Realer Umsatzverlust erwartet
Trübe Aussichten für den Einzelhandel

Nach einem realen Umsatzminus im laufenden Jahr rechnet der Deutsche Einzelhandel auch für 2002 mit einer Stagnation. "Wir erwarten für 2002 beim Umsatz keine realen Zuwächse ", sagte der Präsident des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, am Mittwoch in Düsseldorf.

Reuters DÜSSELDORF. Damit würde der Handel im zehnten Jahr in Folge beim realen Umsatz ein Minus verbuchen. Zur Belebung der eingetrübten Konjunktur forderte die Branche erneut Steuersenkungen und Kürzungen bei den Sozialleistungen. Im ersten Halbjahr 2001 habe die Branche so schlechte Geschäfte gemacht wie seit vier Jahren nicht mehr, sagte Franzen.

Die Konsumflaute der vergangenen Jahre werde sich fortsetzen, sagte der HDE-Präsident voraus. Die Anschläge in den USA und die allgemeine Kaufzurückhaltung führten dazu, dass der ursprünglich für dieses Jahr erwartete Aufschwung sich weiter verzögere. Für Panikmache und Krisenszenarien besteht nach Einschätzung Franzens aktuell jedoch kein Anlass. Bisher seien im Verbraucherverhalten keine bedeutsamen Veränderungen zu spüren. "Die Umsatzentwicklung ist bescheiden und wird bescheiden bleiben". Damit bekräftigte Franzen seine vor einer Woche in einem Interview mit Reuters gemachte Prognose.

Belastung durch die Ökosteuer

Ursprünglich hatte der Einzelhandel für dieses Jahr mit einem Plus von zwei Prozent den höchsten realen Zuwachs seit 1991 erwartet. Für das kommende Jahr sagte der HDE-Chef voraus, der Umsatz werde bei einer unterstellten Inflationsrate von 2,0 bis 2,4 % nominal um 0,9 % sinken. Hinzu kämen noch die Belastungen aus der Anhebung der Ökosteuer.

Verschärfe sich die Situation, werde der deutsche Export einbrechen, stellte der HDE-Chef fest. "Wir sind Weltmeister im Außenhandel, aber leider Kreismeister beim Konsum", ergänzte HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel. Sollte der Außenhandel als Folge der US-Anschläge weiter sinken und damit auch die Investitionsneigung, würden bei vielen Einzelhändlern die Lichter ausgehen, sagte Wenzel weiter. Der Druck auf die Erträge werde sich auch im kommenden Jahr fortsetzen. In den ersten sechs Monaten 2001 sei der Ertrag bei etwa 40 % der Händler gesunken.

Kritik an der Steuerpolitik

Scharf kritisierte Franzen die Steuerpolitik der Bundesregierung und die aus seiner Sicht damit verbunden Nachteile für die Konsumneigung. "Jetzt ist nach der Ökosteuer und Rasen für die Rente auch noch Rauchen für den Frieden angesagt", sagte der HDE-Chef. An die Bundesregierung appellierte er, die Entlastungen der Steuerreform vorzuziehen und auf die geplanten Erhöhungen sowie die nächste Stufe der Ökosteuer zu verzichten. Franzen: "Steuersenkungen sind das einzig wirksame Rezept gegen Konsumflaute und Investitionsschwäche". Nur so ließen sich auch dauerhaft neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Klage der Branche mit 2,8 Mill. Beschäftigten, 430 000 selbständigen Betrieben und einem Jahresumsatz 2000 von 735 Mrd. DM untermauerten die HDE-Spitzenvertreter mit der traditionellen Herbstumfrage. Danach erleben Deutschlands Einzelhändler das schlechteste Geschäft seit vier Jahren. Der Umsatz sei im ersten Halbjahr 2001 real um 0,8 % gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 2000 gesunken. In absoluten Werten habe der Umsatz von Januar bis Juni 358 Mrd. DM betragen. Dies seien nur drei Mrd. mehr als im Vorjahr. Damit sei der Anteil des klassischen Einzelhandels am gesamten privaten Verbrauch auf 30,5 % zurückgegangen. 2000 waren es noch 31,2 % gewesen, sagte Franzen.

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