtspielen sprangen nur zwei Siege heraus.

Real will in Yokohama nicht nur zum dritten Mal (nach 1960 und 1998) den Weltpokal gewinnen, sondern auch Krisenbewältigung betreiben. Ronaldo und Co. haben aber auch einen anderen Grund, sich ins Zeug zu legen. Das Endspiel entscheidet möglicherweise darüber, wer zum Weltfußballer des Jahres gewählt wird. Ronaldo und Zinedine Zidane stehen als Kontrahenten von Bayern Münchens Torwart Oliver Kahn zur Wahl.

Keiner von ihnen drängte sich bislang als weltbester Kicker auf. "Ronaldo ist eigentlich nicht der Fußballer eines Jahres, sondern nur eines Monats; denn er glänzte nur bei der WM", meint "As". Zidane enttäuschte mit der französischen Equipe ausgerechnet beim WM- Turnier.

Solche Fragen stellen sich den Paraguayern nicht. "Gegen Real habe ich kein Problem, meine Spieler zu motivieren", freut sich Olimpias Trainer Nery Pumpido. "Ronaldo ist einer der besten Spieler der Welt, aber seit seinem Debüt bei Real ist bei ihm die Luft raus." Der Club feiert - ebenso wie Real - in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Dass er sich nach 1979 und 1990 erneut für das Weltpokalfinale qualifizieren konnte, gleicht allerdings einem Wunder.

Olimpia wurde im Jubiläumsjahr von einer Serie von Skandalen erschüttert. Clubchef Osvaldo Domínguez warf einzelnen Spielern vor, sich lieber mit Prostituierten zu amüsieren als zu trainieren. Die Fußballer drohten mit einem Streik und hätten beinahe das Weltpokalfinale platzen lassen. Davon aber kann keine Rede mehr sein, und zumindest in der Vorbereitung sammelten die Südamerikaner Pluspunkte. Während Real erst am Donnerstag nach Tokio reiste, sind die Paraguayer zwecks besserer Akklimatisation schon seit einer Woche in Japan auf.

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